Bewerberandrang

Zu viele Studenten – An Berliner Universitäten wird es eng

Mehr als 36.000 Bewerber für 3300 Plätze. Nicht nur an der Berliner Humboldt-Uni übersteigt die Nachfrage das Angebot um ein Vielfaches. Doch es gibt auch Fächer, da haben Abiturienten die Wahl.

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Der Andrang von Bewerbern an den Berliner Universitäten ist ungebrochen. Das zeigen die vorläufigen Zahlen für das kommende Wintersemester von den drei großen Einrichtungen TU, FU und HU. Vielfach steigt die Zahl der Interessenten weiter. Und das, obwohl in Berlin der doppelte Abiturjahrgang schon im vergangenen Jahr die Gymnasien verlassen hat.

An der Humboldt-Universität in Mitte kommen derzeit 36.600 Bewerber für das erste Semester auf nur 3300 Plätze. 2012 waren es noch 3000 Bewerber weniger, dafür aber 700 Studienplätze mehr. Abgebaut wurden die Plätze bei den Studiengängen, die zulassungsbeschränkt sind.

„Bei den besonders nachgefragten Studiengängen hat sich im Vergleich zum Vorjahr nichts geändert“, sagt Sprecher Ibou Diop. Die meisten Bewerbungen gibt es nach Angaben der Uni in den Fachrichtungen Psychologie, Betriebswirtschaftslehre und Rechtswissenschaft. Aber auch Grundschulpädagogik und Sozialwissenschaften sind sehr begehrt. Bei den Masterstudiengängen steht Psychologie an erster Stelle der Beliebtheitsskala.

Auch an der Technischen Universität hat die Zahl der Bewerber zugenommen. Noch mehr Interesse als bisher gibt es vor allem für die Masterstudiengänge. Bei den Erstsemestern der grundständigen Fachrichtungen ist auch hier die Zahl konstant. Zum Wintersemester kommen bei den zulassungsbeschränkten Studiengängen mehr als fünf Bewerber auf einen der 2519 Plätze.

Die beliebtesten Fächer sind Wirtschaftsingenieurwesen, Architektur und Maschinenbau. Stark zugenommen hat die Zahl der Bewerber aus dem Ausland. Bei den Bachelorstudiengängen ist die Quote der internationalen Bewerber um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Freie Plätze bei Informatik, Physik, Mathematik

„Besonders erfreulich ist die große Resonanz auf die neu eingerichteten Studiengänge im Bereich Nachhaltigkeit und Umwelt“, sagt Stefanie Terp, Sprecherin der TU. Hier würden bis zu 27 Bewerber auf einen Studienplatz kommen. Es gibt aber auch noch freie Plätze in den zulassungsfreien Fächern wie Informatik, Physik, Mathematik und Technische Informatik.

Mehr als verdoppelt hat sich die Zahl der Bewerber ohne Abitur, auch wenn sie immer noch vergleichsweise niedrig ist. Insgesamt 77 Interessierte, die sich durch Berufsausbildung und Praxiserfahrung qualifiziert haben, wollen an der TU im Wintersemester ein Studium beginnen. Die Uni hat einen speziellen Vorbereitungskurs für Studieninteressierte ohne Abitur eingeführt.

An der Freien Universität in Dahlem sind zum kommenden Semester etwa 33.000 Bewerbungen auf 4300 Plätze bei den grundständigen Studien eingegangen. Das entspricht etwa der Zahl des Vorjahres, allerdings sind noch nicht die Bewerber aus dem Ausland berücksichtigt. Die meisten Bewerbungen gibt es hier für Betriebswirtschaftslehre, Publizistik und Politikwissenschaften. Weiter sind fast alle Bachelor- und Staatsexamensstudiengänge der FU wegen der hohen Nachfrage zulassungsbeschränkt.

Immerhin haben die zulassungsfreien Studiengänge zugenommen. Während im vergangenen Wintersemester lediglich Mathematik und Physik ohne NC belegt werden konnten, kommen jetzt weitere Studiengänge wie etwa Italienstudien, Judaistik oder Niederländische Philologie hinzu. Das heißt, in diesen Fächern wird jeder Bewerber genommen.

Nicht nur der gute Rufe der Hochschulen führt dazu, dass die Studienplätze hier so stark übernachgefragt sind. Neben der Tatsache, dass Berlin für junge Leute eine attraktive Stadt ist, dürfte auch die Gebührenfreiheit an den Berliner Universitäten für den großen Andrang sorgen.