Marcel M. wollte am 21. Mai 2013 nur kurz einkaufen gehen. Gegen 17.30 Uhr wurde der 82-Jährige in einer Kaufland-Filiale an der Reinickendorfer Residenzstraße unvermittelt angegriffen.
Er stand gerade an der Wurst- und Käsetheke, als der 31-jährige Valentin W. auf ihn mehrfach mit einem Küchenmesser einstach. Der Senior erlitt acht Stich- und Schnittverletzungen, darunter auch einen Stich ins Herz. Ein Notarzt konnte wenig später nur noch seinen Tod feststellen.
Gegen Valentin W. begann am Montag vor einer Moabiter Schwurgerichtskammer der Prozess. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm heimtückischen Mord vor. Der Rentner sei absolut arglos gewesen, als der Beschuldigte ihn in der Kaufland-Filiale mit dem Messer angegriffen habe.
Es handelt sich um ein sogenanntes Sicherungsverfahren, im dem die Kammer entscheiden muss, ob Valentin W. dauerhaft in die geschossene Psychiatrie – den sogenannten Maßregelvollzug – untergebracht werden muss. Auch die Ankläger gehen davon aus, dass Valentin W. zur Tatzeit schuldunfähig war.
Täter soll unter einer paranoiden Schizophrenie leiden
Der gelernte Physiotherapeut, das wird von einem Gutachter bestätigt, soll unter einer paranoiden Schizophrenie leiden. Nach Angaben eines Gerichtssprechers hatte Valentin W. während der Ermittlungen erklärt, ein Geist habe ihm befohlen, den älteren Mann im Supermarkt umzubringen. Die Stimme habe ihn anschließend dann auch für die Tat gelobt.
Zu Beginn des Prozesses hat Valentin W. die Aussage verweigert. Sein Verteidiger erklärte jedoch, dass die Tat von seinem Mandanten nicht bestritten werde. Die Beweissituation ist ohnehin klar: Es befanden sich zur Tatzeit mehrere Kunden in dem Supermarkt, die das Tatgeschehen fassungslos beobachteten.
Ein als Zeuge geladener Polizist, der sich zur Tatzeit ebenfalls in dem Supermarkt aufhielt, erinnerte sich im Prozess an ein merkwürdiges Verhalten des Beschuldigten vor der Tat. Valentin W. habe wie in Trance vor sich hingeguckt und habe kraulende Bewegungen gemacht. Bedrohlich habe der 31-Jährige nach Aussagen des Polizisten zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht gewirkt.
Nach der Tat konnte Valentin W. sofort überwältigt werden. Wenige Minuten zuvor war in dem Supermarkt ein Kunde nach einem Kreislaufkollaps tot zusammengebrochen. Deswegen waren schon Polizisten und Ärzte anwesend. Für die unter Schock stehenden Kunden wurde ein Seelsorger geholt. Der Prozess wird fortgesetzt.
mim





