Seit 1949 fahren an Heiligabend Berliner Hilfsweihnachtsmänner aus, um im Auftrag des Studentenwerks große und kleine Kinder zu beschenken. Stephan Antczack ist Chef-Weihnachtsmann. Der 47 Jahre alte Krankenpfleger lässt sich für seinen Job als Weihnachtsmann extra zwei Monate freistellen.

Berliner Morgenpost: Welche Qualifikationen braucht ein Weihnachtsmann?

Stephan Antczack: Im Prinzip kann sich jeder Student melden, der gerne als Weihnachtsmann arbeiten möchte. Voraussetzung ist ein Mindestwortschatz der deutschen Sprache, damit die Kommunikation in den Familien klappt. Mittlerweile bieten wir ein Ausbildungssystem mit Workshops und Zertifikaten an. Dort geht es um die richtige Kommunikation mit den Eltern, zudem gibt es Schauspielunterricht, um richtig in die Rolle des Weihnachtsmanns schlüpfen zu können, sowie Improvisationstraining und Vertrauensübungen.

Wie kann man einen Weihnachtsmann bestellen und wie viel kostet der Service?

In der Regel per Telefon unter der Nummer 93939 7711, es funktioniert jedoch auch über unsere Webseite. Seit dem 1. November sind die Leitungen offen, dieses Jahr gab es bereits am ersten Tag über 100 Bestellungen. Regulärer Annahmeschluss ist der 6. Dezember, danach gibt es jedoch kräftige Gebührenerhöhungen für Spätbesteller. Die Preise bei Familienbescherungen mit bis zu drei Kindern sind in den Nebenzeiten, also vor 15 Uhr und nach 20 Uhr, 36 Euro pro Auftritt eines Weihnachtsmannes und 72 Euro für einen Auftritt mit einem zusätzlichen Engel. In der Primetime von 15 bis 20 Uhr ist der Service etwas teurer, genauso wie für Familien aus dem Brandenburger Umland.

Was beinhaltet Ihr Service?

Im Großen und Ganzen überlegt sich der einzelne Weihnachtsmann selbst, wie sein Auftritt aussieht. Zur Orientierung macht das Studentenwerk jedoch ein paar Vorgaben, zudem gibt es einen Verhaltens-Ehrenkodex. Unser Weihnachtsmann sollte ein schönes Eingangsstatement aufsagen inklusive „Hohoho-Begrüßung“ sowie einem kurzen Gedicht oder einer Liedstrophe. Zudem muss mit der Familie eine gemeinsame Aktivität absolviert werden, etwa ein Lied zusammen singen, kleine Mitmachspiele oder eine Geschichte vorlesen.

Das Studentenwerk legt Wert auf Vielfalt: Neben Christkind, Engel oder Wichtel kann man auch eine Weihnachtsfrau buchen.

Die Weihnachtsfrau hat sehr großen Anklang bei den Familien gefunden. Ich würde mir wünschen, dass wir diese emanzipierte und modernisierte Form der Weihnachtstradition fortsetzen können, da die Resonanz so groß war.

Wie viele Bescherungen gibt es pro Jahr und wie ist die Nachfrage in den Bezirken?

Im Durchschnitt gibt es jährlich etwa 5000 Bescherungen, bei denen rund 10.000 Kinder glücklich gemacht werden. Am häufigsten außerhalb des S-Bahn-Rings, da in der Stadt einfach weniger Familien wohnen. Ansonsten verteilt sich das gleichmäßig auf alle Bezirke, ob das jetzt Steglitz, Spandau, Reinickendorf oder Marzahn ist. In der Vorweihnachtszeit können wir auch für Veranstaltungen gebucht werden und gehen in Einrichtungen wie Seniorenheime, Kindergärten oder Schulen, sofern die Schüler noch an den Weihnachtsmann glauben. (lacht)