Am Donnerstag startet in Berlin der 24-Stunden-Blitzermarathon der Polizei. Das Interesse der Öffentlichkeit an den Berichten der vergangenen Tage über die anstehende Maßnahme ist groß. Nur selten wurde eine Information der Verkehrspolizei so häufig abgerufen wie die Liste der geplanten Kontrollstellen, die die Polizei ins Netz gestellt hat.
Rund 250 feste Kontrollstellen werden es im gesamten Stadtgebiet sein, hinzu kommen etliche, zahlenmäßig nicht genannte mobile Kontrollstreifen, mit Videotechnik ausgerüstete Fahrzeuge, die 24 Stunden lang in allen Bezirken unterwegs sind. Schnellfahrer sollten also mehr Zeit einplanen.
Und das auch, weil die Polizei plant, auf die erwischten Delinquenten vor Ort in „verkehrsaufklärerischen Gesprächen“ einzuwirken.
Die meisten Kontrollen erwarten die Verkehrsteilnehmer in Mitte, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg. Die wenigsten Kontrollen plant die Polizei derzeit in Spandau und Treptow-Köpenick sowie in Neukölln.
Die Berliner Polizei wies am Dienstag erneut darauf hin, dass kurzfristige Änderungen durchaus möglich sind. „Es gibt also keine Gegend und keine Straße, in der man vor einer Geschwindigkeitsmessung absolut sicher ist“, so ein Polizeisprecher.
Strategie für mehr Transparenz
Bereits am vergangenen Wochenende teilte die Polizei mit, die detaillierte Auflistung der vorgesehenen Kontrollstellen diene der Transparenz und solle dem Vorwurf der „Abzocke“ entgegenwirken. Zugleich stellt die genaue Ankündigung auch einen Kehrtwende in der Öffentlichkeitsarbeit der Behörde dar. Zwar hatte die Polizei die genauen Standorte von Geschwindigkeitsmessungen über die Medien bekannt gegeben, insbesondere über die lokalen Radiosender. Die Erwartung, damit eine verkehrserzieherische Wirkung zu erzielen und ein „verbessertes Geschwindigkeitsverhalten“ zu bewirken, hat sich nach Einschätzung der Verkehrsexperten jedoch nicht erfüllt. Daher wurde die Bekanntgabe im vergangenen Jahr wieder gestoppt.
Insbesondere die Art und Weise, wie einige Radiosender die Informationen verbreiteten und ihre Hörer dabei einbanden, habe offenbar eher dazu beigetragen, die Geldbörse der Autofahrer zu schonen und die Zahl der Hörer zu erhöhen. Enttäuschend sei, dass ein Nutzen für die Verkehrssicherheit nicht entstanden sei, teilte die Polizeiführung mit.
Alle Blitzer auf einer Berlin-Karte
Die Punkte auf der Karte entsprechen nicht den exakten Blitzerpositionen. Sie markieren die jeweilige Mitte der betroffenen Straßen.
Sechs bis sieben Prozent fahren zu schnell
Vor dem am Donnerstag startenden Blitzermarathon erfolgt jetzt erstmals wieder eine umfassende Information. Dies bedeute allerdings nicht, dass künftig generell wieder so verfahren werde, hieß es am Dienstag beim Verkehrsdienst der Polizei. Der bevorstehende Blitzermarathon ist zwar in seinem Umfang eine Besonderheit, allerdings keine einmalige Aktion. Die Berliner Polizei führt regelmäßig im großen Stil Geschwindigkeitsmessungen durch, auch wenn diese nicht mehr im Vorfeld angekündigt wurden. Jahr für Jahr werden im gesamten Stadtgebiet etwa 20.000 Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt.
Die Zahl der insgesamt dabei gemessenen Fahrzeuge schwankt zwischen zwölf und 14 Millionen. Bei etwa sechs bis sieben Prozent wurde und wird jeweils eine überhöhte Geschwindigkeit festgestellt. Dabei kann die Polizei nahezu jedes Mal „Raserrekorde“ vermelden. So wurde im vergangenen Jahr ein Pkw-Fahrer auf der A100 in Charlottenburg statt mit den zulässigen 80 mit 183 Kilometern pro Stunde erwischt. Ein anderer Fahrer schaffte an der Straße des 17. Juni 159Kilometer pro Stunde statt der erlaubten 50. Auch ein Tempolimit von 30 km/h beeindruckt nicht jeden Autofahrer. Auf der Afrikanischen Straße in Wedding wurde ein Fahrer mit 188 Kilometern pro Stunde geblitzt.
Überhöhte Geschwindigkeit ist in Berlin eine Hauptunfallursache. Fahranfänger fallen ebenso auf wie Senioren, Pkw-Fahrer ebenso wie Radfahrer. Die einzige Gruppe, bei der überhöhte Geschwindigkeit in der Unfallstatistik keine Rolle spielt, sind aus nachvollziehbaren Gründen die Fußgänger. Opfer sind sie dafür allerdings überdurchschnittlich oft.



