Oft suchen sie einfach Anerkennung. Doch es kann auch eine echte Überzeugung dahinterstecken. Wenn Jungen und Mädchen in die rechte Szene abgleiten, ist der Schock bei ihren Eltern groß – falls sie demokratisch gesinnt sind. Das sagte Eva Prausner, Leiterin des Berliner Projekts „Eltern stärken“. Sie berät betroffene Mütter und Väter, die ihre Kinder wieder aus der rechten Szene holen wollen. Unter dem Titel „Mein Kind ist rechts“ widmet sich von Mittwoch an auch eine Ausstellung in Lichtenberg dem Thema.
Wie werden Jugendliche in den Rechtsextremismus gelockt? Welche Symbole gibt es? Auf diese und andere Fragen würden Antworten vor allem für Eltern gegeben, erklärte Prausner. Die Schau ist bis zum 2. Oktober in der Anna-Seghers-Bibliothek zu sehen, danach soll sie nach Rudow wandern. Mit der Ausstellung war Prausner im Sommer bereits in Hessen, danach in Berlin-Pankow.
„Kein Kinderspiel“
Schätzungen zur Zahl von bereits abgeglittenen oder gefährdeten Kindern und Jugendlichen hat Prausner nicht. Auch die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus und die Polizei müssen passen. Fest stehe: „Jugendliche suchen oft Anerkennung“, sagte Prausner. Junge Menschen seien vor allem im Alter ab 14 Jahren auf der Suche nach Orientierung. Rechte nutzten diese Unsicherheiten geschickt aus – und werteten mit ihren Parolen die Jugendlichen vermeintlich auf.
„Jugendliche haben, wenn sie einsteigen, noch kein gefestigtes Weltbild“, erklärte Prausner. Daher könne es Eltern – oder anderen Bezugspersonen – gelingen, ihre Söhne und Töchter aus dem braunen Sumpf zu ziehen. Voraussetzung sei: viel argumentieren, miteinander reden und das Problem nicht verharmlosen. In ihrer Arbeit habe sie auch mit Jugendlichen zu tun, die bereits gewalttätig geworden seien. „Rechtsextremismus ist an dieser Stelle kein Kinderspiel mehr.“
Zunehmend gleiten Mädchen ab
Prausner gibt zu bedenken: „Der Kreis derjenigen, die Hilfe suchen, ist überschaubar.“ Wenn das Kind in die rechte Szene gehe, hätten Eltern oft das Gefühl, versagt zu haben. Nicht nur Jungen würden sich gelegentlich von Rechten angesprochen fühlen. „Es ist zunehmend so, dass Mädchen in die rechte Szene gehen.“ Sie würden häufig für ehrenamtliche Aufgaben herangezogen.
In Berlin gibt es noch weitere Anlaufstellen, die Familien zu dem Thema beraten, wie Prausner sagte. Ihr Projekt werde vom Land Berlin im Zusammenhang mit dem Programm „Demokratie, Vielfalt, Respekt in Berlin“ finanziell unterstützt.
dpa/ap



