Stasi-Unterlagen

Investor Hinkel war beim DDR-Geheimdienst erfasst

Die Bundesbehörde für Stasi-Unterlagen hat ein Schreiben über den Investor und Bauherren an der East Side Gallery herausgegeben. Hinkel bestreitet ein IM-Tätigkeit bis zum heutigen Tage.

Foto: Sven Lambert

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) hat den umstrittenen Berliner Investor Maik Uwe Hinkel jahrelang als inoffiziellen Mitarbeiter (IM) „Jens Peter“ geführt. Das geht aus Schreiben hervor, die die Bundesbehörde für Stasi-Unterlagen über den Investor und Bauherren an der East Side Gallery herausgegeben hat.

Eine Sprecherin der Behörde bestätigte am Sonnabend die Herausgabe der Akten. Hinkel bestreitet ein IM-Tätigkeit bis zum heutigen Tage. Er sagte vor dem Oberverwaltungsgericht, vor dem er gegen die Herausgabe der Papiere geklagt hatte, er habe nie eine Verpflichtungserklärung unterzeichnet.

In einer aktuellen Stellungnahme sagte Hinkel der Deutschen Presseagentur, es habe keine Akte bei der Stasi über ihn gegeben. Medienberichten zufolge sollen die jetzt die veröffentlichten Dokumente das Gegenteil belegen. Der 50-jährige Hinkel soll seit 1982 als IM insbesondere auf die Katholische Studentengemeinde in Sachsen und deren westdeutsche Kontaktpersonen angesetzt worden sein. Das berichtet die Zeitschrift „Super illu“.

Verhaftung und Verurteilung eines Ehepaares und eines Studenten

In der MfS-Akte heißt es, dass der IM unter dem Decknamen „Jens Peter“ „politisch zuverlässig und ehrlich mit dem MfS zusammengearbeitet hat“. Die Akte enthalte zahlreiche Berichte von IM „Jens Peter“ über Studienkollegen und deren Freundeskreis, Nachbarn und West-Besucher, heißt es. Laut der Dokumente war der IM „Jens Peter“ mit mehreren operativen Vorgängen beschäftigt. Nach Aufzeichnungen der Stasi hätten die Berichte im September 1985 zur Verhaftung und Verurteilung eines Ehepaares und eines Studenten wegen „staatsfeindlicher Hetze“ geführt.

Mit dem Bekanntwerden der umstrittenen Baupläne an der East Side Gallery geriet der Bauherr Hinkel in das Licht der Öffentlichkeit. Vom 4. März bis zum 8. April 2013 stellten elf verschiedene Redaktionen Anträge auf Einsicht in Hinkels Akten bei der Stasi-Unterlagenbehörde. Die Behörde übergab zunächst Hinkel die Akten, kündigte aber an, sie danach auch Journalisten zur Verfügung zu stellen.

Hinkel zog vor Gericht, seine Klage auf Verschluss der Akten wurde vom Verwaltungsgericht abgelehnt. Das Urteil akzeptierte der Bauherr und Investor nicht und zog vor das Oberverwaltungsgericht, wo er in zweiter Instanz ebenfalls scheiterte. Damit waren die Voraussetzungen für die Herausgabe der Stasi-Unterlagen geschaffen.

Hinkel behauptet weiter, er habe unter dem Decknamen „Jens Peter“ für einen ausländischen Geheimdienst und auch für den bundesdeutschen Verfassungsschutz gearbeitet. Er verwies darauf, dass das Oberverwaltungsgericht nur eine vorläufige Entscheidung getroffen habe, das Verfahren in der Sache aber noch ausstehe. Der Verein DDR-Opfer-Hilfe kündigte am Sonnabend Protestaktionen gegen Hinkel an.

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