Mafiöse Strukturen

Innensenator Henkel will gegen kriminelle Großclans vorgehen

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Foto: Kay Nietfeld / dpa

In Berlin seien mafiöse Strukturen entstanden, warnt Berlins Innensenator Henkel. Meist seien arabischstämmige Großfamilien involviert. Der CDU-Politiker will das Problem „bei der Wurzel packen“.

Im Kampf gegen kriminelle Großfamilien will Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) jetzt alle Register ziehen. „Gemeinsam mit der Justiz, Gewerbeaufsicht, Ausländerbehörde und Steuerfahndung werden wir dieses Problem bei der Wurzel packen“, sagte Henkel. Es seien mafiöse Teilstrukturen in Berlin entstanden, in denen Mitglieder dieser Clans agierten. Es gehe um Macht, Drogen, Schutzgelderpressung, Geschäfte im Rotlichtmilieu – „um alles, was Geld bringt“. Es werde versucht, Wirtschaftsimperien aufzubauen und auf legale Bereiche auszudehnen.

Teile dieser arabischstämmigen Großfamilien lehnen laut Berliner Staatsanwaltschaft den Rechtsstaat ab und leben nach eigenen Regeln. Probleme werden demnach mit Friedensrichtern an deutschen Gesetzen vorbei geregelt. Immer wieder stehen gewaltbereite Männer auch vor Gericht. Doch auch ein möglicher Gefängnisaufenthalt schüchtert die Mitglieder der Familien nicht ein, sondern wird fast in Kauf genommen.

Sechs arabischstämmige Großfamilien in Berlin

Die bundesweit bekannte Jugendrichterin Kirsten Heisig, die sich 2010 das Leben nahm, schrieb in ihrem Buch „Das Ende der Geduld“ von bundesweit zehn bis zwölf arabischen Großfamilien mit einigen Tausend Mitgliedern. Sie konzentrierten sich auf Berlin, Bremen, Bremerhaven und das Ruhrgebiet. Nach Angaben von Ermittlern leben in Berlin sechs arabischstämmige Großfamilien mit weit mehr als 1000 Mitgliedern zum Teil bereits in dritter Generation.

Bei der Eindämmung krimineller Rockerbanden gibt es laut Senator hingegen Erfolge. Dafür sei aber sehr viel Personal gebraucht worden. „Es ist aber nicht so, dass wir bei den kriminellen Großclans tatenlos zusehen.“ Jetzt müsse auch in diesem Bereich der „gesamte Instrumentenkasten“ genutzt werden. Eine extra Einsatztruppe brauche es dafür aber nicht. „Mit dem, was wir haben, werden wir in der Lage sein, diese Clans mit der gleichen Härte zu bekämpfen – mit allem, was das Gesetz erlaubt.“

„Polizei und Staatsanwaltschaft müssen ran“

Gebraucht werde jedoch ein langer Atem, sagte Henkel. Die Probleme seien über Jahre entstanden. „Rechtsfreie Räume gibt es aber nicht in Berlin“, sagte der Senator. Auch bei der Staatsanwaltschaft sei das Problembewusstsein gestiegen. „Die entscheidende Frage ist: Wie gelingt es, entsprechende Vermögenswerte abzuschöpfen? Da müssen Polizei und Staatsanwaltschaft ran“, sagte Henkel.

Zuletzt hatte die Zwangsversteigerung eines Wohnhauses, das einem Mitglied einer arabischen Großfamilie gehörte, für Schlagzeilen gesorgt. Bei dem Termin am Amtsgericht Neukölln versuchten rund 40 Personen aus dem Umfeld der Familie O., Versteigerungsteilnehmer durch Drohungen und Anrempeln daran zu hindern mitzubieten. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein.

( dpa/ur )