War es „nur“ rasende Eifersucht oder waren es Wahnvorstellungen, die einen 57-Jährigen beinahe zum Mörder werden ließen? Mit dieser Frage muss sich seit Montag eine Berliner Schwurgerichtskammer am Landgericht Moabit befassen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem aus Kasachstan stammenden Angeklagten Karl U. vor, er habe im Februar 2013 an einem Parkplatz an der Kienbergstraße in Marzahn versucht, den 43 Jahre alten Ex-Freund seiner Tochter „heimtückisch und aus niederen Beweggründen“ zu töten. Nach Überzeugung der Anklagebehörde ging U. davon aus, dass das Opfer sich zuvor von seiner Tochter abgewandt und dafür seiner Ehefrau zugewandt habe.

Zwischen den beiden Rivalen war es bereits mehrfach zu handfesten Auseinandersetzungen gekommen. Zumindest einmal bedrohte U. den Kontrahenten mit einer Schusswaffe und kündigte an „Ich mach’ dich fertig, jetzt bist du platt“. Bei der bloßen Ankündigung ist es dann auch geblieben.

Ein Schuss traf den 43-Jährigen ins Herz

Bis zum 15. Februar 2013. Karl U. war inzwischen fest davon überzeugt, dass der 43-Jährige ein Verhältnis mit seiner inzwischen von ihm getrennt lebenden Ehefrau hat. In den frühen Abendstunden versteckte er sich in einem Gebüsch vor dem Haus, in dem sein Kontrahent lebte.

Als dieser erschien, gab U. mehrere Schüsse aus einer Pistole ab. Der Angeklagte schoss so lange, bis das Magazin leer war, heißt es in der Anklageschrift. Ein Schuss traf den 43-Jährigen ins Herz, überlebt hat das Opfer nur dank einer mehrstündigen Notoperation.

Sowohl die Bedrohungen wie auch die Schüsse räumte Karl U. am ersten Verhandlungstag ein, gab aber an, er habe seinem Kontrahenten nur einen „gehörigen Schrecken“ einjagen wollen. Dass eine Kugel im Herzen des Opfers landete, habe er nicht gewollt. Zudem sei er zur Tatzeit stark betrunken gewesen, wie so häufig nach dem Auseinanderfallen seiner Familie, für das er den 43-Jährigen verantwortlich machte.

An den weiteren Verhandlungstagen muss das Gericht vor allem klären, ob U. zur Tatzeit überhaupt schuldfähig war.