Wer am Donnerstag sicher und vor allem bußgeldfrei mit seinem Auto durch die Stadt fahren will, hält sich am besten an die vorgeschriebenen Geschwindigkeitsvorgaben oder sattelt auf das Fahrrad um. Denn mit etwa 1000 Beamten wird die Berliner Polizei an 250 Laser-Kontrollstellen gegen Temposünder vorgehen. Zeitgleich wird im gesamten Stadtgebiet eine Flotte gut getarnter Videofahrzeuge der Polizei Raser aufspüren und zur Kassen bitten. Die Aktion der Berliner ist Teil des ersten bundesweiten Blitzermarathons, an dem sich alle Bundesländer beteiligen.
„Mit dem Blitzermarathon wollen wir über die Gefahren zu schnellen Fahrens aufklären. 90 Prozent der Verkehrsteilnehmer halten sich an die Vorschriften. Und die übrigen zehn Prozent sind die Verkehrsteilnehmer, die einen Unfall fabrizieren und dies oftmals durch überhöhte Geschwindigkeit“, sagt Christian Burkhardt. Der 44 Jahre alte Polizeirat leitet in Berlin den 24-Stunden-Blitzer-Marathon. Bereits im April dieses Jahres hatte es eine solche Aktion in Berlin gegeben.
3000 Autofahrer fuhren zu schnell
Damals waren trotz Vorankündigung 3000 Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit erfasst worden. Über 50 Autofahrern drohte ein Fahrverbot oder ein Bußgeld von mindestens 160 Euro und mindestens drei Punkten in der Verkehrssünderkartei in Flensburg rechnen. So lautete die Bilanz der mehr als 69.000 Geschwindigkeitsmessungen. An normalen Tagen steht die Polizei in Berlin an etwa 50 Orten und registriert dabei durchschnittlich 2300 Verkehrsdelikte.
Dabei kommen die unterschiedlichsten Kontrollmöglichkeiten zur Anwendung. Polizeioberkommissar Alexander Kriedemann zum Beispiel fährt eines der 21 Zivilfahrzeuge, die speziell für die Videoüberwachung auf Berlins Straßen ausgerüstet wurden. Vor allem auf den Stadtautobahnen, aber auch auf den Ausfallstraßen ist er mit dem BMW unterwegs. Auch wenn sein Fahrzeug schnell genug ist, um beinahe jeden Raser zu verfolgen, so gilt dennoch für ihn der Grundsatz: „Erst die Sicherheit und anschließend alles andere.“ Fahrzeuge wie seines sind kaum zu erkennen. Sie überraschen den Autofahrer, wenn auf einmal links oder rechts von ihm, eine rote Kelle zum Stopp auffordert. „Mit der Videoaufzeichnung können wir dem Raser sein Fehlverhalten sofort dokumentieren“, sagt Kriedemann. Es sei selten, dass ein Betroffener dagegen protestiert. Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache und spätestens wenn der Autofahrer das Video gesehen hat, lenkt er ein und sieht seinen Fehler ein.
Pausenlos am Straßenrand
An einen Fall kann sich Kriedemann noch gut erinnern. Da raste ein Kleintransporter auf einer Tempo-50-Strecke mit mehr als 90 Stundenkilometern entlang. Das sei war in den frühen Morgenstunden gewesen und kaum ein Auto war unterwegs. Zudem fuhr der Mann in Schlangenlinien. Eine Gefahr für jeden anderen. Kriedemann forderte Unterstützung an. Wenig später wurde der Wagen gestoppt. „Der war nicht nur zu schnell gefahren, der hatte auch noch eine Menge Alkohol im Blut und war ohne Führerschein“, sagt der Polizeibeamte.
Ganz anders ist die Arbeit der am Straßenrand geparkten „Blitzerfahrzeuge“, weiß Klaus Nitzer. Es sei nicht damit getan, das Auto am Fahrbahnrand abzustellen, sich auf den Beifahrersitz zu setzen und dann drei oder vier Stunden bis Einsatzende vor sich hin zu dösen. „Bevor der erste Messblitz ausgelöst wird, muss ich die Anlage justieren“, sagt Nitzer. „Je nach Einsatzort dauert die Vorbereitung 30 bis 45 Minuten“, sagt der 65-jährige. So müsse beispielsweise der Abstand des Fahrzeugs zur Fahrbahnkante berücksichtigt werden. Und auch den Winkel, in dem die Messinstrumente zur Fahrbahn ausgerichtet werden, muss er exakt berechnen.
„Die Werte hierfür liefert ein Computerprogramm, dass ich zunächst mit einigen Angaben füttern muss. Danach erhalte ich bis auf den Millimeter genaue Angaben zur Ausrichtung der Technik“, sagt der Kontrolleur. Erst danach sei die Blitzer-Anlage rechtswirksam einsetzbar und die Angaben des Gerätes können zur Strafverfolgung benutzt werden. „Und während die Anlage Temposünder registriert, bin ich mit der Fertigung der Protokolle beschäftigt. Also keine Schlummerstündchen“, sagt er mit einem Lächeln: „So ist mir die Arbeit als Einzelkämpfer auch nie langweilig“.
Lasergerät wird über Abzugshebel in Betrieb gesetzt
Auge in Auge mit Temposündern ist dagegen Dieter Gottschalk. Vor ihm auf einem Stativ das Lasergerät „Riegel“. Mit geschultem Blick lenkt er das Gerät auf ein sich näherndes Fahrzeug. „Auf bis zu 1000 Meter Entfernung kann ich einen Temposünder anpeilen“, sagt der 58-Jährige. Einmal durch das Fernrohr anvisiert, wird das Lasergerät wie bei einer Pistole über einen Abzugshebel in Betrieb gesetzt.
An der linken Seite des „Riegel“ erscheinen dann in roter Digitalschrift die ausgelesenen Werte zur Geschwindigkeit. Und während Gottschalk die Angaben laut weiter gibt, protokolliert sein Kollege die Messwerte. Angaben zum Fahrzeug werden an einen dritten Kollegen weiter gegeben, der dann, für jeden Autofahrer ein Augenblick des Schreckens, mit einer Polizeikelle in der Hand den Schnellfahrer an den Straßenrand winkt. „Motorradfahrer zu erfassen ist mit diesen Geräten kompliziert, doch nicht ausgeschlossen“, sagt der Beamte. Lediglich Radfahrer, die etwa in einer 30er Zone mit ihrem Hightech-Bike weit schneller als vorgegeben unterwegs sind, könne er nicht erfassen. An sie richtet er den Appell, rücksichtsvoll zu fahren.
2012 gab es sechs Verkehrstote
Trotz zahlloser Hinweise sowie Appelle und der vielfältigen Kontrollen im Straßenverkehr durch die Polizei hatte es 2012 in Berlin sechs und ein Jahr zuvor zwölf Verkehrstote gegeben. „Diese Unfälle waren auf zu hohe Geschwindigkeit zurück zu führen. Ihre Tragweite wäre bei angemessenem Tempo weitaus geringer und manch ein tödlicher Unfall hätte vermieden werden können“, sagt Burkhardt. Der Beamte zeigt kein Verständnis für die „Blitzerwarner“. „Ob Apps oder fest installierte Warngeräte im Fahrzeug, sie sind verboten. Wen wir damit erwischen, muss damit rechnen, dass wir das Gerät einziehen“, sagt er.
In Brandenburg wird die Polizei an 400 Messstellen mit etwa 575 Beamten Temposünder aufspüren. Auf den märkischen Autobahnen werden zwölf Blitzer aufgebaut und zusätzlich gelasert.





