Tragkonstruktion

Arbeiten am Hauptbahnhof-Dach - Züge fallen aus

| Lesedauer: 4 Minuten

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Bahnreisende müssen in Berlin mit Behinderungen im Regionalverkehr rechnen. Im Hauptbahnhof steht das Gleis 11 nicht zur Verfügung. Der Grund sind Arbeiten an der Dachkonstruktion.

Wegen Bauarbeiten am Lager der Dachkonstruktion des Berliner Hauptbahnhofs kommt es von Dienstag bis Donnerstag zu Einschränkungen des Regionalbahnverkehrs.

Während der dreitägigen Bauarbeiten steht nach Angaben der Deutschen Bahn Gleis 11 nicht zur Verfügung.

Deshalb werden die Züge der RB14 über Gesundbrunnen und Lichtenberg umgeleitet. Sie halten nicht an den Bahnhöfen zwischen Charlottenburg und Karlshorst.

Die Züge der RB21 und RB22 fallen zwischen Friedrichstraße und Zoologischer Garten aus. Empfohlen wird dort ein Umsteigen auf die S-Bahn.

Komplizierte Konstruktion

Erst im April war bekannt geworden, dass Teile der Brückenkonstruktionen an dem erst 2006 eröffneten Kreuzungsbahnhof so schadhaft sind, dass sie bei mehrmonatigen Streckensperrungen erneuert werden müssen. Nun hatten Bahnexperten eine weitere gravierende Schwachstelle entdeckt.

Bei einer der regelmäßigen Kontrollen stellten sie fest, dass eines der vier Festlager, die die ebenso imposante wie teure Glaskuppel über den Ost-West-Bahnsteigen tragen, „auffällig“ sei. Einzelne Lagerteile hätten sich gegeneinander verdreht, bestätigte ein Bahnsprecher. Das Glasdach, das die drei Ost-West-Bahnsteige überspannt, gilt als eine besonders komplizierte Konstruktion.

Die Gründe dafür seien bisher völlig unklar und würden nun gesucht. Ein Risiko für die Standsicherheit der Dachkonstruktion und damit für die täglich rund 300.000 Reisenden und Besucher im Hauptbahnhof bestehe nicht, versicherte der Unternehmenssprecher.

Ende Mai wurde das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) über das Problem informiert. In Abstimmung mit der Aufsichtsbehörde installierte die Bahn Messgeräte, um die Problemstelle ständig zu überwachen. Zudem wird nun häufiger als zuvor der Zustand der Festlager kontrolliert.

Lösen soll das Problem nun eine sogenannte Lagerkorrektur, bei der die ursprüngliche Position der Lagerteile wiederhergestellt wird. Um die Reparatur überhaupt ausführen zu können, muss ein Behelfsrahmen aufgebaut werden, der das Dach abstützt und damit die Lagerteile entlastet.

Nicht zum ersten Mal Sorgenkind

Der vom Architekten Meinhard von Gerkan gestaltete Berliner Hauptbahnhof ist nicht zum ersten Mal ein Sorgenkind. Kurz nach seiner Eröffnung löste sich am 18. Januar 2007 während des Orkans „Kyrill“ in 40 Meter Höhe eine Strebe aus der Gitterkonstruktion, mit der Teile des Gebäudes verkleidet sind.

Der fast zwei Tonnen schwere Stahlträger schlug auf einer Treppe am Bahnhof auf, nur durch viel Glück wurde damals kein Passant getroffen, lediglich ein paar Fahrräder wurden zerschmettert. Wie sich herausstellte, waren die Stahlteile nur aufgelegt und sollten durch ihr Eigengewicht halten. Um das Herauslösen weiterer Träger zu verhindern, wurden später kleine Haltebleche angeschweißt.

Im Dezember 2011 wurden schließlich undichte Stellen im Glasdach entdeckt. Als Ursache wurde vermutet, dass Krähen aus Spieltrieb die Dichtungen aus den Fugen picken würden. An Regentagen bildeten sich große Pfützen auf den Bahnsteigen. Als deutlich gravierender erwiesen sich indes die erstmals 2007 entdeckten Baumängel an Übergängen der Gleisbrücken innerhalb und außerhalb des Bahnhofs.

Dort hatten sich Befestigungsschrauben gelockert oder waren unter der Last der darüberfahrenden Züge regelrecht weggesprengt worden. 2011 versuchte die Bahn, die Verbindungen zunächst aufwendig zu sanieren – allerdings ohne Erfolg. Seither dürfen die Züge nur noch mit verringerter Geschwindigkeit auf der kurvenreichen Strecke zwischen Hauptbahnhof und Friedrichstraße fahren.

Im April entschied die Bahn schließlich, mit einem Kostenaufwand von mindestens 25 Millionen Euro alle 37 Fahrbahnübergänge durch Neukonstruktionen zu ersetzen. Dafür müssen allerdings die Schienenstränge der Stadtbahn mehrere Monate lang unterbrochen werden. Zunächst werden die Gleise für den Fern- und Regionalverkehr für 86 Tage gesperrt – voraussichtlich von August bis November 2015. Anschließend folgt Anfang 2016 eine zweimonatige Unterbrechung des S-Bahn-Verkehrs auf den Ost-West-Linien.

( fü/fal/mim )