Berlin-Charlottenburg

Traditionsreiches Hotel Bogota schließt für immer die Türen

Das Hotel Bogota muss wegen Mietschulden Mitte Dezember das Haus an der Schlüterstraße 45 geräumt übergeben. Inhaber Rissmann einigte sich darauf vor Gericht mit Hauseigentümer Bscher.

Das traditionsreiche Hotel Bogota unweit des Kurfürstendamms in Berlin-Charlottenburg schließt Ende November 2013. Grund sind Mietschulden. Mitte Dezember muss das Haus an der Schlüterstraße 45 geräumt übergeben werden.

Darauf haben sich der Inhaber des Hotels, Joachim Rissmann, und der Hauseigentümer Thomas Bscher jetzt vor dem Landgericht verständigt. Von den fast 290.000 Euro Mietschulden muss Rissmann nur 100.000 Euro zahlen.

„Das ist ein Glück und auch großzügig von Dr. Bscher“, sagte der 50 Jahre alte Hotelinhaber auf Anfrage der Berliner Morgenpost nach dem Gerichtsurteil. Er sei sehr erleichtert darüber, dass die drohende Privatinsolvenz mit dem jetzt geschlossenen Vergleich vom Tisch sei. Die Angestellten sollen auch im letzten Monat noch ihren Lohn erhalten, sagt Rissmann.

Bis zum Betriebsende Ende November, auch das wurde vereinbart, muss Rissmann keine Miete zahlen. Um seine Schulden zu begleichen, hofft der Hotelier deshalb gerade jetzt möglichst noch auf viele zahlende Gäste.

Und er ist optimistisch. Es gebe Stammgäste, die sich durch die Schließung des Hotels um ein Stück Heimat gebracht sähen. Teils mit Tränen in den Augen hätten sie ihn gefragt, wo sie denn nun wohnen sollten.

Mitte Dezember will Rissmann in einer Auktion in seinem Hotel Bogota als letzten Geschäftsakt das Interieur versteigern lassen. Dabei hofft er, möglichst so viel einzunehmen, dass er seine Schulden begleichen kann.

Noch unklar ist, was aus dem Haus wird

„Damit kann er sich helfen“, unterstützt Hauseigentümer Bscher diese Idee. Rachegefühle gegen seinen säumigen Mieter habe er nicht, im Gegenteil. Er habe die Hoffnung, dass sich der Hotelier mit den Erlösen aus der Auktion auf diese Weise helfen könne. Die Vorweihnachtszeit sei für solch eine Auktion gut geeignet.

Was Hauseigentümer Thomas Bscher künftig in dem denkmalgeschützten Gebäude plant, steht noch nicht fest. Nur so viel sei sicher: „Das Haus benötigt eine Totalsanierung. Und die ist unaufschiebbar. Da hilft keine Reparatur.“

Seit Bau des Hauses im Jahre 1911 sei noch nie grundlegend saniert worden. Dass Bscher die Sanierung von alten Gebäuden beherrscht, hat er als Hauseigentümer bereits auf den Nachbargrundstücken bewiesen. Ihm gehört sowohl das denkmalgeschützte Eckgebäude Schlüterstraße/Kurfürstendamm, in dem sich ehemals die Restaurants „Wellenstein“ und das „Reinhardts“ befanden, als auch das Vorderhaus des Cumberland gleich nebenan.

Hier begann die Karriere von Helmut Newton

Die wechselvolle 102-jährige Geschichte des repräsentativen Hauses an der Schlüterstraße 45 war immer auch mit Kunst und Kultur verbunden. Zunächst wurde es als Wohnhaus genutzt. Ab 1934 betrieb die jüdische Modefotografin Else Neuländer-Simon, genannt Yva, dort ihr Atelier, in dem 1936 Helmut Neustädter seine Lehre begann. Er machte später als Helmut Newton Karriere. 1942 wurde Else Neuländer-Simon von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet.

Danach machten die Nazis aus dem Haus eine Abteilung der Reichskulturkammer. 1945 organisierten die Alliierten von der Schlüterstraße 45 aus die Entnazifizierung des Kulturbereichs. 1964 öffneten gleich vier Hotels in dem Haus. Übrig geblieben war das Hotel Bogota, das seinen Namen durch einen Vorbesitzer der Familie Rissmann erhielt. Der war in den 30er-Jahren vor den Nazis in die Hauptstadt Kolumbiens geflüchtet und hatte später sein Berliner Hotel nach dieser Stadt benannt.

Die vielfältige Geschichte des Hauses zu erhalten, sei seiner Familie immer wichtig gewesen, sagte Joachim Rissmann. Mit Lesungen, Ausstellungen, aktiver Kulturarbeit habe er sie in Erinnerung gebracht. Rissmann hofft nun, dass auch Eigentümer Bscher das Erbe bewahrt.

Originalteile wie Fußböden und Türen dürften nicht durch neue ersetzt werden, wenn sie restauriert werden könnten. „Armut ist eigentlich der beste Restaurator“, findet Rissmann.

Mit dem Haus Bogota ist er seit 1976 verbunden. Da kam er als 13-Jähriger mit seinen Eltern nach Berlin. Seitdem wohnt er auch im Haus an der Schlüterstraße 45. Seit 1993 führt er den elterlichen Familienbetrieb.

Wo er dann ab dem 16. Dezember 2013 nach der Auktion wohnen, geschweige denn arbeiten wird, weiß er noch nicht. Er will aber auf jeden Fall die Homepage des Hotels (www.bogota.de) weiterbetreiben, als Anlaufstelle für all die, die sich mit dem Hotel Bogota verbunden fühlen. Und vielleicht gibt es ja auch irgendwann wieder bessere Nachrichten an die Fans des Traditionshotels zu melden ...