24-Stunden-Kontrolle

Bundesweiter Blitzmarathon - Hier steht die Berliner Polizei

Nach der 24-Stunden-Aktion im April geht die Polizei in dieser Woche wieder verschärft gegen Raser vor. Dieses Mal im Rahmen eines bundesweiten Blitzmarathons. Wo in Berlin kontrolliert wird.

3480 Mal hat es im vergangenen Jahr auf Berlins Straßen gekracht – Raser waren unterwegs. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Anstieg von mehr als 15 Prozent. Dabei wurden mehr als 1200 Menschen zum Teil schwer verletzt.

Nicht nur in der Hauptstadt sondern Deutschlandweit ist überhöhte Geschwindigkeit die mit Abstand häufigste Unfallursache. Und bei jedem Dritten dieser Unfälle stirbt Polizeistatistiken zufolge ein Mensch. Für Berlins Polizei ist das ein gewichtiger Grund, den Rasern in einer großen Aktion den Kampf anzusagen. Knapp zwei Wochen nach dem Berlin-Marathon folgt jetzt der Blitzer-Marathon.

Vom kommenden Donnerstag ab 6 Uhr am Morgen bis Freitagmorgen 6 Uhr wird die Berliner Polizei stadtweit Geschwindigkeitskontrollen durchführen und währenddessen mit 250 Radar- und Laserkontrollen immer wieder den Standort wechseln. Zudem sind alle 21 Videofahrzeuge, über die die Behörde verfügt, im Stadtgebiet und auf den Autobahnen unterwegs.

Die Blitzer-Aktion findet zeitgleich in allen 16 Bundesländern statt. Insgesamt sind 14.600 Polizisten im Einsatz.

"Wer rast, der tötet"

Keine Toleranz gegenüber Rasern, so lautet das Motto. Für die Berliner Polizei bedeutet dies: Verkehrssünder werden sofort heraus gewunken. Schon leichte Übertretungen werden geahndet, mit mündlichen Verwarnungen und teilweise auch mit Verwarnungsgeld. Bei massiven Geschwindigkeitsüberschreitungen wird es richtig teuer: Es drohen hohe Bußgelder und Fahrverbote. Wer Pech hat, muss gleich an der Kontrollstelle seinen Führerschein abgeben. Das mag drakonisch anmuten, aber: "Wer rast, der tötet", so begründet ein Polizeisprecher die geplanten Strafen.

Die Berliner Polizei hat ihre Gründe für den anstehenden Blitzer-Marathon. Sie nennt in einem aktuellen "Aufruf" erschreckende Zahlen. So haben Unfallanalysen in der Hauptstadt ergeben, dass 60 Prozent der Fußgänger einen Zusammenprall mit einem 50 Stundenkilometer fahrenden Auto noch überleben. Ist das Fahrzeug hingegen mit 70 Stundenkilometer unterwegs, endet der Zusammenprall in 95 Prozent aller Fälle für den Fußgänger tödlich. Schon eine relativ geringe Geschwindigkeitsüberschreitung kann den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen.

Etwa 400 Kontrollstellen im Berliner Umland

Gleichzeitig tritt die Berliner Polizei in ihrem Aufruf dem – bei gezielten Verkehrskontrollen immer wieder erhobenen – Vorwurf der "Abzocke" entgegen. "Wir wollen Leben retten, nicht abzocken", erklärte Polizeisprecher Stephan Redlich. Die Behörde bemüht sich um Transparenz gegenüber den Verkehrsteilnehmern und veröffentlicht deshalb auf ihrer Internetseite sämtliche vorgesehenen Kontrollstellen. Doch zu sicher sollten Raser sich nicht sein – Redlich weißt darauf hin, dass es kurzfristige Änderungen geben kann.

Kontrolliert wird nicht nur an klassischen "Rennstrecken" wie breit ausgebauten Straßen, die zum Rasen geradezu verführen. Kontrollen wird es auch in Wohngebieten oder an Straßen geben, an denen Kindergärten und Grundschulen liegen. Aus gezielten Überwachungen in der Vergangenheit wissen die Verkehrspolizisten, dass viele Autofahrer in Straßen mit Schulen und Kitas keine Skrupel vor deutlich überhöhter Geschwindigkeit haben.

Alle Blitzer auf einer Berlin-Karte

Die Punkte auf der Karte entsprechen nicht den exakten Blitzerpositionen. Sie markieren die jeweilige Mitte der betroffenen Straßen.


Selbst Eltern, die ihre Sprösslinge in der Schule oder dem Kindergarten abgegeben haben, treten, kaum zurück im Auto, wieder kräftig auf das Gaspedal. Beispiele für ein derart unverständliches Verhalten listen die Verkehrsunfallberichte der Berliner Polizei alljährlich in großer Zahl auf. Auch die Brandenburger Polizei beteiligt sich mit einem Großaufgebot an dem Blitzer-Marathon. Im Berliner Umland werden etwa 400 Kontrollstellen eingerichtet. In Brandenburg starben im vergangenen Jahr bei Unfällen durch überhöhte Geschwindigkeit 54 Menschen.

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