Wasserschutzpolizei

Berliner Polizeibooten droht der „Totalausfall“

Die Berliner Wasserschutzpolizei muss auf einige alte Boote zurückgreifen. Zwei davon sollen bereits „verschlissen“ sein. Die Flotte muss dringend verjüngt werden – wenn es Geld dafür gibt.

Foto: JakobHoff / Jakob Hoff

Die Warnung ist deutlich: Die beiden Streifenboote „Alk“ und „Komoran“ sind „verschlissen“. Sie stammen aus den 70er-Jahren. Ersatzteile für die Bootsmotoren gibt es kaum noch. Den Polizeibooten droht der „ständige Totalausfall“. Diese Einschätzung steht im aktuellen Etat-Plan für den Doppelhaushalt, den das Abgeordnetenhaus im Herbst beschließen will. Sie ist die Begründung für eine wichtige Investition.

Die Berliner Wasserschutzpolizei (WSP) soll nämlich ihre Flotte verjüngen. Dafür erhält sie zwei neue Patrouillenboote, wenn das Parlament dem Vorhaben zustimmt. In seinem Ende Juni beschlossenen Doppelhaushalt hat der Senat für die Jahre 2014/15 Mittel in Höhe von jeweils 300.000 Euro pro Jahr eingestellt. Trotz des Sparzwangs sind die entsprechenden Titel bei den Haushaltsberatungen beibehalten worden.

Insgesamt schlägt die Beschaffung für den Bereich Zentrale Dienste der Polizei mit 1,2 Millionen Euro zu Buche, da schon im laufenden Jahr 2013 sowie mit einer Verpflichtungsermächtigung für das Jahr 2016 Mittel in gleicher Höhe in den Finanzplan eingestellt sind. Das für mehr als 200 Kilometer schiffbare Gewässer zuständige Referat der Polizei kann damit in absehbarer Zeit die mehr als 35 Jahre alten Streifenboote „Alk“ und „Kormoran“ außer Dienst stellen. Sie sind bei der Wache Mitte in Tiergarten stationiert, die für Sicherheit auf den Wasserstraßen, in den Häfen und Schleusenbereichen der Innenstadt verantwortlich ist – und damit auch für das Kanzleramt und den Bundestag, die an der Spree liegen.

Besondere Anforderungen an ein modernes Polizeiboot

Die Polizeiführung erfuhr erst durch die Berliner Morgenpost von der vorgesehenen Mittelfreigabe für die beiden Boote. Polizeisprecher Stefan Redlich zeigte sich gleichermaßen erfreut und überrascht: „Ein positives Zeichen für die Erhaltung der Sicherheit auf Berlins Wasserstraßen. Wir würden es sehr begrüßen, wenn die älteren Wasserfahrzeuge baldmöglichst ersetzt werden“, sagte der Sprecher.

Zu den besonderen Anforderungen eines modernen Polizeiboots zählt, dass etwa bei höheren Geschwindigkeiten wenig Wellen verursacht werden. Zudem muss es bei 35 Stundenkilometern volle Steuerfähigkeit behalten, ebenso bei langsamer Fahrt von unter sieben km/h. Zur Erleichterung von Bergungs- und Rettungsarbeiten sollte ein Streifenboot zudem über eine hydraulische Arbeitsplattform verfügen, die bis zur Wasseroberfläche abgesenkt werden kann, heißt es im Anforderungsprofil, das sich aus der Auswertung vorliegender Einsatzerfahrungen ergibt. Das erste Polizeiboot Berlins mit diesen Fähigkeiten, das WSP 30 „Wannsee“, wurde im Jahr 2001 in Dienst gestellt.

37 Dienstjahre für „Alk“

Das betagte Polizeiboot „Alk“ mit der Kennung WSP 21 hat seinen Liegeplatz in der Wache Mitte. Es stammt aus dem Baujahr 1976 und wurde bei einer Ost-Berliner Werft gefertigt. Das 11,3 Meter lange und 3,1 Meter breite Streifenboot mit 70 Zentimetern Tiefgang wird auf den Wasserstraßen in der Innenstadt eingesetzt. Die beiden jeweils 125-PS-starken (94 kw) Daimler-Benz-Motoren verleihen dem Boot eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. Ihr Standort befindet sich am sogenannten „Spree-Kreuz“ im Verwaltungsbezirk Mitte, wo der Landwehrkanal und der Charlottenburger Verbindungskanal in die Spree münden.

Die Wache Mitte, früher Wache 2, befindet sich seit 60 Jahren am Spreekreuz in Moabit. Der Zuständigkeitsbereich umfasst alle schiffbaren Gewässer der Innenstadt, darunter die Spree im Stadtzentrum von Oberbaumbrücke bis zur Schleuse Charlottenburg, den West- und den Humboldthafen sowie die ersten 9,5 Kilometer des Landwehrkanals.

„Kormoran“ ist nur ein Jahr jünger

Das Streifenboot „Kormoran“, Kennzeichen WSP 24, ist aus dem Baujahr 1977 und damit nur ein Jahr jünger als das Polizeiboot Alk und ebenfalls vorwiegend im Zuständigkeitsbereich der Wache Mitte eingesetzt. Derzeit liegt das Boot jedoch in Treptow. Es wurde an die Wache Ost ausgeliehen, weil ein anderes Wasserfahrzeug derzeit wegen Instandsetzungsarbeiten auf einer Werft nicht für Dienstfahrten bereit steht. Trotz ihres Alters sind die älteren Boote bei den Vollzugsbeamten nicht unbeliebt. Der 13 Meter lange „Eisvogel“ (WSP 42) etwa, eines der Löschboote, ist bereits seit 1968 im Einsatz und gilt bei den Bootsführern wegen seiner Robustheit als „unkaputtbar.“ Der Methusalem unter den Polizeibooten ist die „Lietze“, die bereits seit Mitte der 60er in Dienst ist.

Die Wasserschutzpolizei gliedert sich nach der Schließung der Wache auf Schwanenwerder vor einigen Jahren in nur noch drei statt zuvor vier Wachen mit ebenso vielen Einsatzgebieten. Jede Wache verfügt über ein Boot mit einer Feuerlöschanlage. Die WSP-Leitung hat ihren Sitz an der Baumschulenstraße 1 in Treptow, wo auch die Wache Ost angesiedelt ist. Die Wache West befindet sich in Spandau, die Wache Mitte in Tiergarten. Insgesamt verfügt die WSP über 16 Streifenboote und fünf Zivilboote. Letztere sind zur Verbrechensbekämpfung auf dem Wasser und an Uferstreifen im Einsatz.

Zu den wesentlichen Aufgaben der Ordnungshüter auf dem Wasser zählen indes die Überwachung des Güterschiffs- und Sportbootverkehrs, das Erkennen und Beseitigen von Gefahrstellen auf Flüssen und Kanälen, sowie die Wasserrettung. Ein wichtiger Bestandteil der täglichen Patrouillenfahrten ist daneben die Kontrolle von Bestimmungen wie Geschwindigkeitsregeln oder des limitierten Gebrauchs von Alkohol bei Bootsführern. Wie auf der Straße bedeutet ein Promillewert ab 0,5 eine Ordnungswidrigkeit, ab 1,1 Promille liegt eine Straftat vor. Auch das Einhalten von Umweltschutzauflagen gehört zu den Aufgaben der „Polizisten auf See“, etwa die Entsorgung von Fäkalien oder das Verbot des Ablassens von Altölen in Gewässer werden überwacht.