Flughafen

So wird Berlin-Tegel für die nächsten Jahre fit gemacht

Mit Millionenaufwand wird der Flughafen für den Weiterbetrieb saniert. Der größte Teil der Arbeiten ist inzwischen geschafft. Für die nächsten „ein bis zwei Jahre“ sei man damit gut aufgestellt.

Wenn ein gutes Dutzend Journalisten, Politiker und Manager sich samt Kamerateams und Fotografen in eine Herrentoilette zwängen, muss es um etwas ganz Besonderes gehen. Weiße und rote Fliesen, schlichte, aber moderne Armaturen. Alles schön, aber nichts Aufsehenerregendes. Nichts zumindest, was den Auftrieb rechtfertigen würde. Läge die Toilette nicht im Flughafen Tegel. Weil sie dort liegt, geht es tatsächlich um etwas Besonderes: um die Berliner Flughafenkrise und die Provisorien, die nötig sind, um sie zu meistern.

Mit Blick auf die ursprünglich für Juni 2012 geplante Eröffnung des neuen Großflughafens BER in Schönefeld war in Tegel über lange Zeit kaum noch investiert worden. Nicht nur die Toiletten verbreiteten das Flair der 70er-Jahre. Doch bekanntlich ist der BER bis heute eine Baustelle. Wann im Süden Berlins die ersten Flieger abheben können, ist immer noch unklar. Tegel, einst für 2,5 Millionen Passagiere pro Jahr geplant, platzt hingegen mit inzwischen mehr als 18 Millionen Reisenden aus allen Nähten. Und muss noch auf unbestimmte Zeit durchhalten.

17,5 Millionen Euro hat der Aufsichtrat der Flughafen Berlin-Brandenburg (FBB) bereits zu Jahresbeginn bewilligt, um den prosperierenden innerstädtischen Airport für den Weiterbetrieb fit zu machen. Weitere 2,5 Millionen können für Arbeiten am alten Flughafen Schönefeld eingesetzt werden. Seit Mitte Juli wird in Tegel mit Hochdruck gearbeitet. 130 Einzelaufgaben sind zu erledigen. Der größte Teil davon ist inzwischen geschafft. Deshalb hat die Flughafengesellschaft jetzt zum Rundgang geladen. Deshalb steht der im Sommer neu eingesetzte Flughafen-Betriebsleiter Elmar Kleinert in der Herrentoilette.

Anfang 2014 sollen die Arbeiten in Tegel abgeschlossen sein

Die frisch sanierten Sanitäranlagen sind für die Fluggäste wohl die augenfälligste Veränderung. 1,2 Millionen Euro sind allein dafür ausgegeben worden. Frische Farbe in den Treppenhäusern gehört auch zum sogenannten Ertüchtigungsprogramm für Tegel. Doch das sind nur die Äußerlichkeiten. Anfang 2014 sollen auch die letzten Arbeiten abgeschlossen sein. „Mindestens für die nächsten ein bis zwei Jahre sind wir dann gut aufgestellt“, sagt Kleinert.

Im Übergang vom Terminal A zum Terminal D zeigt der Manager hinunter aufs verregnete Vorfeld und die Rollbahnen. Auch dort ist in den vergangenen Monaten gebaut worden, um den Flugbetrieb nicht zu stören ausschließlich in Nachtschichten. Die Nord- und die Südbahn wurden samt Befeuerung saniert, die Vorfeldflächen ausgebessert. „Die Runways sind das Herzstück des Flughafens“, sagt Kleinert. „Und solange Tegel offenbleibt, werden wir daran nun nichts mehr machen müssen.“

Im Terminal D stehen Reisende in der Schlange vorm Check-in-Schalter und warten auf ihren Flug in weniger regnerische Weltgegenden. Flughafen-Mitarbeiter in roten Jacken helfen bei der Orientierung. Die Zahl der sogenannten „Passagiersteuerer“ ist in den vergangenen Monaten aufgestockt worden. Pro Schicht sind nun etwa zwölf Mitarbeiter in den Terminals unterwegs, helfen Fluggästen, sich im Gewusel des überlaufenen Airports zurechtzufinden und entlasten damit die Kollegen an den Infoschaltern.

Eine neue Röntgenkontrollanlage für 1,5 Millionen Euro

Im Terminal D wären sie vor gut zwei Monaten noch fehl am Platz gewesen. Damals war der Check-in-Bereich noch hinter Bauzäunen verborgen. Inzwischen arbeitet dort auch die neue Gepäckabfertigungsanlage. In den anderen Terminals wurden die Rollbänder teilweise überholt und repariert. Auch hinter den Glastüren zum Sicherheitsbereich ist kaum noch etwas wiederzuerkennen. Dort läuft auf mehreren Etagen eine neue „mehrstufige Röntgenkontrollanlage“, kurz MRKA.

1000 Gepäckstücke pro Stunde können dort von der Bundespolizei durchleuchtet und abgefertigt werden. Die alte Sicherheitstechnik habe technisch das Ende ihrer Lebensdauer erreicht gehabt, sagt Flughafen-Manager Kleinert. 1,5 Millionen Euro hat allein diese neue Anlage die Flughafengesellschaft gekostet, nicht eingerechnet den Anteil, den das Beschaffungsamt des Bundes aus dem Etat der Bundespolizei beigesteuert hat. 17,5 Millionen Euro für ein paar Jahre Weiterbetrieb? Eine brandneue Röntgenanlage für einen Flughafen, der in absehbarer Zeit schließen soll?

Das hat naturgemäß längst auch Kritiker auf den Plan gerufen. Christian Gaebler, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, verteidigt die Investitionen. „Auf den ersten Blick erscheint das eine große Summe zu sein“, sagt er. „Wenn man sich aber anschaut, wie lange wenig bis nichts gemacht wurde, ist das ein überschaubarer Betrag.“ Es gehe nicht darum, die ausgereizten Kapazitäten zu erhöhen. „Das ist leider unmöglich“, sagt Gaebler. Es gehe auch nicht um Luxusangebote für Reisende. Das Ziel sei gleichermaßen schlicht wie unumgänglich: Den Betrieb in Tegel weiterhin sicher und besser als zuletzt laufen zu lassen.

Dringende Probleme sollen auch künftig schnell gelöst werden

Denn Klagen gab es reichlich über den Betrieb in Tegel. Eines der Hauptprobleme betraf die Gepäckbeförderung. Weil die Anlagen zum Teil veraltet sind, wurden Transfer-Gepäckstücke oft nicht schnell genug verladen und blieben in Tegel zurück. Ein neues Gepäckverfolgungssystem soll das Problem lösen. Noch ist die Anlage nicht vollständig in Betrieb, doch laut Betriebsleiter Kleinert ist die Zahl der Fälle, in denen Reisende nach dem Umstieg in Tegel ohne Koffer am Zielort ankamen, inzwischen schon um etwa 70 Prozent gesunken.

Für Elmar Kleinert, den langjährigen Tegel-Betriebsleiter, den die Flughafengesellschaft in der Krise Mitte 2013 aus Paderborn zurückgeholt hatte, stellt sich die Frage nach dem Sinn der Millioneninvestitionen erst gar nicht. „Das lohnt sich, es war aber auch nötig“, sagt er. Auch Staatssekretär Gaebler spricht von „gut angelegtem Geld“. Ob weiteres Geld nötig sein wird, um Tegel offen zu halten, bis der BER eröffnet? Konkrete Aussagen gibt es dazu nicht. „Wenn wir im Betrieb weitere Punkte feststellen, die dringend gemacht werden müssen, dann werden wir es tun“, sagt ein Flughafensprecher.

Zunächst stehen aber die letzten Arbeiten aus dem Ertüchtigungsprogramm an. Auf dem Rückweg zum Terminal A drängen die Teilnehmer des Rundgangs durch eine der zahlreichen Drehtüren. Die Tür zuckelt an, stoppt, ruckelt 30 Zentimeter weiter, stoppt, dreht sich weiter, stoppt. Eine halbe Minute geht das so, bis der Innenraum erreicht ist. Häufige Gäste in Tegel kennen das Phänomen. Noch in diesem Jahr sollen die Drehtüren durch zuverlässigere ersetzt werden. Bislang scheiterte dies jedoch an Lieferproblemen.