Jahrelang hat der Senat einen einheitlichen Ansprechpartner für Investoren angekündigt, jetzt zeigen die Bemühungen offenbar deutliche Ergebnisse. Die Zahl der Anfragen bei der sogenannten One-Stop-Agency ist in nur einem Jahr sprunghaft angestiegen. Gab es im Juni 2012 noch 50 Anfragen, waren es im Juni 2013 bereits 280 Anfragen von Unternehmen bei der Wirtschaftsverwaltung.
„Der ,Einheitliche Ansprechpartner‘ ist Berlins One-Stop-Agency als Navigationshilfe für Investoren bei behördlichen Verfahren, der immer mehr in Anspruch genommen wird“, sagte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU). „Seit 2011 haben sich die Fallzahlen verzehnfacht.“ Insgesamt ist die Zahl der Anfragen von 780 im Jahr 2012 auf 1782 in den ersten sieben Monaten dieses Jahres gestiegen.
Zu den häufigsten Anfragen gehören Gewerbean- und -ummeldungen, Anträge zu Ausnahmegenehmigungen und zu Aufnahmen in Handwerksrollen oder Industrie- und Handelskammern. Bei der Einrichtung des „Einheitlichen Ansprechpartners“ (EA) haben die Bundesländer unterschiedliche Modelle. In Berlin ist dies eine zentrale Stelle in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung in Kooperation mit den Kammern.
EA soll grenzüberschreitende Investitionen erleichtern
Schon frühere Senate hatten die Einrichtung einer One-Stop-Agency angekündigt, waren aber bislang stets an behördlichen Zuständigkeiten gescheitert. Die Schaffung des EA für Unternehmen im Dienstleistungsbereich ist ein Kernstück der Europäischen Dienstleistungsrichtlinie. Der EA soll grenzüberschreitende Investitionen erleichtern, indem sie Unternehmen gegenüber als einziger Ansprechpartner für die Einholung hierzu notwendiger Genehmigungen auftreten. Die Wirtschaftsverwaltung gibt dafür jährlich rund 1,7 Millionen Euro aus.
Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) hatte sich um die Organisation des EA beworben, war aber leer ausgegangen. Sie beurteilt die bisherige Arbeit skeptisch. „Bundesweit wurde großes Aufhebens und großer Aufwand betrieben“, sagte der Vizehauptgeschäftsführer der IHK, Christian Wiesenhütter. „Gerade Berlin hat einen schwierigen Weg in Richtung E-Government unternommen, bei dem Nutzen und Qualität noch Verbesserungsbedarf haben.“
Im vergangenen Jahr haben sich 162 Firmen neu in Berlin angesiedelt oder ihre Unternehmenssitze in der Stadt ausgebaut. Dabei sind 5313 neue Arbeitsplätze entstanden, 2011 waren es noch 7000 Arbeitsplätze. Nach Angaben des hauptstädtischen Wirtschaftsförderers Berlin Partner planen die neuen Firmen Investitionen in Höhe von 283 Millionen Euro, allerdings ist die Investitionsquote in den Branchen unterschiedlich.
Impuls durch das Schaufenster Elektromobilität
So seien die geplanten Investitionen in der Kreativbranche, die die Hälfte der neuen Arbeitsplätze schuf, vergleichsweise gering (36 Millionen Euro). Dagegen planen die neuen Unternehmen der Gesundheitsbranche, die 500 neue Arbeitsplätze in der Stadt schafften, Investitionen von 99 Millionen Euro.
36 der Neu-Berliner Firmen haben ihren Hauptsitz in Deutschland, die meisten Zuzüge aus dem Ausland kamen aus den USA (elf) und Großbritannien (acht). Als Gründe gaben die Firmen laut Berlin Partner die Internationalität der Stadt an, niedrige Lebenshaltungskosten und die hohe Zahl an Facharbeitern.
In diesem Jahr erhofft sich Berlin Partner einen starken Impuls durch das Schaufenster Elektromobilität. Das Bundesverkehrsministerium hat Berlin im vergangenen Jahr als eines von vier künftigen Schaufenstern der Elektromobilität benannt. Insgesamt stehen dafür 125 Millionen Euro als Fördermittel zur Verfügung. Berlin hat 34 Projekte angemeldet, darunter den Ausbau von Car-Sharing-Modellen und Stromtanksäulen.
260 neue E.on-Mitarbeiter in Berlin
Als Firmen-Neuzugang 2013 hat der Energiekonzern E.on bereits zugesagt, 260 hoch qualifizierte Arbeitsplätze in einem Servicecenter zur Weiterqualifizierung von Führungskräften neu zu schaffen. Cell medica mit Hauptsitz in Großbritannien kommt mit einer Zellproduktion nach Berlin. Alstom, das von Berlin aus Offshorewindanlagen in der Nordsee steuert, erweitert ebenfalls den Berliner Standort, und General Electric errichtet ein neues Trainingszentrum.
Berlin bemüht sich schon länger darum, die unterschiedlichen Einrichtungen der Wirtschaftsförderung in der Stadt zu bündeln. Zuletzt hat das Land beschlossen, die Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner GmbH und die Technologiestiftung Berlin Innovationsagentur (TSB) zu vereinen. Es waren die letzten großen Fördergesellschaften im Land, nachdem in den vergangenen Jahren erst die Außenwirtschaftsförderung und später die normale Wirtschaftsförderung in die ursprünglich als Stadtmarketing-Gesellschaft gegründeten Berlin Partner integriert worden waren.





