Ein Streit zwischen zwei Jugendlichen am Walther-Rathenau-Gymnasium hat am Freitag ein blutiges Ende genommen. Es wurden zwei Schüler verletzt. Einer der beiden hatte ein Messer gezogen und auf seinen Kontrahenten eingestochen. Das Opfer kam ins Krankenhaus, der Messerstecher erlitt während der Schlägerei eine Kopfplatzwunde und muss ebenfalls in einer Klinik behandelt werden. Nun ermittelt die Kriminalpolizei.
Gegen 10 Uhr waren der 14-Jährige und sein 15 Jahre alter Mitschüler auf dem Pausenhof der Walter-Rathenau-Schule an der Herbertstraße aneinandergeraten. Nach Informationen der Berliner Morgenpost könnte es bei dem Streit um ein Mädchen und somit um Eifersucht gegangen sein. Im Zuge der Auseinandersetzung zückte der Ältere die Klinge und stach damit dem 14-Jährigen in den Oberarm, bevor er selbst am Kopf verletzt wurde.
Der Jugendliche mit der Stichverletzung wurde ins Virchow-Klinikum transportiert, die behandelnden Ärzte dort ordneten eine Computer-Tomografie an, um die Verletzung so präzise wie möglich diagnostizieren zu können. Nach ersten Diagnosen schlossen die Ärzte Langzeitschäden bei dem verletzten Schüler aus.
Anti-Gewalt-Training für Schüler
Wegen dieser Behandlung verzögerte sich die Befragung durch die Kriminalbeamten. Der 15-Jährige wurde im Martin-Luther-Krankenhaus ärztlich versorgt. Die Polizei befragt nun Zeugen, um den genauen Ablauf des Zwischenfalls zu rekonstruieren. Ein Ermittler zeigte sich entsetzt darüber, dass jetzt auch schon an Schulen in „guten“ Gegenden Messer Platz in den Schulranzen der Kinder finden. „So zynisch das klingen mag, aber in Neukölln oder Kreuzberg erwartet man solche Horrorgeschichten, aber nicht in Grunewald.“
Das Walther-Rathenau-Gymnasium liegt in einer ruhigen, eher gehobenen Wohngegend. Lehrer und Schüler reagierten geschockt angesichts des Vorfalls. „Als der Streit eskalierte, waren sofort Lehrer zur Stelle, doch die konnten nicht mehr eingreifen. Es ging alles sehr schnell“, sagt die Schulleiterin Solveig Knobelsdorff. Ein Mädchen, das Zeugin der Auseinandersetzung war, musste schulpsychologisch betreut werden.
Die Schule habe normalerweise keine Gewaltprobleme, sagt die Schulleiterin. Ein Grund dafür sei die Präventionsarbeit. Alle Schüler durchlaufen ein Anti-Gewalt-Training, das an der Schule gemeinsam mit der Polizei durchgeführt wird. Auch die beiden Neuntklässler hatten den Kurs absolviert. Welche pädagogischen Maßnahmen der Vorfall nach sich ziehen wird, entscheidet sich nächste Woche, da die Schüler im Krankenhaus behandelt werden müssen.
Anstieg der Gewalt an Schulen
Noch am Freitag war ein Schulpsychologe vor Ort und die Schulleiterin wird auch das Jugendamt einschalten. Zusammen mit Eltern, Lehrern und Schülern wird man überlegen, wie man künftig Konflikte entschärfen kann, heißt es in der Schule.
Aufgefallen ist die Schule gerade durch die am Donnerstag veröffentlichten Abiturergebnisse im Internet. Durch einen Fehler bei der Datenübertragung vom Institut für Schulqualität wurde im Schulporträt eine Quote an nichtbestandenen Abiturprüfungen von 30 Prozent ausgewiesen, ein absoluter Spitzenwert. Das sei rufschädigend, ärgert sich die Schulleiterin. Tatsächlich haben 10,3 Prozent des Jahrgangs 2013 nicht bestanden, was aber im Bezirksvergleich immer noch ein hoher Wert ist. Die Schülerschaft der Schule setzt sich nicht nur aus dem direkten Umfeld zusammen, viele kommen aus anderen Wohngebieten.
Dass Gewalt vor den sogenannten gutbürgerlichen Bezirken nicht halt macht, hatte die jüngste Statistik der Bildungsverwaltung vom Februar gezeigt. Danach ist die Zahl der von den Schulen gemeldeten Gewalttaten im Jahr 2012 um 25 Prozent gestiegen. Dabei handelte es sich vor allem um Mobbing, Bedrohung und Tätlichkeiten.
Krisenteams verhindern Eskalation
Besonders betroffen von dem deutlichen Anstieg waren die Bezirke Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf. Aber auch in Pankow, Reinickendorf und Treptow-Köpenick wurden mehr Gewaltvorfälle als sonst gemeldet. Das aggressive Verhalten nahm zu, während es seltener zu schweren Körperverletzungen kam.
Die Bildungsverwaltung führt das darauf zurück, dass Schulen schneller reagieren und so eine Eskalation verhindern. Das sei auch ein Erfolg der Krisenteams, die an den Schulen im Umgang mit Gewalt und Notfällen geschult worden sind, sagt Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung. Insgesamt gebe es bereits 250 solcher Krisenteams. Auch an der Walther-Rathenau-Schule ist die Bildung eines solchen Teams angedacht.



