Wohnungsmarkt

Bei Vermietern sind vor allem Handwerker und Beamte beliebt

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Isabell Jürgens

Foto: Hans-Rudolf Schulz

Laut einer Studie bekommen zuerst solvente Bewerber mit festem Job den Zuschlag für eine neue Wohnung. Eine Mietbremse hilft Geringverdienern nicht. Die Immobilienwirtschaft fordert bessere Konzepte.

Bei ihren Koalitionsgesprächen haben sich Union und SPD darauf geeinigt, einkommensschwachen Wohnungssuchenden in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt zu helfen, indem sie Neuvertragsmieten gesetzlich begrenzen. Umgehend hagelte es am Dienstag Kritik von den Verbänden der Immobilienwirtschaft.

Sie argumentieren, dass durch die Mietpreisbremse Investitionen in Neubau und Sanierung verhindert würden. Am Mittwoch legte der Internetportal-Betreiber Immobilienscout24 eine Analyse vor, die den Kritikern neue Argumente liefert. Bei starken Nachfrage-Überhängen, so das Ergebnis, werden in der Regel Besserverdiener bevorzugt. Die Deckelung helfe Geringverdienern nicht.

In ihrer aktuellen Nachfrageanalyse haben die Immobilienportal-Betreiber das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im dritten Quartal 2013 in München-Lehel, Berlin-Kreuzberg und Hamburg-Altona ausgewertet. „Das Ergebnis ist alarmierend“, so Marc Stilke, Sprecher der Geschäftsführung von Immobilien Scout 24.

Auf zehn Mietwohnungen kommen mehr als 130 Suchende

Im Münchener Stadtteil Lehel konkurrierten 63 Wohnungssuchende um zehn angebotene Mietobjekte. Noch eklatanter ist das Missverhältnis aber im Berliner Ortsteil Kreuzberg: Dort kommen auf zehn verfügbare Mietwohnungen mehr als 130 Suchende. Spitzenreiter ist allerdings Hamburg-Altona: Dort konkurrieren 170 Wohnungssuchende um zehn Wohnungen.

Die Analyse zeige, dass bereits heute deutliche Nachfrageüberhänge in den gefragten Lagen herrschen, so Stilke. Würden die Mieten durch staatliche Eingriffe gedeckelt, würden sich lediglich noch mehr Bewerber um eine freie Wohnung bewerben, weil sich mehr Interessenten diese Wohnung leisten könnten. Es gäbe jedoch keine Gewähr, dass Geringverdiener von den niedrigen Mieten profitieren.

Im Gegenteil. Studien zeigen, dass Vermieter sich in der Regel für den solventesten Mieter entscheiden. „Der Mietendeckel läuft deshalb Gefahr, dass in gefragten Lagen letztlich nur die Mieten von Besserverdienenden subventioniert werden“, warnt Stilke.

Handwerker sind bei Vermietern beliebter als Lehrer

Die Einschätzung des Immobilienscout24-Chefs deckt sich mit einer repräsentativen Umfrage unter Eigentümern von immowelt.de, neben Immoscout eines der führenden Immobilienportale. Auf die Frage, an welche drei Berufsgruppen sie am liebsten ihre Wohnung vermieten würden, nannten 49 Prozent der befragten Wohnungsbesitzer Beamte. Der besondere Vorzug dieser Mieter für den Vermieter ist eng an das Gehalt gekoppelt: Der Arbeitsplatz ist sicher, genauso wie die Höhe des regelmäßigen Einkommens. Dementsprechend gering ist das Risiko, dass sie in Zukunft ihre Miete schuldig bleiben werden.

Auf Platz zwei folgen Handwerker und Angestellte mit jeweils 42 Prozent. Dass Eigentümer an bestimmte Berufsgruppen lieber vermieten als an andere, sei deshalb offensichtlich nicht nur eine Frage des Einkommens, vermuten die Autoren der Studie. Auch die Hoffnung auf praktische Vorteile oder Vorurteile gegen einzelne Personengruppen scheinen demnach eine Rolle zu spielen: So sind Handwerker bei den Wohnungseigentümern deutlich beliebter als Lehrer (25 Prozent), obwohl sie meist ein höheres Gehalt beziehen. Nur 17 Prozent möchten zudem mit einem Juristen den Mietvertrag für ihre Wohnung unterschreiben.

Arbeitslose haben kaum eine Chance

Noch deutlich schlechter bewerten Immobilienbesitzer allerdings Wohnungsbewerber, die einen künstlerischen und meist nicht fest angestellten Beruf mit unregelmäßigem Gehalt ausüben: Schauspieler (vier Prozent) und Musiker (fünf Prozent) rangieren nur knapp vor Tagesmüttern, Putzfrauen und Arbeitslosen (jeweils drei Prozent).

Unerwartet hoch ist dagegen die Bereitschaft, an Studenten zu vermieten. Immerhin neun Prozent der Eigentümer würden ihre Wohnung gerne an Studierende vermieten. Für die repräsentative Studie „Wohnen und Leben Winter 2013“ wurden im Auftrag des Anbieters immowelt.de 1032 Personen durch das Marktforschungsinstitut Innofact befragt, darunter waren 304 Eigentümer.

Stilke ist sich sicher, dass dieses Vermieterverhalten sich auch mit einem staatlichen Mietdeckel nicht ändern wird. „Um die Märkte zu entspannen, brauchen wir besonders in den nachgefragten Lagen ein deutlich größeres Angebot“, sagt der Geschäftsführer. Intelligentere Konzepte seien gefragt, um Geringverdiener bei der Wohnungssuche zu unterstützen. „Ein Mietendeckel jedenfalls ist kontraproduktiv und doktert nur an den Symptomen herum.“