Informationen über das Abschneiden der Schüler an den Gymnasien, Oberstufenzentren und Sekundarschulen mit gymnasialer Oberstufe sind von nun an kein Geheimnis mehr. Die Abiturdaten für die einzelnen Schulen stehen ab sofort auf der Internetseite der Bildungsverwaltung. Das beste Abitur machen demnach die Schüler in Pankow mit einem Durchschnitt von 2,3, den schlechtesten Durchschnitt dagegen haben die Abiturienten in Neukölln mit 2,6.
„Eltern, Schüler, Lehrkräfte und Schulleitungen sollen die Ergebnisse ihrer Schulen mit denen anderer Schulen im Bezirk und ganz Berlin vergleichen können“, sagt Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Damit erklärt die Bildungssenatorin fast beiläufig, was seit Jahren in Berlin ein so heißes Eisen ist. Nun ist nämlich nicht nur erkennbar, welche Schulen besonders gut abschneiden, sondern auch, bei welchen Gymnasien es schiefläuft.
Schulen fürchteten Negativranking
Schon 2011 hatte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) in seinem Qualitätspaket angekündigt, Leistungsdaten der Schulen zu veröffentlichen. Mit dieser Art der Transparenz sollte der Wettbewerb der Schulen angekurbelt werden. Doch die Absicht stieß bei vielen Schulen auf Gegenwehr. Sie befürchteten ein Negativranking. Die Eltern würden sich von Schulen mit schlechten Noten abwenden, was zu Restschulen führen würde, argumentierten die Gegner.
Zuletzt versuchte die Internetplattform Spickmich, die Herausgabe der Ergebnisse per Gericht zu erzwingen, um sie online veröffentlichen zu können. In der Verhandlung im Februar machte das Verwaltungsgericht deutlich, dass die Senatsverwaltung verpflichtet ist, die Daten offenzulegen.
Wer die jetzt veröffentlichten Ergebnisse sehen will, muss auf der Internetseite der Bildungsverwaltung jede einzelne Schule anklicken. Eine berlinweite Übersicht gibt es nicht. „Dadurch wollen wir ein Ranking verhindern“, sagt Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung.
Ranking allein sagt nichts über die Qualität
Ein Ranking allein würde allerdings noch nicht viel über die Qualität der Schulen aussagen. Schließlich muss die jeweilige Zusammensetzung der Schülerschaft mit einbezogen werden. So ist der Schuldurchschnitt vom Robert-Koch-Gymnasium in Kreuzberg mit 2,87 der schlechteste in ganz Berlin. Allerdings nimmt die Schule zwei Drittel der Schüler ohne Gymnasialempfehlung auf. Dafür ist das Ergebnis dann relativ gut.
Auffallend sind beispielsweise auch die eher mäßigen Ergebnisse des Thomas-Mann-Gymnasiums in Reinickendorf und der Robert-Havemann-Oberschule in Pankow im Vergleich zu den anderen Gymnasien in dem jeweiligen Bezirk. Das ist jedoch nicht überraschend. Beide Schulen wurden erst jüngst von Gesamtschulen in Gymnasien umgewandelt. Die Schülerzusammensetzung ist deshalb noch eine andere als an den anderen Gymnasien.
Den besten Durchschnitt hat wie schon häufig in den vergangenen Jahrgängen die Evangelische Schule Frohnau. An der freien Schule gibt es aber auch schon nach der vierten Klasse eine strenge Auslese nach Leistung.
Veröffentlichung der Ergebnisse verschärft Konkurrenz
Die Gymnasien sind von der Veröffentlichung nicht überrascht. „Wir wurden bei der Auswahl der Daten mit einbezogen“, sagt Ralf Treptow, Vorsitzender des Verbandes der Oberstudiendirektoren. Wichtig sei, dass die Jahrgangsnote nicht allein dastehe, sondern auch in Relation zum Durchschnitt in der jeweiligen Region. Zudem könne man aus den Leistungskursen viel über das Profil der jeweiligen Schule ablesen. Mit Kritik reagiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.
Die Veröffentlichung der Ergebnisse mache das Ranking im Bereich der Schulen mit gymnasialer Oberstufe perfekt und verschärfe die Konkurrenz. Zu kurz komme dabei die Leistung der Schulen, die es mit Schülern mit schwierigen Ausgangsbedingungen zu tun haben, sagt GEW-Vorsitzende Sigrid Baumgardt.
Die Möglichkeiten der Rückschlüsse aus dem veröffentlichten Datensatz sind vielfältig. Unter dem Stichpunkt „Abiturdaten“ hat das Institut für Schulqualität eine ganze Reihe von Aspekten für jede einzelnen Schule ausgewertet. Ganz oben steht die Anzahl der Schüler, die die Abiturprüfungen bestanden haben, es folgen der Notendurchschnitt der Schule und die Vergleichswerte für den Bezirk und für Berlin insgesamt.
„Wettbewerb zwingt zu Disziplin“
Dann gibt es die Prüfungsergebnisse für Prüfungen in den Grundkursen und Leistungskursen. Die Durchschnittspunkte aus den Leistungskursen lassen zum Beispiel Rückschlüsse darüber zu, wie ernst das Schulprofil tatsächlich genommen wird. Schulen mit einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Profil etwa sollten in den Leistungskursen möglichst eine hohe Teilnehmerzahl und in diesen Fächern auch überdurchschnittliche Ergebnisse haben.
Wenn Kurse so wenige Schüler hatten, dass die Ergebnisse Rückschlüsse auf den Einzelnen zulassen würden, konnten diese aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werden. Zudem müsse beachtet werden, dass bestimmte Faktoren wie etwa besonders kleine Jahrgänge das Ergebnis verzerren und weniger vergleichbar machen können, sagt Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung. Sie warnt die Eltern davor, die Leistungen als einziges Kriterium bei der Wahl einer Schule heranzuziehen.
Im kommenden Jahr will die Bildungsverwaltung auch die Ergebnisse der zehnten Klassen aller Oberschulen öffentlich machen. Bei den Grundschulen gibt es noch keine Pläne in dieser Richtung. Lieselotte Stockhausen-Doering, Vorsitzende des Landeselternausschuss, begrüßt die Veröffentlichung der Abiturdaten. „Dieser Wettbewerb zwingt die Schulen zu mehr Disziplin“, sagt die Elternvertreterin. Wenn Schüler in bestimmten Fächern immer wieder schlecht abschneiden, würden die Schulen so vielleicht eher Fördermaßnahmen einsetzen.




