Emelina Preis ist froh, dass sie bald fertig ist mit ihrem Medizinstudium. Noch anderthalb Jahre hat sie an der Charité-Universitätsmedizin vor sich, und dabei wird es immer enger. „Man merkt schon, dass sich immer mehr Studenten im Klinikum um die Patienten drängen, um ihre Praxisanteile zu erfüllen“, sagt die 25-Jährige. Und der Trend hält weiter an.

Das Statistische Landesamt Berlin Brandenburg meldet, dass die vorläufige Zahl der Studenten in diesem Wintersemester im Vergleich zum Wintersemester des Vorjahres um 2,8 Prozent gestiegen ist. In absoluten Zahlen: 164.000 Studenten, 4508 mehr als vor einem Jahr. Allerdings ist der Anstieg nicht gerade den großen Universitäten zu verdanken, sondern eher den Fachhochschulen. An der Technischen Universität (TU) und der Freien Universität (FU) gehen die Gesamtzahlen der Studierenden sogar leicht zurück, obwohl es an den renommierten Einrichtungen von Jahr zu Jahr mehr Bewerber gibt.

Schulabgänger, die in Berlin studieren wollen, haben es immer schwerer. Insgesamt gab es in diesem Herbst für die Erstsemester weniger Studienplätze an allen Hochschulen. Steigende Studentenzahlen hat nur die Humboldt-Universität, obwohl zum jetzigen Wintersemester für Studienanfänger sogar 700 Plätze weniger angeboten wurden als im Vorjahr. Mit 23.615 ist die Zahl der Anfänger um 1180 geringer als im Wintersemester ein Jahr zuvor.

Mehr Studenten an Fachhochschulen und privaten Hochschulen

Es müssen also vor allem die Masterstudiengänge sein, die wachsen. Zudem kommen immer mehr ausländische Studenten nach Berlin und steigen in höhere Semester ein. Allein die Zahl der Studierenden aus dem Ausland ist um fast 1000 gewachsen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Viele versuchen aber auch, die Zulassungsbeschränkungen in den begehrten Studiengängen zu umgehen und beginnen ihr Studium zunächst in einer anderen Stadt, um dann später in Berlin einzusteigen.

Steigende Studentenzahlen verzeichnen vor allem einige Fachhochschulen und private Hochschulen wie die European School of Management and Technology (ESMT) oder die Hertie-School of Governance. Insgesamt steigt die Zahl der Studenten an Fachhochschulen um knapp 3000.

Einen besonders großen Zuwachs hat die Beuth-Hochschule für Technik in Mitte. In diesem Wintersemester gibt es dort 11.986 Studenten, etwa 800 mehr als im Vorjahr. „Wir haben Zuwächse in allen Bereichen, sowohl bei den Erstsemestern als auch bei den Masterstudiengängen“, sagt Monika Gross, Präsidentin der Beuth-Hochschule.

Kampf um bezahlbaren Wohnraum in Berlin

Einige neue Studiengänge wie Biotechnologie oder Erneuerbare Energien würden nun langsam in höhere Semester hochwachsen. Zudem habe die Hochschule in einigen Studiengängen die Zulassungsbeschränkung durch den Numerus Clausus aufgehoben. „Diese Chance wurde von den Bewerbern sehr stark angenommen“, sagt die Präsidentin. Bei den Masterstudiengängen sei auch das Interesse deutschlandweit sehr groß.

Emelina Preis hatte nur auf Umwegen einen Studienplatz in Berlin bekommen. Obwohl sie in Berlin zur Schule gegangen ist, hatte sie hier keine Chance, ihr Traumfach Psychologie zu studieren. „Ich ging nach Hamburg, um dann schon nach einem Semester nach Berlin zurückzukehren“, sagt sie. Offenbar würden doch viele Erstsemester wieder abspringen. Sie sei nicht die Einzige gewesen, die diesen Umweg genommen habe. Eine ganze Handvoll von Kommilitonen habe wie sie Hamburg nach einem Semester wieder verlassen.

„Ich habe meine ganzen Freunde hier, meine Familie, und ich mag einfach die Stadt Berlin“, sagt sie. Natürlich sei es für sie hier durch ihre Kontakte auch einfacher gewesen ein WG-Zimmer zu bekommen. „In Hamburg war ich auf ein Zehn-Quadratmeter-Zimmer im Wohnheim angewiesen“, sagt sie. In Berlin habe sie dann ein Zimmer für 250 Euro gefunden, heute sei das für diesen günstigen Preis kaum noch zu machen.

WG-Zimmer in München kostet durchschnittlich 500 Euro

Mit den steigenden Studentenzahlen wird der Wohnungsmarkt allerdings auch in Berlin immer angespannter. In einem am Dienstag von dem Berliner Immobilienentwickler GBI AG veröffentlichten „Anspannungs-Ranking“ rangiert Berlin in diesem Wintersemester unter 81 deutschen Hochschulstädten auf Platz neun. An erster Stelle steht München. Hier müssen die Studenten tief in die Tasche greifen, um die Miete zu bezahlen. Ein unkomfortables WG-Zimmer würde laut Analyse in München durchschnittlich 500 Euro kosten.

Auf Platz zwei und drei folgen Hamburg und Frankfurt. Aber auch in Berlin wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Bei den ersten 25 Städten, die das Ranking anführen, sei die Situation kritisch und würde sich auch in absehbarer Zukunft nicht entspannen, weil der Zulauf weiter anhalte, so ein Ergebnis der Untersuchung.

9456 Wohnheimplätze für mehr als 160.000 Studenten

„Für die angespannte Situation sorgt vor allem der steigende Anteil der Studierenden, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Diese Studenten sind besonders auf Wohnheime und den freien Wohnungsmarkt angewiesen, da sie in der Regel nicht bei Eltern oder Verwandten wohnen können“, sagt Stefan Brauckmann, Leiter der Studie.

In Berlin stehen derzeit lediglich 9456 Wohnheimplätze für die mehr als 160.000 Studenten zur Verfügung. Studentenwerk und Land Berlin haben erst kürzlich erklärt, die Zahl erhöhen zu wollen. Das Studentenwerk prüft derzeit nach eigenen Angaben sechs Grundstücke für Neubauten und zwei Gebäude, die umgebaut werden könnten. Insgesamt könnten dadurch mehr als 800 Wohnheimplätze geschaffen werden, schätzt das Studentenwerk.