Haftbefehl

Festgenommener verletzt nach Festnahme weitere Polizisten

Gegen den Mann, der zwei Polizisten vor seine Wohnung in Mitte mit einer Schere attackiert hat, ist Haftbefehl erlassen worden. Nach seiner Festnahme hatte er im Gewahrsam weiter randaliert.

Einen Tag nach der Attacke mit einer Schere auf zwei Polizeioberkommissare am Heinrich-Heine-Platz in Mitte konnte einer der beiden Beamten am Freitag nach einer ambulanten Behandlung das Krankenhaus wieder verlassen. Sein Kollege wurde operiert und wird weiterhin auf der Intensivstation versorgt. Lebensgefahr besteht nicht. Wie berichtet waren die beiden zu einem Familienstreit gerufen worden, als sie an der Wohnungstür von einem Mann unvermittelt mit einer Klinge angegriffen worden waren.

Im Zuge der Ermittlungen konnte nun der Hergang des Geschehens größtenteils rekonstruiert werden. Gegen 16 Uhr waren die beiden Polizeibeamten per Funk zum Einsatz an den Heinrich-Heine-Platz beordert worden, zusammen mit einer anderen Funkstreifenwagenbesatzung trafen sie kurz darauf am Heinrich-Heine-Platz ein und hörten hinter der Wohnungstür im sechsten Stockwerk ein leises Wimmern. Plötzlich erschien ein 21 Jahre alter Vietnamese an der Tür und ging sofort auf die Polizisten los, zwei von ihnen erlitten Stichverletzungen.

Erst durch die Hilfe zweier weiterer alarmierter Beamter konnte der aggressive Mann überwältigt und festgenommen werden. Bei der eingesetzten Waffe soll es sich um eine Schere gehandelt haben, eine Mordkommission übernahm die Ermittlungen. In der Wohnung befanden sich zwei Frauen, die mit dem Täler verwandt sind. Eine von ihnen war leicht verletzt und wurde ebenfalls ins Krankenhaus transportiert.

Der Mann randalierte im Polizeigewahrsam

Am gleichen Tag verletzte der 21-Jährige zwei weitere Ordnungshüter – im Polizeigewahrsam randalierte er in einer Zelle und griff zwei Polizeiangestellte an. Nach dieser Attacke mussten die beiden 51 und 46 Jahre alten Bediensteten ihre Schicht beenden. Einer begab sich in ärztliche Behandlung, der andere ließ sich im Krankenhaus versorgen. Recherchen ergaben indes, dass der Tatverdächtige der Polizei bereits wegen Gewaltdelikten bekannt sein soll. Am Freitag erließ ein Richter Haftbefehl gegen den 21-Jährigen.

Der Berliner Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Bodo Pfalzgraf, reagierte erschüttert auf den Zwischenfall. „Es ist schlimm, dass es wieder einmal Kollegen erwischt hat, die ihren Job gemacht haben. Die Politik muss ihre Beamten schützen, vor allem durch eine gute Ausstattung.“

Urteile müssen abschrecken

Er forderte in diesem Zusammenhang schnelle und harte Urteile für Menschen, die Polizisten angreifen. Nur solche Richtersprüche könnten eine abschreckende Wirkung haben und den Respekt vor der Staatsmacht wieder herstellen. „Der Staat muss sich auch juristisch an die Seite der Beamten stellen. Es kann nicht sein, dass ein im Dienst verletzter Polizist für die Schadenersatzklage privat einen Anwalt konsultieren muss, um zu seinem Recht zu kommen.“ Hier müsse der Dienstherr seinem Mitarbeiter einen Juristen stellen.

Nach den tödlichen Schüssen eines Polizeibeamten auf einen mit einem Messer bewaffneten Mann im Neptunbrunnen im Sommer am Alexanderplatz konnten Reporter der Berliner Morgenpost am Mittwoch dieser Woche an einem realistischen Einsatztraining der Polizei teilnehmen, das alle Beamte im Streifendienst durchlaufen müssen. Dabei wurde deutlich – aus kurzer Distanz ist es so gut wie unmöglich, rechtzeitig die Waffe zu ziehen und sich zu verteidigen. „Alles unter sieben Meter ist unrealistisch“, so einer der Einsatztrainer. „Wenn die Hand bereits an der Waffe ist und man sehr trainiert und erfahren ist, kann man es schaffen.

Wird man aber überrascht und ganz plötzlich von einem entschlossenen Täter angegriffen, wird man immer den Kürzeren ziehen.“ In diesem Zusammenhang wies der Beamte darauf hin, dass es seinen Kollegen in einer solchen Konfliktsituation kaum noch möglich ist, einen gezielten Schuss abzugeben. „Es geht dabei um Bruchteile von Sekunden, Zielen über Korn und Kimme ist nicht mehr drin, so hart sich das auch anhören mag.“

Die Schutzwesten verhinderten Schlimmeres

Polizeisprecher Stefan Redlich zeigte sich am Freitag erleichtert, dass bereits einer der beiden Polizisten das Krankenhaus verlassen konnte und sich dessen Kollege auf der Intensivstation auf dem Wege der Besserung befindet. „Der Beamte musste operiert werden. Glücklicherweise haben die beiden Schutzwesten getragen, sonst hätte die Sache noch schlimmer ausgehen können.“ Die Berliner Polizei verfüge über 15.000 ballistische Schutzwesten, die darüber hinaus noch über einen Stichschutz verfügen. „Nicht jeder Beamte hat eine solche Weste, so sind beispielsweise die einzelnen Stäbe oder reine Innendienstmitarbeiter nicht ausgestattet. Jeder Beamte des Basisdienstes aber, also die Beamten in den Streifenwagen auf den Straßen, sind entsprechend ausgerüstet.“

Ferner würden die Beamten an drei Tagen im Jahr an einem Eigensicherungstraining teilnehmen. „Dort wird mit der Maschinenpistole und der normalen Dienstwaffe geschossen, sowohl auf Scheiben als auch in einem sogenannten Schießkino, in denen realistische Stresssituationen durch Filme mit echten Personen simuliert werden können. Hinzu kommt physisches Situationstraining, in dem zu einem die neuesten Erkenntnisse der Eigensicherung vermittelt werden als auch das taktische Verhalten bei Konflikten und Festnahmen“, so Redlich weiter.