Nach dem Tod ihres Neugeborenen im März dieses Jahres muss die Mutter Nadine K. in Berlin zweieinhalb Jahre in Haft. Das Baby war zwei Tage nach der Geburt verhungert.

Das Berliner Landgericht bewertete die Tat als Körperverletzung mit Todesfolge. Der Freund der 20-Jährigen erhielt wegen fahrlässiger Tötung ein Jahr Haft mit Bewährung. „Beide waren heillos überfordert und hofften ernsthaft, dass der Junge nicht sterben würde“, hieß es am Landgericht.

Die Staatsanwaltschaft, die jeweils sieben Jahre Haft wegen Totschlags beantragt hatte, will eine Revision prüfen. Das Gericht war aber überzeugt, dass das Paar den Tod des Kindes „auf keinen Fall gebilligt hat“. Es sei versäumt worden, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Baby in Wohnung zur Welt gebracht

Nadine K. hatte das lebensfähige Baby in der gemeinsamen Wohnung in Berlin-Hellersdorf zur Welt gebracht. Das Paar gab dem Frühchen gekochtes Wasser und versuchte es mit Babymilch. Das klappte nicht. Nach dem Tod hatten beide mit dem Jungen gekuschelt.

Sie legten es in eine Gefriertruhe und kauften Babykleidung für die Beerdigung in einem Erdloch nicht weit entfernt von der Wohnung. Das Paar wollte sich mit dem Tod nicht abfinden, hatte die Verteidigung argumentiert.

Nadine K. und ihr Partner, der nicht der Vater ist, hatten das Kind geliebt, wie das Gericht schilderte. „Es haben sich zwei traurig entwickelte Menschen aneinandergekettet, aus schwach und schwach wird stark.“ Das Gericht sprach von einem „fatalen Fehler“ von zwei minderbegabten Menschen aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Beide seien vermindert schuldfähig gewesen.

Die 20-Jährige hatte eigenen Angaben nach Angst vor Arztbesuchen und befürchtete, auch das Kind werde ihr weg genommen. Zwei ihrer Jungen leben bereits in Pflegefamilien.

dpa/mim