Berlin-Mitte

Gewalttäter sticht zwei Polizisten mit der Schere nieder

Beamte wollten in Berlin-Mitte bei einem Fall von häuslicher Gewalt schlichten. Doch schon an der Wohnungstür wurden sie mit einer Schere attackiert. Ein Rettungshubschrauber wurde alarmiert.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Bei einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt sind am Donnerstagnachmittag zwei Polizeibeamte in Mitte schwer verletzt worden. Die beiden Beamten wurden offenbar schon an der Wohnungstür attackiert und niedergestochen. Der Angreifer wurde anschließend überwältigt und festgenommen.

Alarmiert worden war die Polizei gegen 16 Uhr wegen Streitigkeiten in einer Wohnung am Heinrich-Heine-Platz. Ein Pärchen soll sich gestritten haben, hieß es. Zwei Streifenwagen machten sich auf den Weg. Zunächst gingen jedoch nur zwei der vier Beamten zu der Wohnung im sechsten Stock des Neubauwohnblocks an der Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg nahe dem Engelbecken.

Als die Beamten klingelten, seien sie sofort von einem Mann angegriffen worden, teilte die Polizei später mit. Der Mann attackierte die Beamten mit einer Stichwaffe, nach ersten Erkenntnissen soll es sich um eine Schere gehandelt haben. Laut Polizei soll ein Stich einen der Polizisten an der Schulter getroffen haben, der andere Beamte wurde offenbar vom Angreifer in den Rücken gestochen. Augenzeugen wollen später auch eine Kopfverletzung bei einem der Polizisten gesehen haben. Die Beamten trugen bei ihrem Einsatz allerdings Schutzwesten, hieß es später von der Polizei. Dennoch konnten sie getroffen werden. Die Besatzung des zweiten Streifenwagens habe umgehend Unterstützung angefordert, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich später.

Erst als die Verstärkung anrückte, hätten drei Beamte den Angreifer in seiner Wohnung überwältigen können. Der Mann soll 21 Jahre alt sein und einen asiatischen Migrationshintergrund haben. Er ist bereits wegen Gewalttaten bei der Polizei bekannt und soll sich auch bei seiner Festnahme heftig gewehrt haben. Schüsse seien nicht gefallen, sagte Redlich. In der Wohnung sollen sich neben dem Mann noch zwei Frauen aufgehalten haben. Mit einer der Frauen soll sich der Mann gestritten haben, auch sie soll verletzt worden sein. Die zweite Frau soll nach Morgenpost-Informationen die Polizei gerufen haben.

Viele Schaulustige

Neben einem Großaufgebot an Polizei und Rettungskräften wurde auch ein Rettungshubschrauber alarmiert. Die verletzten Polizisten wurden in ein Krankenhaus gebracht. Über die Schwere ihrer Verletzungen gab es keine Informationen. Auch persönliche Angaben über die verletzten Kollegen macht die Polizei zum Schutz der Opfer nicht. Einer der beiden Polizisten konnte nach Versorgung seiner Wunden die Klinik jedoch am Abend wieder verlassen, sagte Sprecher Redlich.

Der Heinrich-Heine-Platz wurde am Nachmittag vor dem Wohnblock zunächst weiträumig von der Polizei abgesperrt. Nicht nur die Landung des ADAC-Rettungshubschraubers erregte große Aufmerksamkeit bei Anwohnern und Passanten. Der Kiez um den Platz ist belebt, gegenüber dem Tatort befindet sich ein großer Supermarkt, nebenan ein bei Touristen beliebtes Hotel. Entsprechend viele Schaulustige versammelten sich am Nachmittag an der Absperrung. Die Polizei ließ zunächst, während die Spurensicherung noch an der Arbeit war, nur Anwohner hindurch, die sich ausweisen konnten, und begleitete diese bis zu ihrer Wohnung. Später übernahm die 2. Mordkommission des Landeskriminalamts die Ermittlungen.

Innensenator ist bestürzt

Kurz nach dem Vorfall meldete sich Innensenator Frank Henkel (CDU) zu Wort und zeigte sich schockiert. „Es ist eine schlimme Nachricht, dass hier auf zwei Beamte eingestochen wurde, die nur ihren Job gemacht haben und helfen wollten“, sagte Henkel. Er habe den Polizeipräsidenten gebeten, über den Gesundheitszustand der Verletzten weiter informiert zu werden. Henkel sagte, die Polizei würde „von außen immer wieder allzu opportun für ihr Einsatzverhalten kritisiert. Vorfälle wie diese zeigen aber, wie viel unsere Beamtinnen und Beamten jeden Tag riskieren und wie gefährlich dieser Job ist.“

Gerade Einsätze wegen häuslicher Gewalt gelten bei der Polizei als besonders gefährlich. Die Situation hinter der Wohnungstür ist nach Meinung von Sicherheitsexperten oft unberechenbar und schwer einzuschätzen. Wenn auch noch Alkohol und Drogen im Spiel sind und sich mehrere Personen in der Wohnung aufhalten, entstehe schnell eine aufgeheizte Stimmung. Die Zahl der Angriffe auf Polizeibeamte ist in Berlin gestiegen.