Luftbrücken-Jubiläum

Ein abgestürzter Rosinenbomber wird neu zusammengesetzt

Um den 2010 abgestürzten Rosinenbomber zu restaurieren, hat eine Berliner Initiative einen baugleichen Flieger aus England gekauft – als Ersatzteillager. 2014 soll die kaputte Maschine wieder abheben.

Foto: Bernd Settnik / dpa

„Die Maschine ist jetzt im Queranflug“, sagt Olaf Mogel vom Förderverein Rosinenbomber durch die Lautsprechertüte. Er steht auf der Besucherterrasse des Flughafens Schönefeld und erklärt wie ein Fußball-Kommentator das, was alle sehen: Der Rosinenbomber befindet sich im Anflug.

Mit Mogel starren rund hundert Flugzeug-Enthusiasten, bestückt mit Fernrohren und Kameras, auf den sich langsam bewegenden Punkt am Himmel. Die Maschine kommt näher, und kurz darauf ist es soweit, der alte Propellerflieger knattert über die Zuschauer hinweg. Gleichzeitig setzt die vierköpfige Frauenkapelle mit einer fröhlichen Sommermelodie ein.

Noch ein paar Runden dreht das Flugzeug für seine Fans am Himmel, dann setzt es zum Landeanflug an. Schließlich gibt Mogel – unterbrochen vom Klatschen der Gäste – das Offensichtliche bekannt: „Es ist vollbracht, die Maschine ist gelandet.“

Englische Frachtmaschine als Rosinenbomber-Ersatzteillager

Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine alte Frachtmaschine. Aus dem englischen Coventry wurde sie eingeflogen, um als Ersatzteillager zu dienen. Das Flugzeug ist baugleich zu dem alten Rosinenbomber, der am 19. Juni 2010 in der Nähe der Ortschaft Selchow wegen eines Triebwerkausfalls kurz nach dem Start eine Bruchlandung absolvierte. Sieben der 28 Insassen wurden damals verletzt und die Maschine schwer beschädigt. Die Tragflächen und auch beide Motoren mussten demontiert werden.

Wenige Tage später gründete sich der Förderverein Rosinenbomber, um die Maschine wieder flugfähig zu bekommen. Schließlich handelt es sich bei dem historischen Flugzeug um ein „Wahrzeichen des freien und modernen Berlins“, wie der stellvertretende Botschafter Englands, Andrew Nobel, bei der Ankunft des Ersatz-Flugzeuges sagt. Eingesetzt wurde die in Mitleidenschaft gezogene Maschine vom Typ Douglas DC-3 während der Blockade gegen West-Berlin. Sie war eine der vielen Maschinen, die Berlin zeitweise im Minutentakt anflogen, um die Bevölkerung mit lebenswichtigen Gütern zu versorgen.

Rosinenbomber-Verein setzt sich für „fliegendes Denkmal“ ein

Den Worten des Botschafters schließt sich Gerd Gebhardt, einer der Vorsitzenden des Rosinenbomber-Vereins, an. „Ein fliegendes Denkmal“, nennt er das alte Flugzeug. Der Förderverein gründete sich wenige Tage nach der Bruchlandung mit dem Ziel, den Rosinenbomber wieder flugtauglich zu machen. Auf eine halbe Million Euro schätzt Gebhardt die Gesamtkosten für die Restaurierung des Rosinenbombers. Der Kauf der Ersatz-Maschine kostete rund 158.000 Euro. Der Zusammenbau der Flugzeuge in einer Werft in Kamenz bei Dresden wird wohl mit zusätzlichen 300.000 Euro zu Buche schlagen.

Finanziert wird das Projekt durch Spender, darunter sind auch Prominente wie der Liedermacher Reinhard Mey. Oder Luftbrücken-Pilot Gail Halvorsen, der bei den Landeanflügen auf Berlin in Taschentücher eingewickelte Schokolade für die Kinder aus dem Cockpit warf.

Aber auch alteingesessene Berliner wie Mercedes Wild, die als kleines Mädchen auf eben diese Schokolade aus der Luft hoffte.

Nach Angaben des Vereins fehlt es noch an Spenden. So ist die Finanzierung der Restaurierung noch nicht sicher. Klar dagegen ist das Ziel der Vereinsmitglieder. Der neu zusammengebaute alte Rosinenbomber soll am 12. Mai 2014, dem 65. Jahrestag der Luftbrücke, wieder fliegen.

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