Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hat die protestierenden Flüchtlinge am Brandenburg Tor aufgefordert, ihre Protestaktion zu beenden. Henkel sagte am Dienstag, eine Räumung der Mahnwache sei nicht geplant, die gesundheitliche Lage bezeichnete er aber als ernst. „Angesichts der Witterungsbedingungen und der erheblichen gesundheitlichen Gefahren, die der Hungerstreik mit sich bringt, appelliere ich jedoch an die Betroffenen, sich diesen Risiken nicht länger auszusetzen.“

Mehrere der protestierenden Flüchtlinge am Brandenburger Tor am Dienstag von Notärzten behandelt worden. Sie sind nach eigenen Angaben seit rund einer Woche im Hungerstreik. Acht der Flüchtlinge kamen in ein Krankenhaus. Zuvor habe man sie im Rettungswagen behandelt, sagte ein Feuerwehrsprecher. „Die Betreffenden hatten eine Kreislaufschwäche und waren zusammengebrochen.“ Sie seien aufgewärmt, Puls und Sauerstoffgehalt des Blutes seien gemessen worden. Andere Flüchtlinge hätten jedoch eine medizinische Behandlung abgelehnt. Sie warteten auf den „Arzt des Vertrauens“, den die Berliner Unterstützer der Flüchtlingsgruppe gebeten hatte, zum Pariser Platz zu kommen und die Hungernden zu betreuen.

Grund sei vor allem das nasskalte Wetter, sagte ein Sprecher der Gruppe. Laut der Flüchtlingsgruppe Refugee Struggle for Freedom war bereits in der Nacht ein Mensch zusammengebrochen.

Hungerstreik verschärft

Linke-Chef Bernd Riexinger informierte sich gerade bei den Flüchtlingen am Brandenburger Tor in Berlin-Mitte, als es zu den Notfällen kam. Er betonte, dass der Protest zeige, wie verzweifelt die Flüchtlinge seien. „Sie riskieren hier ihr Leben.“

Riexinger forderte die Bundesregierung zu Gesprächen mit den Flüchtlingen auf. „Das ist eine Forderung der Flüchtlinge“, sagte Riexinger. Er kritisierte die Flüchtlingspolitik in Europa, für die auch Deutschland stehe: „Wir können den Kontinent nicht abschotten und müssen dafür sorgen, dass Flüchtlinge legal einreisen können.“ Zudem forderte der Linken-Chef die Abschaffung der Residenzpflicht. Diese verbietet Asylsuchenden, sich ohne Genehmigung aus ihrem Landkreis oder Regierungsbezirk zu entfernen.

Nur wenige Tage ohne Wasser sind ertragbar

Erst am Montag hatten die 28 Flüchtlinge mitgeteilt, sie wollen nun auch nichts mehr trinken. Sie kritisierten, dass die Politik nicht auf ihre Forderungen eingehe. Sie wollen den Hungerstreik erst beenden, wenn ihre Asylanträge bewilligt werden.

Normalerweise könne ein Mensch nur wenige Tage ohne Wasser überleben, sagte der Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten, Wolfgang Wesiack. In Extremfällen seien es zehn bis zwölf Tage. Wie lange ein Mensch ohne zu trinken überleben könne, sei von verschiedenen Faktoren abhängig – etwa vom Gesundheitszustand, der Bewegung und dem herrschenden Klima.

Zehn Beamte sind ständig im Einsatz

Die Asylbewerber waren aus Bayern nach Berlin gekommen. Die 28 Flüchtlinge stammen aus dem Kongo, aus Senegal, Pakistan, Afghanistan und Äthiopien. Sie fordern, dass ihnen in Deutschland Asyl gewährt wird, und dass sie die Erlaubnis bekommen zu arbeiten. Erst wenn diese Forderungen erfüllt seien, werde man den Pariser Platz verlassen, sagte Ghlam Vali aus Pakistan. Er habe seinen Asylantrag vor mehr als einem Jahr gestellt. Bei der Polizei ist der Aufenthalt auf dem Pariser Platz als Mahnwache angemeldet. Etwa zehn Beamte seien ständig im Einsatz, um die Veranstaltung zu schützen, sagte ein Polizeisprecher. „Jeder kann seine Meinung kundtun. Wir werden den Platz nicht räumen.“ Allerdings kontrolliere man, ob die Bestimmungen des Versammlungsrechts eingehalten würden. „Regenschirme sind erlaubt, und individueller Wetterschutz“, so der Sprecher. Zelte und Tische dürften jedoch nicht aufgebaut werden. Auch eine große Plane, die alles überdeckt, sei nicht zulässig.

Neben den Asylbewerbern sammelte sich am Dienstag auch eine Gruppe junger Leute, die die Flüchtlinge unterstützen. Sie wollten keine Auskunft zu ihren Aktivitäten geben. Mittes Bürgermeister Christian Hanke (SPD) hatte am Montag erklärt, dass das Bezirksamt kein Camp auf dem Pariser Platz zulassen werde.

mb/dpa/AFP/sh/ap