Doppelagent

Investor Hinkel arbeitete offenbar für mehrere Geheimdienste

In den Fokus der Öffentlichkeit geriet Maik Uwe Hinkel mit Bekanntwerden der umstrittenen Baupläne an der Berliner East Side Gallery. Jetzt geht es um seine Vergangenheit.

Foto: Sven Lambert

Hätte Maik Uwe Hinkel geahnt, was da folgen kann – vermutlich hätte er darauf verzichtet, sich für eine Wohnhochhaus-Investition an der East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain zu beteiligen. Doch es kam anders – und es kommt nun viel heraus, was Hinkel mit hoher Wahrscheinlichkeit lieber verschwiegen hätte. Soll er doch – eigenen Angaben zufolge – sogar gleich für mehrere Geheimdienste gearbeitet haben.

In den Fokus der Öffentlichkeit geriet Hinkel mit Bekanntwerden der umstrittenen Baupläne an der East Side Gallery. Im Zeitraum vom 4. März bis 8. April 2013 stellten bei der Stasi-Unterlagenbehörde elf verschiedene Redaktionen Anträge auf Einsicht in Hinkels Unterlagen. Die von Hinkel bestrittenen Vorwürfe, er sei Spitzel für das Ministerium der DDR-Staatssicherheit (MfS) gewesen, wurden von der Stasi-Unterlagenbehörde inzwischen bestätigt. Die Behörde übergab zunächst Hinkel die Akten – jedoch mit der Ankündigung, sie danach auch der Presse zur Verfügung zu stellen. Daraufhin stellte Hinkel beim Verwaltungsgericht Berlin einen Antrag, die Akten nicht herauszugeben.

Im Rahmen dieses Verfahrens gab Hinkel dann auch zu Protokoll, sogar Doppelagent gewesen sein. Er habe sich 1981 "zur Zusammenarbeit mit einem ausländischen Geheimdienst verpflichtet", für den er bis 1996 als "illegaler Agent" tätig gewesen sei, heißt es in einer Erklärung für das Berliner Verwaltungsgericht. Im selben Zeitraum habe er auch für das Bundesamt für Verfassungsschutz gearbeitet, so Hinkel. Für beide Geheimdienste habe er unter dem Decknamen "Jens Peter" spioniert.

Stasi-Unterlagenbehörde muss sich weiter zurückhalten

Ziel dieser atemberaubenden Erklärungen war es offenbar, die Herausgabe der Akten zu verhindern. Weil doch, so die Argumentation von Hinkels Anwalt vor den Verwaltungsrichtern, die Stasi-Akten seines Mandanten wegen der Tätigkeit für die anderen Geheimdienste wie eine Verschlusssache zu behandeln seien. Sämtliche Unterlagen über seine Agentenlaufbahn lägen beim Bundesamt für Verfassungsschutz und beim Bundesinnenministerium.

Im selben Antrag wies Hinkels Anwalt auch darauf hin, dass die Akten ohnehin nicht geöffnet werden dürften: Hinkel gehöre nicht zu dem Personenkreis, bei dem Unterlagen mit personenbezogenen Informationen an die Presse oder Dritte herausgegeben werden dürften, so der Anwalt. Auch sei Hinkel weder eine Person der Zeitgeschichte noch ein politischer Funktionär oder Inoffizieller Mitarbeiter des MfS gewesen. Es gebe gegenüber dem MfS auch keine schriftliche Verpflichtungserklärung zur Zusammenarbeit.

Das Gericht sah das anders und entschied, dass die Akten sehr wohl herausgegeben werden könnten. Hinkel sei zweifellos Inoffizieller Mitarbeiter des DDR-Staatssicherheitsdienstes gewesen, heißt es in der Begründung. Und wieder wird der Deckname "Jens Peter" erwähnt. Unter diesem habe Hinkel ab 1982 "wissentlich und willentlich eine Vielzahl von Informationen" geliefert, urteilt das Gericht. In den Akten fänden sich zahlreiche Berichte, "die im Wesentlichen die Privatsphäre von Personen in seinem privaten und beruflichen Umfeld betreffen, deren Vertrauen er hatte und die er ausgespäht hat".

Unter anderem wird dann auch erwähnt, dass der IM "Jens Peter" ganz gezielt auf einen"mit ihm befreundete Pädagogikstudenten" angesetzt worden sei, gegen den dann ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. IM "Jens Peter" alias Hinkel, so die Verwaltungsrichter, habe dafür brav geliefert. In den Berichten steht, der Student habe sich despektierlich über den SED-Parteichef geäußert: "Scheißvorsitzender Honecker"; auch Worte wie "Scheißstaat", "Scheiß-FDJ" wurden von IM "Jens Peter" notiert.

Die Herausgabe der Stasi-Akten an Medien ist nach Meinung der Verwaltungsrichter also rechtens. Dennoch muss sich die Stasi-Unterlagenbehörde weiter zurückhalten. Hinkel hat das Oberverwaltungsgericht angerufen. Dort wird jetzt entschieden, wie es weitergeht. Und mit Hinweis auf dieses schwebende Verfahren in der zweiten Instanz war Hinkel dann auch nicht bereit, Fragen der Berliner Morgenpost zu beantworten.

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