Karl-Heinz Becker ist Verkehrspsychologe in Friedrichshain. Seit über 20 Jahren ist er auf den Gebieten Verkehrs- und Wirtschaftspsychologie tätig und kennt sich mit dem Thema Geschwindigkeit im Verkehr bestens aus.
Berliner Morgenpost: Was ist der Sinn und Zweck einer solchen verstärkten Verkehrskontrolle, und weshalb kündigte die Polizei die Standorte der Blitzer an?
Karl-Heinz Becker: Meiner Meinung nach hat die Aktion und deren Ankündigung vor allem insofern Sinn, dass damit das Thema Geschwindigkeit und somit die Unfallursache Nummer eins den Verkehrsteilnehmern wieder mal ins Bewusstsein gehoben wird. Es wird eine allgemeine Anpassung zu erwarten sein, denn kein Fahrer zahlt gern Bußgelder. Zugleich erfahren die Fahrer, dass es geht, auch ohne überhöhte Geschwindigkeit ans Ziel zu kommen, und zwar sicherer, im günstigen Fall stressfreier. Wer trotz dieser allgemeinen und breiten Ankündigung mit unerlaubter Geschwindigkeit geblitzt wird, wird nur schwerlich das Argument der „Abzocke“ bemühen können und sich fragen müssen, ob er nicht will oder nicht kann. Im Extremfall steht dann die charakterliche Eignung und damit die Fahrerlaubnis infrage. Zudem wird die Auswertung einer solchen bundesweiten Aktion statistisches Material liefern, wie es bei den Verkehrsteilnehmern um die Akzeptanz und Bereitschaft zur Einhaltung von Verkehrsregeln bestellt ist. Hieraus können weitere Maßnahmen abgeleitet werden. Und eine breite und detaillierte Veröffentlichung der Ergebnisse wäre sinnvoll, um wiederum den Verkehrsteilnehmern ein Bild zu geben, wo sie stehen.
Wäre es nicht vorteilhafter, die Fahrer zu überraschen statt sie vorzuwarnen?
Das „Überraschtwerden“ wird allzu häufig mit „Pech“ oder „Abzocke“ verbunden und hat so – wenn überhaupt – nur einen geringen Lerneffekt.
Glauben Sie, dass diese Blitzaktion eine lange Wirkung auf die Fahrer haben wird?
Vor allzu großem Optimismus würde ich warnen. Aber neben dem beschriebenen Sinn und Zweck ist eine langfristige Wirkung dann zu erwarten, wenn das Thema weiter im Bewusstsein gehalten wird. Diejenigen, die dennoch auffallen, sollten gezielt auf Möglichkeiten hingewiesen werden, wie sie sich von einem möglicherweise guten Fahrer zu einem guten Verkehrsteilnehmer entwickeln können. Ersteres können unter Umständen Fahrschulen leisten, Letzteres ist die Domäne der Verkehrspsychologie.







