S-Bahn-Ausschreibung

Internationales Interesse an der Berliner S-Bahn

Die Deutsche Bahn hat im Wettbewerb um den Betrieb auf dem Ring harte Konkurrenz. Konzerne aus England und China sind in das Vergabeverfahren eingestiegen. Die Entscheidung soll Ende 2014 fallen.

Foto: Massimo Rodari

Das Interesse an der Berliner S-Bahn reicht weit. Nach Informationen der Berliner Morgenpost haben zum Bewerbungsschluss am Montag mehrere internationale Konzerne beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) ihre Unterlagen eingereicht. Sie bekunden damit ihr Interesse, von Ende 2017 an den Betrieb auf einem Drittel des S-Bahn-Netzes zu übernehmen. Der britische Konzern National Express bestätigte die Teilnahme am Wettbewerb ebenso wie der in Hongkong ansässige Konzern MTR, der bereits Nahverkehrsnetze in England und Schweden betreibt.

Der Pariser Nahverkehrsbetreiber RATP hatte bereits im Voraus seine Teilnahme signalisiert. Unter den weiteren Bietern sind neben dem jetzigen Betreiber, der Deutschen Bahn (DB), auch mehrere Fahrzeughersteller. Die privaten deutschen Eisenbahnunternehmen hielten sich am Dienstag noch mit der Beantwortung der Frage zurück, ob auch sie ins Rennen um die S-Bahn eingestiegen sind. „Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu laufenden Vergabeverfahren“, sagte etwa Christoph Kreienbaum, Sprecher der Hamburger Hochbahn, die mit ihrer Tochter Benex am Betrieb auf mehreren Bahnnetzen außerhalb der Hansestadt beteiligt ist. Auch die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) lehnte eine Stellungnahme ab.

Der DB-Konzern macht hingegen kein Geheimnis daraus, dass er den lukrativen Milliardenauftrag behalten will. Die Berliner S-Bahn sei „ein Kerngeschäft“ des bundeseigenen Unternehmens, sagte ein Sprecher. Um die Chancen zu erhöhen, hat die Bahn nach Morgenpost-Informationen mit verschiedenen Tochterunternehmen gleich mehrere Angebote eingereicht. Offiziell gab es dazu keine Stellungnahme. Ein hochrangiger Bahn-Manager bestätigte aber: „Der Bahnkonzern hat sich in verschiedenen Konstellationen beworben.“

Selbstbewusste Konkurrenz

Leicht dürfte es für den bisherigen Betreiber aber nicht werden. Die Konkurrenz kann mit Erfahrungen aus anderen Metropolen punkten und gibt sich entsprechend selbstbewusst. „Wir haben in London und Stockholm gezeigt, dass wir die Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit deutlich steigern können“, sagte MTR-Europachef Jeremy Long dieser Zeitung. „Und wir würden uns freuen, die Gelegenheit zu bekommen, dasselbe in Berlin zu tun.“ Pikant dabei: Den oberirdischen Schienennahverkehr im Großraum London betreibt MTR zusammen mit einer Tochter des DB-Konzerns.

Von Herstellerseite gehen der kanadische Konzern Bombardier und ein Konsortium von Siemens und Stadler ins Rennen. Sie würden Entwicklung, Herstellung und Wartung der neuen S-Bahnen übernehmen und mit Verkehrsunternehmen kooperieren, die den Fahrbetrieb organisieren würden. Bombardier-Sprecher Immo von Fallois bestätigte, dass entsprechende Gespräche bereits laufen. Nicht zuletzt für die 3000 Bombardier-Mitarbeiter im Großraum Berlin habe die Teilnahme am Wettbewerb eine „positive Signalwirkung“.

Ein Verkehrsunternehmen, das sich eine Kooperation mit einem Fahrzeughersteller durchaus vorstellen könnte, ist National Express, wie Deutschland-Chef Tobias Richter dieser Zeitung bestätigte. „Für uns sind viele Konstellationen denkbar“, sagte er. Die deutsche Tochter habe beim Rennen um die Berliner S-Bahn die „volle Rückendeckung“ des britischen Konzerns, versicherte Richter. Zugleich zeigte er sich verwundert über das dreistufige Wettbewerbsverfahren, das bereits mehrere Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurückliegt. „Ich habe noch kein Verfahren erlebt, das schon in der Anfangsphase so schwierig war“, sagte Richter.

Am Montag endete nach mehreren Verschiebungen die Bewerberfrist für die erste Stufe des Wettbewerbs. Der VBB bestätigte, dass „zahlreiche Angebote“ eingegangen seien. Der Verbund will die Bewerberunterlagen nun prüfen. Danach folgen zwei Runden, in denen die jeweils ausgewählten Unternehmen nach Verhandlungen mit dem VBB ihre Angebote einreichen müssen. Nach aktuellen Planungen soll der Auftrag Ende 2014 erteilt werden. Ende 2017 soll der Gewinner den Betrieb auf der Ringbahn und drei Zubringerstrecken für 15 Jahre übernehmen. Bereits jetzt steht fest, dass die benötigten knapp 400 neuen Wagen, die der künftige Betreiber beschaffen muss, nicht rechtzeitig gebaut werden können. Alte S-Bahnen, deren Betriebserlaubnis 2018 endet, sollen für eine befristete Einsatzverlängerung umgebaut werden.