Die schweren Stahlketten rasseln, ein kurzer Ruck, und die vier Tonnen schwere Metallplatte hängt am Haken des Krans. Arbeiter packen das Wehr mit der halbrunden Öffnung an den Seilen und führen es in einen Betonrahmen bis in elf Metern Tiefe, wo es nach fünf Minuten verschwunden ist.

Der relativ unspektakuläre Einbau wird später eine spektakuläre Wirkung haben. Das Wehr im Untergrund der Storkower Straße in Prenzlauer Berg sorgt dafür, dass sich die Wasserqualität der Spree verbessert.

Zum Einsatz kommt das Wehr, „wenn es wieder einmal junge Hunde regnet“, sagt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. Die starken Regengüsse würden Hundekot, Äste und Sand in die Abwasserkanäle spülen.

Bis zu 2000 Kubikmeter Wasser können gestaut werden

Weil die Pump- und Klärwerke diese plötzlichen Wassermassen nicht verarbeiten können, werden Regen- und Schmutzwasser durch Überlaufkanäle in die Spree an der Museumsinsel eingeleitet. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt, und es kommt zum Fischsterben. Die treiben dann massenweise tot an der Wasseroberfläche.

Mit dem Wehr kann das verhindert werden. Es ist automatisch mit der Abwasserzentrale an der Holzmarktstraße verbunden. Bei starken Regenfällen wird es geschlossen. Damit können bis zu 2000 Kubikmeter Wasser gestaut werden, bis sich die Lage normalisiert hat.

Die Investition von 2,4 Millionen Euro werden vom Land und den Wasserbetrieben getragen. In dem Gebiet zwischen Prenzlauer Allee und Landsberger Allee sollen bis 2016 insgesamt 8000 Kubikmeter Stauraum entstehen. Damit wird vermieden, dass jährlich mehr als 100.000 Kubikmeter Schmutzwasser die Spree verunreinigen.

Ähnliche Wehre in Neukölln und Wedding

Um das Wehr einzubauen, musste eine Grube so groß wie ein Einfamilienhaus ausgehoben werden. „Das Wehr ist das Herzstück der Arbeiten, und ich bin froh, dass alles geklappt hat“, sagt Bauleiter Danny Thom von der Firma Sonntag. Es sei schade, dass man später nur noch einen Deckel auf der Straße davon sehe. Anfang November sollen die Arbeiten beendet sein.

Ähnliche Wehre gibt es bereits an der Neuköllner Erkstraße und an der Seestraße in Wedding. Sie alle sind Teil eines Programms zur Verbesserung der Berliner Gewässerqualität. Es sieht vor, bis 2020 Stauraum für mehr als 300.000 Kubikmeter Wasser in der Kanalisation zu schaffen.

kla