Mord aus niederen Beweggründen, mit besonderer Grausamkeit ausgeführt – es ist ein besonders schwerer Vorwurf, den die Berliner Staatsanwaltschaft gegen einen 21-jährigen Mann und seine ein Jahr jüngere Freundin erhebt.
Das Pärchen aus Hellersdorf hat, so die Anklage, den gerade in der gemeinsamen Wohnung geborenen Säugling der jungen Frau verhungern und verdursten lassen. Das Kind starb zwei Tage nach der Geburt, seit Donnerstag stehen die Mutter und ihr Freund in Moabit vor Gericht.
Was der Staatsanwalt in seiner Anklage vorträgt, klingt unfassbar. Nadine K. und Ronny B. hätten dem Kind die dringend notwendige medizinische Versorgung vorenthalten, weil sie die Kosten scheuten. Das tote Baby wurde dann zunächst im Kühlfach zwischengelagert und schließlich von Ronny B. in einer Grünanlage verscharrt, eingewickelt in eine Plastiktüte. Als der Säugling von einer Spaziergängerin gefunden wurde, trug er eine blaue Mütze mit der Aufschrift „Mami’s Liebling“.
Zwar überfordert, aber zugleich emsig bemüht
So weit die harte Anklage. Die Schilderungen des Geschehens durch die Angeklagten klingt am Donnerstag deutlich anders. Sie zeichnen das Bild eines jungen Paares, das zwar hoffnungslos überfordert, aber zugleich emsig bemüht war, das Kind zu versorgen. Beide hatten dem Jungen unmittelbar nach der Geburt einen Namen gegeben – Max.
Da die Geburt für Nadine K. überaus schmerzhaft gewesen sein soll, vollzog sie sie in der Badewanne. Beide hatten in Erfahrung gebracht, dass warmes Wasser entspannend wirkt. Ronny B. durchtrennte anschließend die Nabelschnur mit einer in kochendem Wasser desinfizierten Schere, auch dies ein Vorgehen, von dem sie zuvor gehört hatten. Genauso wie von der Möglichkeit, einem Säugling abgekochtes Wasser und eine spezielle Milch im Fläschchen zu verabreichen, wenn das Stillen Probleme bereitet.
Ob und in welcher Weise das Paar tatsächlich versucht hat, den Jungen zu versorgen, muss im weiteren Prozessverlauf geklärt werden. Max kam am Abend des 13. März dieses Jahres zur Welt, am Abend des 15. März starb er, entkräftet und unterversorgt. Sein kurzes Leben sei ein einziges Leiden gewesen, trug der Staatsanwalt vor.
Angst vor Ärzten und nicht krankenversichert zu sein
Max sei tatsächlich kurzzeitig im Kühlfach deponiert worden, räumen die Angeklagten ein. Der Grund: Nadine K. habe nahezu hysterisch darauf bestanden, das tote Kind bei sich zu behalten. Auch das Vorenthalten medizinischer Versorgung gibt das Paar zu. Sie habe Angst vor Ärzten und fürchtete, nicht krankenversichert zu sein, heißt es in der von ihrer Verteidigerin verlesenen Erklärung.
Nadine K. hat bereits zwei Kinder, die nicht bei ihr leben. Bevor sie zu Ronny B. zog, lebte sie auf der Straße. Auch B. war lange Zeit obdachlos. Einen Beruf erlernt haben beide nicht. Der Prozess wird am 7. Oktober fortgesetzt.





