Die Idee geistert schon ziemlich lange durch die Köpfe von Berliner Wirtschaftsförderern und Politikern: einen zentralen Ansprechpartner für Wirtschaftsförderung. Sie wollten nicht einsehen, dass es in Berlin eine Organisation geben sollte für Fragen zu Standort, Genehmigungen oder Fachkräften. Und eine andere, die Bescheid weiß über die Technologie, Möglichkeiten zur Kooperation mit Forschungsinstituten oder zur Akquise von Fördermitteln.
Denn bisher war Berlin Partner GmbH als Wirtschaftsfördergesellschaft für das eine zuständig, die Technologiestiftung Berlin Innovationsagentur (TSB) für das andere. Es waren die letzten beiden großen Fördergesellschaften im Land, nachdem in den vergangenen Jahren erst die Außenwirtschaftsförderung und später die normale Wirtschaftsförderung in die ursprünglich als Stadtmarketing-Gesellschaft gegründeten Berlin Partner integriert wurde.
Bisher wurde aber über den letzten großen Schritt nur geredet. Jetzt ist er vollbracht. Die Aufsichtsgremien beider Organisationen stimmten am Montag der Fusion zur Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH zu.
Neue Aufgaben für die TSB
Richtig Fahrt kam in die Diskussion von Berlin Partner und TSB, als Cornelia Yzer (CDU) vor gut acht Monaten Senatorin für Wirtschaft wurde. Die Christdemokratin hatte ziemlich schnell den Eindruck, dass die Trennung keinen Sinn machte, denn ein Großteil der Investitionen in Berlin seien „technologiebasiert“.
Yzer brachte die bis dahin durchaus kritischen Beteiligten an einen Tisch. Sie installierte Günter Stock, der dem Aufsichtsrat der TSB vorsaß, auf der gleichen Position bei Berlin Partner. Bei der Technologiestiftung, der Mutter der TSB Innovationsagentur GmbH, rückte ihr ehemaliger Staatssekretär Nicolas Zimmer als Vorstandsvorsitzender ein.
Sie setzen einen Fusionsprozess auf, bildeten 13 Arbeitsgruppen mit den Mitarbeitern, trafen sich jede Woche im Fusionsausschuss und räumten die Bedenken aus. Gerade für die TSB bedeutet die Fusion neue Aufgaben: Bisher war die TSB eher im Projektgeschäft tätig, versuchte Fördergeld etwa der EU nach Berlin zu holen.
Wirtschaftssenatorin Yzer förderte Fusion
Ein bloßer Senatsbeschluss hätte nicht ausgereicht, weil in beiden Organisationen auch private Einrichtungen beteiligt sind. „Unser Ziel muss sein, dass Unternehmen schon beim ersten Kontakt den Eindruck haben, sich wirklich verstanden zu fühlen, mit meinem Wirtschaftsförder-Anliegen und mit meiner Technik“, sagte Yzer.
Stock lobte den Einsatz der Mitarbeiter für den Zusammenschluss. Es entsteht eine Organisation mit 200 Beschäftigten – 120 von Berlin Partner und 80 von der TSB. Nach der Zustimmung der Gremien könnte die neue Gesellschaft zum 31. August ins Handelsregister eingetragen werden. Geschäftsführer bleiben Melanie Bär (Berlin Partner), deren Kontrakt noch länger läuft, und zunächst Adolf Kopp (TSB), dessen Vertrag zum Jahresende ausläuft. Stock kündigte an, dass diese Stelle ausgeschrieben werde.
Die Mitarbeiter bilden gemischte Teams. Sieben Geschäftsbereiche mit jeweils 20 bis 30 Mitarbeitern sind geplant. Neben dem Stadtmarketing und den zentralen Diensten orientiert sich der Aufbau an den wichtigsten Feldern der regionalen Wirtschaft. Energie und Mobilität, Gesundheitswirtschaft, Digitale Wirtschaft & Dienstleistungswirtschaft, Industrielle Produktion & Optik/Berliner Bezirke sowie Operative Services heißen die Einheiten.
Beratungsstelle für kleine und mittlere Unternehmen
Laut Stock werde die Fusion „Ressourcen freisetzen“. Es gehe jedoch nicht um einen Personalabbau oder um Einsparungen. Vielmehr sollen mit den eingesparten Mitteln neue Aktivitäten aufgebaut werden, so ein Bereich „Smart Cities“, der alle Aspekte des Einsatzes von Informationstechnologie in der Stadt umfasst. Die Technologiestiftung bleibt unter der Leitung des früheren CDU-Politikers Zimmer unabhängig. Mit acht Mitarbeitern soll sie strategisch arbeiten, für Berlin sinnvolle Technologien identifizieren, Kontakte zu den Hochschulen ausbauen und internationale Beziehungen vertiefen.
An der fusionierten GmbH sind die TSB-Stiftung, die landeseigene Investitionsbank Berlin und die Partner für Berlin Holding mit je etwa 30 Prozent beteiligt, der Rest der Anteile liegt bei den Kammern und der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg. Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck sagte, es sei wichtig, dass die neue GmbH zu einer Beratungsstelle wird, die kleine und mittlere Unternehmen bei technologischen Innovationen helfen könne. Eine Stelle mit diesem Auftrag gebe es in Berlin bisher nicht.




