Nach der Sperrung ist vor der Sperrung. Kaum hat die Deutsche Bahn ihre umfangreichen Arbeiten am Südring und an der Nordstrecke der Linie S1 beendet, kündigte das Unternehmen für die kommenden Monate bereits eine ganz Serie weiterer Bauvorhaben im Berliner S-Bahn-Netz an.
Laut dem Leiter der Betriebsplanung der S-Bahn, Jens Hebbe, müssen sich die Fahrgäste auf einen „ziemlich heißen Bauherbst“ mit zahlreichen Einschränkungen einstellen. Mehr als zehn Vorhaben mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Euro stehen auf einer Projektliste, die am Dienstag von den Bahntöchtern DB ProjektBau und DB Netz offiziell vorgestellt wurde. Insgesamt will die Bahn in diesem Jahr 325 Millionen Euro in Bahnhöfe und Strecken in Berlin investieren.
Umsteigen in die U-Bahn
Die größten Auswirkungen für die Fahrgäste dürfte die gut zweiwöchige Vollsperrung des Nord-Süd-Tunnels haben. Zwischen dem 22. November und dem 8. Dezember werden zwischen dem Nordbahnhof in Mitte und dem Anhalter Bahnhof in Kreuzberg auf gut 7,5 Kilometer Länge die Schienen ausgetauscht. Während dieser Zeit ist der Zugverkehr der Linien S1 (Oranienburg – Potsdam), S2 (Bernau – Blankenfelde) und S25 (Hennigsdorf – Teltow Stadt) in diesem Bereich unterbrochen.
Nach S-Bahn-Angaben sind davon durchschnittlich rund 80.000 Fahrgäste am Tag betroffen. In Spitzenzeiten könnten es jedoch durchaus deutlich mehr sein, räumte Hebbe ein. Die S-Bahn bietet während der Sperrung keinen eigenen Ersatzverkehr an. Sie verweist die Fahrgäste dagegen auf eine ziemlich zeitraubende Umfahrung über den Ring oder die Nutzung der teilweise parallel verlaufenden U-Bahn-Linien U8 (Umsteigen in Gesundbrunnen möglich) und U6 der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).
Die U6 ist allerdings seit Monaten gleichfalls im Stadtzentrum unterbrochen. Wegen des Baus eines neuen U-Bahnhofs unter der Kreuzung Friedrichstraße und Unter den Linden fahren keine Züge zwischen den Stationen Friedrichstraße und Französische Straße. Wie BVG-Sprecherin Petra Reetz versicherte, soll die Sperrung rechtzeitig vor Beginn der S-Bahn-Bauarbeiten beendet sein. „Nach dem aktuellen Stand werden wir auf der U6 ab dem 17. November wieder durchgehend fahren. Wir schaffen das“, so Reetz.
Nord-Süd-Tunnel ist stark sanierungsbedürftig
Eine wichtige Botschaft für die Fahrgäste. Denn einen „Plan B“ hat die S-Bahn für den Fall einer längeren U-Bahn-Sperrung nicht. „Eigentlich sollten die Arbeiten im Nord-Süd-Tunnel bereits im Herbst 2012 erfolgen. Wegen des U-Bahn-Baus wurde das mehrfach verschoben“, sagte S-Bahn-Betriebsleiter Hebbe. Einen nochmaligen Aufschub werde es angesichts des Zustands der Schienen im Tunnelbereich nicht geben. „Ein Austausch Ende 2013 ist schon der äußerste Zeitpunkt“, so Hebbe.
Ohnehin befindet sich der Mitte der 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts gebaute Nord-Süd-Tunnel in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. Zwar hat es bereits nach der Wiedervereinigung umfangreiche Bauarbeiten gegeben, doch insbesondere bei den Tunnelabdichtungen und bei der Signal- und Sicherungstechnik gibt es dringenden Erneuerungsbedarf.
Und so wird es bereits im Herbst 2014 eine weitere Vollsperrung des Nord-Süd-Tunnels geben, dann voraussichtlich sogar für vier bis sechs Wochen. „Es laufen noch die Abstimmungen, was alles gemacht werden muss. Vorhaben dieser Art sind vor allem eine logistische Herausforderung“, sagte dazu Projektleiterin Gabriele Neumann.
Bahnkundenverband kritisiert Vollsperrung
Kritik an der zunächst ab 22. November geplanten Vollsperrung gab es vom Deutschen Bahnkundenverband (DBV). Der Berliner DBV-Landesverband forderte, dass während der Bauarbeiten maximal ein Gleis im Tunnel gesperrt wird, um so auf dem anderen einen Pendelzug fahren zu lassen. „Das ist aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich“, so die ablehnende Antwort von Projektleiterin Neumann. Sie verwies darauf, dass in der heutigen Zeit bei Gleisbauarbeiten moderne Maschinen zum Einsatz kommen, die entsprechend Platz in dem engen Tunnel benötigen.
Weil gleichfalls dringend die Gleise auf 4,5 Kilometer Länge erneuert werden müssen, wird bereits ab dem 27. September der Zugverkehr am östlichen Ende der Linie S5 (Strausberg Nord – Spandau) für sogar vier Wochen eingestellt. Bis zum 21. Oktober fahren zwischen Fredersdorf und Strausberg Nord Busse statt S-Bahnen. Ebenfalls am 27. September wird die Grunderneuerung des Nordabschnitts der S1 (Oranienburg – Potsdam) fortgesetzt. Zwischen Waidmannslust und Frohnau steht wenigstens weiter ein Gleis zur Verfügung.
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Anders als ursprünglich erhofft, ist ein Zehnminutentakt zwischen Schönholz und Frohnau nicht möglich. Wie bereits im Sommer wird jeder zweite Zug der S1 über Blankenburg umgeleitet. Über Frohnau fährt die S1 dann nur im 20-Minuten-Takt. Die Bauarbeiten sorgen auch für Fahrplanänderungen bei den Linien S8 (Zeuthen/Grünau – Blankenburg) und S85 (Grünau – Waidmannslust).
Der S-Bahn-Betriebsleiter betonte jedoch, dass die Arbeiten auf die Zeit der Herbstferien konzentriert werden, in denen erfahrungsgemäß nicht so viele Fahrgäste wie sonst die S-Bahn nutzen. Auch auf der S2 (Bernau – Blankenfelde) müssen die Fahrgäste auf Busse umsteigen, wenn vom 30. September bis zum 11. November die Gleise zwischen Priesterweg und Marienfelde erneuert werden. Zwischen Marienfelde und Blankenfelde fährt die S-Bahn im Inselbetrieb.





