Brandenburg

Ostdeutsche Eisenbahn hat ihren Fuhrpark komplett

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Markus Falkner

Foto: Florian Kleinschmidt / picture alliance / ZB

Der letzte Triebwagen wurde mit einem halben Jahr Verspätung geliefert. Ohne die neuen Züge gab es regelmäßig Verspätungen. Auch wenn sich die Pünktlichkeitswerte der Odeg zuletzt verbessert hatten.

Die private Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) kann endlich ihren Fuhrpark komplettieren. Mit mehr als einem halben Jahr Verspätung wurde jetzt der letzte von 16 Doppelstock-Triebzügen des Typs Kiss ausgeliefert, wie Odeg-Chef Arnulf Schuchmann bestätigte. Voraussichtlich an diesem Wochenende soll der Zug in Betrieb gehen.

Ursprünglich sollten die Fahrzeuge des Berliner Herstellers Stadler bereits im Dezember 2012 auf den Regionalexpress-Linien RE2 (Wismar–Berlin–Cottbus) und RE4 (Rathenow–Berlin–Jüterbog) im Einsatz sein. Doch Probleme bei der Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt und Verzögerungen bei der Herstellung sorgten für Zeitverzug. Erst im Januar fuhren die ersten Kiss-Züge auf der Linie RE4.

Deutsche Bahn musste lange aushelfen

Auf dem RE2, der zweitwichtigsten Regional-Express-Linie in Berlin und Brandenburg, musste hingegen monatelang die Deutsche Bahn aushelfen. Weil deren Ersatzfuhrpark mit alten Loks aber langsamer war als die vorgesehenen Neubautriebwagen von Stadler, gab es regelmäßig Verspätungen. Um den Fahrplan besser einhalten zu können, mussten Zwischenhalte zeitweise gestrichen werden. Umso mehr ist Odeg-Chef Schuchmann nun erleichtert, dass das Kapitel Fahrzeugbeschaffung abgeschlossen ist. „Nach langem Warten sind nun endlich alle da“, sagte er.

Ein anderes Problem hat die Odeg ebenfalls – zumindest zunächst – in den Griff bekommen. Die seit Monaten schlechten Pünktlichkeitswerte des RE2 und RE4 haben sich zuletzt deutlich verbessert. Schuchmann hat dafür neben den neuen Zügen noch eine einfache Erklärung: Weil Fernverkehrszüge nach dem Elbehochwasser umgeleitet werden, ist der Bahnknoten Spandau spürbar entlastet. Die Regionalzüge müssen vor dem Engpass im Berliner Nordwesten nicht mehr, wie sonst üblich, auf verspätete ICE-Züge warten.

Auch die Sommerferien haben laut dem Unternehmenschef positive Auswirkungen. Weil weniger Pendler unterwegs sind, verkürzen sich an den Bahnhöfen die Standzeiten zum Ein- und Aussteigen. „Wir hatten massive Probleme“, sagte Schuchmann. Zeitweise sei nur etwa jeder zweite Zug ohne größere Verspätungen gefahren. „Inzwischen“, so der Odeg-Chef, „liegen wir bei fast 100 Prozent.“

Zu wenig Platz

Unterdessen warnte der Deutsche Bahnkundenverband (DBV) am Freitag auch vor Problemen mit den Neubauzügen der Deutschen Bahn. Sie setzt seit Dezember 2012 auf einigen wichtigen Regionallinien in Berlin und Brandenburg statt Doppelstockwagen einstöckige Triebzüge des Herstellers Bombardier ein. Sie können zwar theoretisch zu längeren Zügen gekoppelt werden, verfügen aber nach DBV-Berechnungen selbst bei der maximal möglichen Länge über zu wenig Platz für die Zukunft. „Die Talent-2-Triebzüge bieten kaum Möglichkeiten, auf die weiter ansteigende Fahrgastnachfrage im Raum Berlin und seinem näheren Umland zu reagieren“, kritisierte der DBV-Landesverband am Freitag. „Stattdessen wird es in Zukunft in den Spitzenzeiten noch enger in den Zügen werden.“ Vor allem auf der Linie RB14 in Richtung Nauen sei das schon heute ein Problem.