Namensgebung

Berliner Schule trägt nun Namen von Rosinenbomber-Piloten

In Zehlendorf wurde eine Schule nach Gail S. Halvorsen benannt. Der Amerikaner wurde während der Berliner Luftbrücke als Pilot, der für Kinder Süßigkeiten an kleinen Fallschirmen abwarf, bekannt.

Foto: Reto Klar

Die Schüler der 9. Integrierten Sekundarschule an der Zehlendorfer Straße Im Gehege sind stolz. Ihre Schule heißt von nun an Gail S. Halvorsen Schule. Die feierliche Namensgebung für die Einrichtung, die zwei Jahren lang nur eine Nummer und keinen Namen hatte, fand am Sonnabend statt. Gail S. Halvorsen war mit dabei, begleitet von seinen Töchtern und seinem Sohn.

Der 92 Jahre alte Mann war während der Berliner Luftbrücke 1948/49 Pilot der amerikanischen Luftwaffe. Er wurde berühmt dafür, dass er für die Berliner Kinder an kleinen Fallschirmen Süßigkeiten abwarf. „Rosinenbomber“ wurden Piloten und Flugzeuge, die an der Luftbrücke beteiligt waren, daraufhin genannt.

Auslöser für Aufbruchstimmung

Die Schüler der Zehlendorfer Sekundarschule haben sich mit diesem Stück Berlin-Geschichte beschäftigt. Sie haben viel darüber gelesen und auch das Alliierten-Museum an der Clayallee besucht. Als es im vergangenen Herbst um einen Namen für ihre Schule ging, stimmte die Mehrheit von ihnen für Gail S. Halvorsen. Stefan Begie, Schüler der Klasse 10g, bezeichnete es am Sonnabend als etwas ganz Besonderes, dass der 92-jährige Namensgeber angereist war, um die Schüler, Lehrer und Eltern „seiner“ Schule zu besuchen und bei der Namensgebung dabei zu sein. „Das ist eine Ehre für uns“, sagte er.

Die 9. Integrierte Sekundarschule hatte sich vor zwei Jahren im Zuge der Schulstrukturreform durch die Fusion der Alfred-Wegner-Realschule mit der Beucke-Realschule gebildet. Die Fusion sei für alle Beteiligten nicht leicht gewesen, sagte der stellvertretende Schulleiter Georg Händschke anlässlich der Feierstunde am Sonnabend. „Zwei Jahre lang haben wir uns in einer Umbruchphase befunden. Dass daraus jetzt eine Aufbruchphase geworden ist, hat viel mit der Namensgebung der Schule zu tun.“

Rede auf die Freundschaft

Die wichtigste Rede an diesem Feiertag hielt Gail S. Halvorsen. „Ich freue mich, heute wieder in meiner zweiten Heimat zu sein“, rief er allen Anwesenden auf Deutsch zu.

Halvorsen sagte, dass er nicht wegen seiner Taten da sei, sondern wegen 30 Kindern, die er während der Luftbrücke am Stacheldrahtzaun des Flughafens Tempelhof getroffen hatte. „Alle waren so dankbar allein für Mehl und dafür, frei zu sein, dass sie nichts mehr wünschten als Freiheit – nicht mal Schokolade“, sagte er. Er habe diesen Kindern versprochen, aus seinem Flugzeug für sie Schokolade an kleinen Fallschirmen abzuwerfen, wenn er das nächste Mal in Tempelhof einfliegen würde. Sie hätten ihm versprochen zu teilen. „Die Kinder schrieben später Briefe, um sich zu bedanken.“

Halvorsen schloss seine bewegende Rede damit, dass er die Schüler heute aufforderte, sich für andere einzusetzen. „Dienst am Nächsten und Dankbarkeit werden euch helfen, Versuchungen und Schwierigkeiten zu widerstehen, und euch am Ende inneren Frieden und Glück bringen“, sagte er.

Julian, Florian und Dennis aus der Klasse 9d waren begeistert. „Es ist toll, dass Herr Halvorsen selbst zu uns gekommen ist, und das in seinem Alter“, sagte Florian. Seine Großmutter habe viel von den Rosinenbombern erzählt.

„Seine Geschichte hat viel mit Berlin zu tun“

Einige andere Neunklässler hätten es zwar besser gefunden, wenn die Schule einen modernen Namen bekommen hätte. Mit Gail S. Halvorsen sind sie aber trotzdem zufrieden. Olivia sagte: „Seine Geschichte ist interessant und hat viel mit Berlin zu tun.“ Klassenkamerad Berkey stimmte ihr zu. „Ich finde diese Geschichte auch spannend“, sagte er.

Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD), der ebenfalls zu den Festrednern gehörte, sagte zu den Schülern, dass die Freundschaft etwas sehr Wertvolles sei. Halvorsen sei ein Beispiel dafür. „Der alte Herr ist nach Deutschland zurückgekehrt, nach Berlin, damals die Zentrale des Terrors. Er ist zurückgekehrt, weil er sich unserem Volk verbunden fühlt.“ Verantwortung und Freundschaft seien das Größte im Leben, so Rackles.

Zu den Gästen gehörte auch die Berlinerin Mercedes Wild. Sie war eines der Kinder aus Berlin, die während der harten Zeit der Blockade aufwuchs. Damals hatte sie Gail S. Halvorsen einen Brief geschrieben. Darin hatte sie ihm erzählt, dass sie am Flughafen Tempelhof wohne und auf dem Hof weiße Hühner habe. Dort solle er Schokolade abwerfen. Halvorsen entdeckte die Hühner nicht, schickte dem kleinen Mädchen aber ein Päckchen.