Hochwasser-Schäden

Notfahrplan macht ICE-Verbindungen wieder schneller

Ab Montag gilt nach dem Elbe-Hochwasser ein neuer ICE-Notfahrplan. Wie lange er gültig bleibt, ist offen. Denn noch können nicht alle Schäden an der Bahntrasse von Berlin nach Hannover untersucht werden.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Bahnpendler zwischen Berlin und Wolfsburg können aufatmen – zumindest ein bisschen. Nach den Schäden durch das Elbe-Hochwasser gilt bei der Deutschen Bahn von der kommenden Woche an ein neuer Notfahrplan. Und die wichtigste Änderung lautet: Die niedersächsische Autostadt ist nicht länger vom ICE-Netz der Bahn abgehängt. Erstmals seit der Sperrung einer Bahnbrücke in der Nähe von Stendal Mitte Juni ist Wolfsburg dann wieder mit Direktzügen erreichbar.

Alle zwei Stunden verbindet die ICE-Linie 11 (Berlin-Braunschweig-Frankfurt-Stuttgart-München) auch Stendal und Hildesheim wieder mit der deutschen Hauptstadt. Die Fahrt nach Wolfsburg dauert allerdings immer noch gut zwei Stunden, etwa eine Stunde länger als im regulären Fahrplan. Der Grund: Alle Züge auf der Trasse nach Westen – in Richtung Hannover, Frankfurt (Main), Ruhrgebiet, Köln und Düsseldorf – müssen noch monatelang über Magdeburg umgeleitet werden.

Experten gehen davon aus, dass die Schäden an der regulären Hochgeschwindigkeitstrasse in Sachsen-Anhalt frühestens Ende dieses Jahres behoben sein werden. Die Deutsche Bahn macht dazu aktuell keine konkreten Angaben. Wie lange der neue Notfahrplan gelten soll, will das bundeseigene Unternehmen erst „nach Abschluss der noch laufenden Analyse in einigen Wochen“ sagen, heißt es in einer Mitteilung und weiter: „Die Untersuchungen des Bahndamms können aufgrund des weiterhin feuchten Untergrunds noch nicht umfassend durchgeführt werden.“ Betroffen ist nach Bahnangaben ein etwa fünf Kilometer langer Streckenabschnitt zwischen Stendal und Rathenow.

Neuer ICE-Fahrplan

Auch auf den anderen betroffenen ICE-Linien gilt von Montag an ein neuer Fahrplan. Schneller als im aktuellen Notfahrplan kommen dann beispielsweise Fahrgäste auf der ICE-Linie 12 (Berlin–Frankfurt–Karlsruhe) ans Ziel. Die Züge fahren zwar weiterhin ohne Halt über Erfurt, sind aber im neuen Fahrplan nur noch 20 Minuten länger als regulär unterwegs.

Kaum Verbesserung gibt es hingegen für die Intercity-Verbindung zwischen Berlin und Amsterdam. Die meisten Züge von und nach Holland beginnen und enden weiterhin in Hannover. Nur wenige Intercitys werden über Stendal nach Berlin umgeleitet und sind auf dem Umweg etwa eine Stunde länger unterwegs.

Informationen über den neuen Fahrplan gibt es auf der Internetseite der Deutschen Bahn (www.bahn.de). Auch die kostenlose Servicenummer zu den Auswirkungen des Hochwassers auf den Bahnverkehr bleibt bis auf weiteres geschaltet. Unter 08000-99 66 33 erhalten Fahrgäste aktuelle Informationen rund um die Uhr.

Der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV) erneuerte in dieser Woche seine Forderung nach Zwischenhalten der wegen des Hochwassers umgeleiteten ICE-Züge am Bahnhof Zoologischer Garten sowie am Potsdamer Hauptbahnhof. Die Deutsche Bahn lehnt das weiterhin ab. Der Konzern will die Fahrzeit durch weitere Stopps nicht zusätzlich verlängern. Außerdem würden die haltenden ICE-Züge für Engpässe auf der dicht befahrenen Ost-West-Trasse durch die Berliner Innenstadt sorgen, so ein Sprecher.

Der DBV hält das für „nicht nachvollziehbar“. Neben den Fahrgästen, die nicht alle zum Berliner Hauptbahnhof fahren müssten, würde nach Ansicht der Kundenvertreter auch der Betriebsablauf profitieren. Der Berliner Fahrgastverband Igeb, die Stadt Potsdam und der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf unterstützen die DBV-Forderung.

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