Erst einmal hieß es Schlange stehen. Egal von welcher Seite man sich dem Fest der deutschen Einheit am Brandenburger Tor in Berlin-Mitte näherte, der Andrang war überall enorm. Zehntausende strömten am Donnerstag auf die 1,5 Kilometer lange Festmeile an der Straße des 17. Juni. Nach Veranstalterangaben kamen bis 20 Uhr bereits mehr als eine halbe Million Gäste zum Brandenburger Tor.
Der Himmel war blau, die Sonne schien, sodass viele der Besucher ihre bereits aus dem Schrank geholten Winterjacken lässig über die Schulter geworfen hatten. Der Tag der Deutschen Einheit zeigte sich von seiner schönsten Seite.
Drei Tage lang wird zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule die Wiedervereinigung gefeiert. Und die riecht in diesen Tagen nach Bratwürsten, heißem Zucker und Bier. Auf der „Bühne kleine Querallee“ spielten am 3. Oktober die Bands „Jazzing Hot Fellows“ und „Soul Syndicate“. Den Höhepunkt erlebten die Zuschauer aber auf der großen Hauptbühne am Brandenburger Tor.
Joe Hatchiban, der seit Jahren das berühmte Karaoke-Singen im Mauerpark organisiert, veranstaltete am Nachmittag die größte Karaoke-Show der Welt. Gemeinsam mit Hunderttausenden Zuschauern wollte er sich zum Weltrekord singen. Bis zum späten Abend wurde nicht bekannt, ob er dies geschafft hat.
Tag der offenen Tür in sieben Landesvertretungen
Auch zahlreiche Landesvertretungen in der Hauptstadt erwarteten Besucher zum Jahrestag der Wiedervereinigung. So saßen die Gäste bei sonnigem Herbstwetter im Garten der Vertretung des Saarlandes oder genossen die Aussicht vom Dach der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz. Außerdem konnten sie landestypische Speisen kosten.
Auch im Dokumentationszentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer drängelten sich die Interessierten. Dort war die bisherige Ausstellung zum Mauerbau „Berlin, 13. August 1961“, die 2001 eröffnet hatte, zum letzten Mal zu sehen.
Rund 2000 Menschen seien gekommen, sagte Sprecherin Hannah Berger. Nicht nur Touristen, auch viele Berliner hätten diese Gelegenheit noch genutzt. In den vergangenen zwölf Jahren hätten mehr als vier Millionen Menschen die Ausstellung an der Bernauer Straße gesehen, hieß es in einer Mitteilung.
Bündnis fordert Schutz der East Side Gallery
Das Bündnis „East Side Gallery retten“ meldete sich am Jahrestag der Wiedervereinigung zu Wort und forderte erneut den Schutz des weltbekannten bemalten Stücks der Berliner Mauer. Der Bau der beiden entlang der Galerie entstehenden Neubauten müsse sofort gestoppt werden, heißt es in einer Mitteilung vom Donnerstag.
Anfang September hatte das Bündnis den Bezirks- und Senatsbehörden Verstöße gegen das Berliner Denkmalschutzgesetz sowie entlang der Galerie dokumentierte Risse und Bodensetzungen angezeigt. Eine Antwort beziehungsweise eine Stellungnahme der Behörden stehe bislang aus, hieß es nun.
Die zentrale Feier zu deutschen Einheit fand aber in Stuttgart statt. Dort präsentieren sich die 16 Bundesländer unter dem Motto „Zusammen einzigartig“. Berlin stellt sich dort als Stadt der Musik vor.
Auch am Freitag und Sonnabend wird das Festival am Brandenburger Tor wohl ein Magnet für die Einwohner und Besucher der Hauptstadt sein. Am Freitag (4. Oktober) stehen Jazz, Blues und Swing im musikalischen Mittelpunkt des Festes, am Abend führen „Die Ossis“ durch 30 Jahre DDR-Rockgeschichte.
Freunden des Schlagers wird empfohlen, am Sonnabend (5. Oktober) zum Brandenburger Tor zu gehen. Moderiert wird die Show mit Heino, Linda Hesse, Ute Freudenberg, der Münchner Freiheit, Nino de Angelo und Michael Morgan von Isabell Varell und Alexander Klaws. Zwischen 12 und 19 Uhr hat an der Ebertstraße Zabellas Piratenspielplatz seine Zelte für Kinder aufgeschlagen.
pah/dpa




