Verkehrsverbund

So will der VBB Berlins Regionalverkehr verbessern

Gute Nachricht für Bus- und Bahnfahrer: Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg will das Angebot im Regionalverkehr deutlich ausweiten. Ein Grund: das BER-Desaster. Profitieren würde besonders Spandau.

Foto: KAI PFAFFENBACH / REUTERS

Pünktlicher, schneller, direkter – im Schienenregionalverkehrs soll von Dezember an vieles besser werden. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) prüft derzeit eine Ausweitung des Angebots auf mehreren Linien. Profitieren würden vor allem die Fahrgäste aus dem Norden und dem Südosten Berlins. Beschlossen sind bereits Veränderungen im Regionalverkehr rund um Potsdam. Dort wollen der VBB und die Deutsche Bahn vor allem die massiven Verspätungsprobleme in den Griff bekommen.

Größere Einschnitte auf Linien in anderen Teilen der Region sind dafür nicht geplant, wie VBB-Angebotsplaner Heiko Miels auf einer Veranstaltung des Berliner Fahrgastverbandes Igeb betonte. Die „weitgehende Beibehaltung des Angebots“ sei eine der wesentlichen Rahmenbedingungen für den künftigen Fahrplan, sagte er.

Dass in Zeiten knapper Kassen beim Verkehrsverbund nun über Angebotsverbesserungen nachgedacht wird, hat nach Informationen der Berliner Morgenpost einen simplen Grund: das Flughafen-Desaster in Schönefeld. Weil eine Eröffnung des neuen Hauptstadt-Airports BER noch immer nicht in Sicht ist, müssen bis auf weiteres auch die bestellten Züge zum Terminalbahnhof nicht rollen. Geld und Fahrzeuge für den geplanten Airport-Express stehen aber bereit. Und sie könnten – zumindest übergangsweise – nun nach den Vorstellungen des VBB auf anderen Linien für Entlastung oder attraktivere Verbindungen sorgen.

Spandauer würden von neuem VBB-Konzept profitieren

Zu den Nutznießern würden die Fahrgäste aus Spandau zählen. Laut dem VBB-Konzept soll die Regionalexpresslinie RE6 (Wittenberge-Spandau) in der Hauptverkehrszeit wieder bis zum Bahnhof Gesundbrunnen verlängert werden, mit direkter Anbindung an die Ring- und die Nord-Süd-S-Bahn. Das zusätzliche Angebot war erst im Dezember 2012 abgeschafft worden – gegen den Widerstand mehrerer Fahrgastverbände und des Vereins Spandauer Verkehrsbelange. Sie hoffen nun, dass die noch vorläufigen Planungen des VBB auch realisiert werden. Denn endgültig beschlossen ist das Konzept noch nicht, wie Heiko Miels sagte. Noch müssten die „betriebliche Umsetzbarkeit und die Finanzierung“ abschließend geklärt werden, sagte er. Im Klartext heißt das: Vor allem die Länder Berlin und Brandenburg als Auftraggeber des Regionalverkehrs und maßgebliche Akteure im VBB-Aufsichtsrat müssen die Pläne noch absegnen.

Dass die für den Flughafenverkehr vorgesehenen Geldsummen und Zugkilometer nun an anderer Stelle eingesetzt werden können, darauf hoffen auch Bahnnutzer im Südosten Berlins. Profitieren würden nämlich auch die Fahrgäste der Regionalbahnlinie RB14. Der südliche Ast der Linie soll ebenfalls verlängert werden. Die aus Richtung Senftenberg kommenden Züge würden dann nicht mehr am alten Flughafenbahnhof in Schönefeld enden. Unter dem neuen Liniennamen RB19 sollen sie über den Bahnhof Südkreuz zur Station Gesundbrunnen geleitet werden und würden damit eine direkte und schnellere Anbindung an die Innenstadt und den Norden Berlins herstellen. Verlängert werden könnte nach den Vorstellungen des VBB auch die Regionalbahnlinie RB22. Auch sie endet derzeit am Flughafen Schönefeld, soll künftig aber weiter bis Königs Wusterhausen fahren.

Neues Fahrplankonzept für Potsdam

Voraussichtlich in wenigen Wochen wird klar sein, ob der VBB seine Pläne mit der Zustimmung der Länder umsetzen kann. Während über diese Punkte noch diskutiert wird, sind andere Veränderungen zum Fahrplanwechsel im Dezember bereits beschlossen. Rund um Potsdam soll ein neues Fahrplankonzept der Linien RB21 und RB22 für mehr Pünktlichkeit sorgen, wie Renado Kropp von DB Regio jetzt bestätigte. Engpässe im Schienennetz, die Vielzahl der Züge und „zu knappe Pufferzeiten“ führten laut Kropp in Potsdam und Umgebung zu „ständigen Unpünktlichkeiten“. Ziel des neuen Fahrplankonzeptes sei es deshalb, für eine Entzerrung der Linien RE1, RE7, RB21 und RB22 zu sorgen und die vor allem im Berufsverkehr berüchtigten Dominoeffekte zu verhindern, bei denen sich eine vergleichsweise geringe Verspätung Station für Station weiter aufschaukelt und auf alle nachfolgenden Züge auswirkt.

Eine weitere gute Nachricht zum Fahrplanwechsel: Die seit einem Jahr laufenden Bauarbeiten auf der Bahnstrecke Berlin-Rostock sollen im Dezember endgültig abgeschlossen sein, wie Kropp bestätigte. Derzeit gibt es dort noch Einschränkungen, weil einzelne Abschnitte nur eingleisig befahrbar sind. In drei Monaten soll die Regionallinie RE5 wieder planmäßig rollen.

Tempo 160 wird möglich

Dann können auch die Züge der RB12 wieder durchgehend zwischen Berlin-Lichtenberg und Templin fahren. Im kommenden Jahr soll die Strecke an die Ostsee komplett zweispurig sein und für Höchstgeschwindigkeiten bis 160 Stundenkilometern zugelassen werden. Fernverkehrszüge aus Berlin könnten dann in weniger als zwei Stunden in Rostock sein.

Dass vor allem die zahlreichen Baustellen im Netz oft für Verspätungen sorgen, hatte zuletzt bereits VBB-Chef Hans-Werner Franz kritisiert. DB-Regio-Mann Kropp bestätigte, dass es teilweise „massive Qualitätseinbußen“ gebe. Gemeinsam mit der für die Infrastruktur zuständigen Bahntochter DB Netz werde jetzt nach Lösungen gesucht. „Wir müssen eine Situation schaffen, die sicherstellt, dass die Fahrpläne auch bei Bauarbeiten funktionieren“, so Kropp.