Berliner S-Bahn

Kein Durchkommen mehr auf der Nord-Süd-Bahn

Zehntausende S-Bahn-Fahrgäste müssen von diesem Freitag an umsteigen. Der Nord-Süd-Tunnel der Linien S1, S2 und S25 wird von 22 Uhr an voll gesperrt. Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen.

Foto: Joerg Krauthoefer

Welcher Abschnitt ist gesperrt?

Zwischen den Stationen Anhalter Bahnhof und Nordbahnhof fahren 16 Tage lang keine S-Bahnen.

Wie verkehren die betroffenen S-Bahnlinien?

Die S1 fährt im Süden zwischen Potsdam Hauptbahnhof und Anhalter Bahnhof nach dem regulären Fahrplan. Im Norden fahren die Züge zwischen Oranienburg und Nordbahnhof jeweils zwei bis drei Minuten früher als üblich. Die S2 fährt regulär zwischen Blankenfelde und Anhalter Bahnhof sowie zwischen Nordbahnhof und Bernau. Die S25 fährt zwischen Teltow Stadt und Südkreuz sowie zwischen Hennigsdorf und Gesundbrunnen. Dort werden die Züge umgeschildert und fahren weiter als S45 über den westlichen Ring zum Flughafen Schönefeld. Die S46 wird zur Entlastung ebenfalls bis zum Bahnhof Gesundbrunnen verlängert. Damit fährt in der Hauptverkehrszeit alle drei bis vier Minuten eine S-Bahn über den Westring.

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Welche Umfahrungsmöglichkeiten gibt es?

Die S-Bahn empfiehlt die Umfahrung der Baustelle auf dem westlichen Ring. Zwischen Gesundbrunnen und Südkreuz dauert die Fahrt auf dem Umweg nach Angaben von Detlef Speier, zuständig für die Fahrgastinformation bei der S-Bahn, je nach Umsteigezeit nur etwa 10 Minuten länger. Alternativ können Reisende zwischen Gesundbrunnen, Potsdamer Platz und Südkreuz auch die Züge des Regionalverkehrs nutzen. Je nach Ziel bieten sich als Umfahrung auch die U-Bahnlinien U2 (von Pankow über Potsdamer Platz bis Bahnhof Zoologischer Garten), U6 (zwischen Tempelhof, Friedrichstraße und Wedding), U7 und U8 (mit Umstieg am Hermannplatz von Neukölln nach Gesundbrunnen) sowie U9 (von Bundesplatz bis Westhafen) an.

Fahren auch Ersatzbusse?

Ja. Die S-Bahn organisiert einen Ersatzverkehr zwischen Nordbahnhof und Anhalter Bahnhof, der auch alle Bahnhöfe entlang der Strecke erreichbar machen soll. An den Bahnhöfen Oranienburger Straße und Brandenburger Tor müssen Fahrgäste aber mit einem kleinen Fußweg rechnen, weil die Busse diese Stationen nicht direkt anfahren können. Die Busse sollen alle fünf Minuten fahren. Der Fahrplan des Ersatzverkehrs geht von einer Fahrzeit von 15 bis 16 Minuten zwischen Nordbahnhof und Anhalter Bahnhof aus. Vor allem im Berufsverkehr kann es wegen der häufigen Staus in der Innenstadt aber auch deutlich länger dauern, zumal mehrere Dauerbaustellen die direkte Fahrstrecke blockieren.

Wie informiert die S-Bahn ihre Kunden?

Das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn hat 60.000 Faltblätter drucken lassen, mehr als bei jeder bisherigen Baumaßnahme im Netz. An den Bahnhöfen und den Haltestellen der Ersatzbusse sollen 53 große Schilder sowie zahlreiche kleinere Hinweise und Aufkleber für die Orientierung sorgen. Außerdem klebt die S-Bahn exakt 958 Fußstapfen in die Bahnhöfe und auf Gehwege, um die günstigsten Wege zu markieren.

Warum werden die Schienen jetzt erneuert?

Ursprünglich war der Schienenwechsel bereits im vergangenen Jahr geplant, wurde aber wegen der Sperrung der parallel verlaufenden U-Bahnlinie U6 verschoben. Erst seit Sonntag fahren die U-Bahnen wieder. Die S-Bahn-Schienen sind nach Angaben der Bahntochter DB Netz nach 20 Jahren Belastung mit bis zu 36 Zügen pro Stunde nun aber so stark abgenutzt, dass sie dringend ausgetauscht werden müssen. Ansonsten würde im kommenden Jahr eine Zwangssperrung des Tunnels drohen. Unterschreiten die Schienen nämlich bestimmte Toleranzwerte, dürfen sie nicht mehr genutzt werden. Im Extremfall könnte es andernfalls zum Entgleisen eines Zuges kommen.

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Warum muss der Tunnel dafür voll gesperrt werden?

Grund sind laut Ulrich Burkhardt, Projektleiter bei DB Netz, die beengten Platzverhältnisse im Tunnel. Sie machen den Einsatz großer Gleisbaumaschinen unmöglich. Für die gesamte Baulogistik, also beispielsweise den Abtransport der alten Schienen und die Lieferung der neuen Schienen, die dank Edelstahl-Vergütung besonders fest sind, wird auch das zweite Gleis während der gesamten Bauarbeiten benötigt. Außerdem sollen während der Sperrung noch mehrere kleinere Arbeiten am Tunnel selbst sowie an der Technik erledigt werden. So soll etwa eine Dauer-Signalstörung behoben werden, die seit einigen Tagen für Verspätungen sorgt.

Was kosten die Bauarbeiten?

Insgesamt investiert die Bahn 2,1 Millionen Euro in den Austausch der Schienen. 900.000 Euro kostet allein das Material. Die 15.000 Meter Schienen werden teilweise aus Frankreich und Österreich geliefert. 70.000 Euro muss die Bahn für Brandwachen ausgeben. Die menschlichen Feuermelder sollen auf den Bahnhöfen die automatischen Brandschutzanlagen ersetzen. Jene müssen wegen der Rauchentwicklung bei den Schweißarbeiten im Tunnel abgeschaltet werden.

Sind am 9. Dezember für die nächsten Jahre alle Arbeiten im Tunnel erledigt?

Leider nein. Bereits im kommenden Jahr wird die Nord-Süd-Verbindung erneut gekappt. Dann sollen zahlreiche Weichen, vor allem am Nordbahnhof und Potsdamer Platz, erneuert werden. Frühestens im September sollen die Arbeiten beginnen und werden voraussichtlich länger dauern als die Sperrung in diesem Jahr. Außerdem steht bereits fest, dass der Zugverkehr 2014 zwischen Gesundbrunnen und Anhalter Bahnhof eingestellt werden muss. Die Arbeiten an den Weichen zeitgleich mit dem Schienentausch zu erledigen, war nach Angaben der Bahn nicht möglich.

Wie viele Fahrgäste sind betroffen?

Nach S-Bahn-Angaben ist der Tunnelabschnitt der Nord-Süd-Linien eine der meist genutzten Strecken im gesamten Netz. An Werktagen sind dort durchschnittlich 80.000 Fahrgäste unterwegs.