Schienenverkehr

Bahn investiert – Bahnreisen ab Berlin werden schneller

Die Deutsche Bahn investiert rund 1,3 Milliarden Euro in Brandenburg. Bahnreisen von Berlin an die Ostsee und nach Dresden werden bald weniger als zwei Stunden dauern.

Foto: Marc Tirl / dpa

Die Deutsche Bahn will bis Ende 2017 etwa 1,3 Milliarden Euro in das Schienennetz und die Bahnhöfe Brandenburgs investieren. Davon entfielen auf das laufende Jahr etwa 270 Millionen Euro, sagte Vorstandschef Rüdiger Grube am Montag in Cottbus.

„Der Standort Brandenburg ist für uns außerordentlich wichtig, auch im Hinblick auf den Verkehr nach Osteuropa“, betonte er beim dritten märkischen Bahngipfel. Die Bahn wolle zudem pünktlicher werden. Sie beschäftigt in Brandenburg 7520 Mitarbeiter und ist hier einer der größten Arbeitgeber.

Allein 92 Millionen Euro sollen in die weitere Modernisierung von Brandenburger Bahnhöfen gesteckt werden, kündigte Grube an. Darunter fließen 23 Millionen Euro von 2014 an in den seit langem angekündigten Ausbau des Cottbuser Hauptbahnhofes. „Bereits jetzt sind 267 der 313 märkischen Bahnhöfe stufenfrei, das ist Platz drei in Deutschland“, bemerkte Grube.

Fahrzeit nach Dresden soll sogar unter 100 Minuten betragen

Vor dem Abschluss stehen laut dem Bahn-Chef die Bauarbeiten an der derzeit teilweise gesperrten Bahnstrecke zwischen Berlin und Rostock. Vom 9. Juni an sollen die Züge dort zunächst eingleisig durchgehend fahren, ab Dezember zweigleisig. Nach dem Ausbau können die Züge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160 Kilometern pro Stunde fahren, dadurch soll sich die Reisezeit von Berlin an die Ostsee auf unter zwei Stunden verringern.

Grube kündigte weitere Bauvorhaben an. So soll die Strecke zwischen Wünsdorf und Elsterwerda in Sachsen auf Tempo 200 ausgebaut werden. Ziel ist es, dass sich die Fahrzeit im Fernverkehr zwischen Berlin und Dresden um fast eine halbe Stunde auf dann etwa 100 Minuten verringert. In Brandenburg müssen dafür noch 21 Bahn-Übergänge beseitigt werden, die bei der künftigen Geschwindigkeit nicht mehr zulässig sind.

Die Bündnisgrünen im Potsdamer Landtag kritisierten dennoch die aus ihrer Sicht mangelnde Investitionsbereitschaft der Bahn AG in Brandenburg und sprachen von einer falschen Prioritätensetzung.

„Die Deutsche Bahn beschäftigt sich mit Luxusproblemen am Berliner Hauptbahnhof, während Brandenburger Bahnhöfe verrotten“, sagte der verkehrspolitische Sprecher Michael Jungclaus. „Mit Bahnhofsruinen, der Vielzahl von Langsamfahrstellen in Brandenburg und der Unpünktlichkeit im Regionalverkehr sind kaum neue Kunden zu gewinnen“, so der Wortlaut in einer Mitteilung.

Dagegen sagte der verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag Brandenburg, Rainer Genilke, zum Bahngipfel, der Bund als Gesellschafter der Bahn habe ein wichtiges Signal für Cottbus und die Lausitz auf Grün gesetzt. Genilke begrüßte die Investition der Bahn. Und: „Mit dem verstärkten Zugverkehr zwischen Cottbus und Polen ist dies eine weitreichende Entscheidung für die Lausitz.“ Durch Cottbus allein fahren bis zu 7500 Güterzüge im Jahr zwischen Polen und Deutschland – Tendenz steigend.

Tempo-70-Nadelöhr beseitigt

Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) sagte, das Land habe jetzt den zweigleisigen Ausbau des Bahnabschnitts Cottbus–Lübbenau für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet. Dort war das zweite Gleis nach Kriegsende 1945 als Reparationsleistung abgebaut worden. Die Strecke Cottbus–Berlin war bis Herbst 2011 für Tempo 160 ausgebaut worden.

Seit dem Wochenende sei auch ein kurzer Abschnitt bei Bestensee (Dahme-Spreewald), wo wegen eines Moors unter den Gleisen nur mit Tempo 70 gefahren werden konnte, wieder normal befahrbar. Mit weiteren Investitionen etwa in die Bahnhöfe Velten, Potsdam Pirschheide und Griebnitzsee sowie Erkner könnte der Regionalverkehr noch deutlich attraktiver werden, so Vogelsänger weiter. Als notwendig bezeichnete der Minister den Bau einer Brücke über die Wetzlarer Bahn bei Seddin oder den Ausbau der Kremmener Bahn.

Wie Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) berichtete, sei die Perspektive des Fahrzeuginstandhaltungswerkes in Cottbus gesichert. „Es gibt eine Existenzgrundlage für das Werk, keiner der Beschäftigten wird entlassen“, sagte er. In dem Bahnwerk, wo rund 690 Mitarbeiter beschäftigt sind, werden vor allem Dieselloks instand gesetzt und Radsätze aufgearbeitet. Wegen sinkender Aufträge sollen 50 bis 70 Mitarbeiter andere Aufgaben im Konzern übernehmen.