Bahnverkehr

Zugverbindungen Berlin-Polen schlechter als vor 40 Jahren

Europaabgeordnete haben das Bahnnetz in Deutschland und Polen inspiziert. Sie kommen zu einem vernichtenden Urteil: Die grenzüberschreitenden Verbindungen seien schlechter zu Zeiten des Kalten Krieges.

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Zweieinhalb Stunden bis nach Stettin (Szczecin), mehr als fünf Stunden bis nach Breslau (Wroclaw) – mit dem Zug von Berlin ins Nachbarland Polen zu fahren, ist eine zeitraubende und oft auch beschwerliche Angelegenheit. Schon seit Jahren mahnt daher der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) mehr Investitionen von der Bundesregierung und der Deutschen Bahn an.

Rückendeckung für seine Forderungen hat VBB-Chef Hans-Werner Franz jetzt vom Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments erhalten. „Der Zustand der grenzüberschreitenden Bahnverbindungen ist schlechter als zu Zeiten des Kalten Krieges“, stellte der Verkehrsexperte der Grünen, Michael Cramer, am Mittwoch nach einer Inspektionsreise durch Deutschland und Polen fest. Cramer erinnerte daran, dass etwa der „Fliegende Schlesier“ vor dem Zweiten Weltkrieg die Strecke Berlin–Breslau noch in zweieinhalb Stunden zurücklegte. Auch würde die Bahn das Angebot stetig ausdünnen. Gab es 1972 noch täglich 18 Zugpaare im grenzüberschreitenden Fernverkehr, sind es laut Cramer aktuell nur noch sechs. „Nach Kattowitz kommt man nur noch mit dem Nachtbus vom ZOB“, sagte der Berliner CDU-Europaabgeordnete Joachim Zeller.

Die EU-Parlamentarier forderten von den Regierungen in Deutschland und Polen mehr Einsatz zur Lösung der Probleme. So könnte etwa die Fahrzeit von Berlin nach Stettin auf 90 Minuten sinken, wenn 30 Kilometer Strecke im Grenzgebiet elektrifiziert werden würde. Beide Länder haben dies 2012 auch beschlossen, doch fertiggestellt werden soll die Verbindung frühestens 2017.