Neuer Sound an der East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain: Am „Yaam-Club“, wo normalerweise harte Beats hämmern und die Bässe dröhnen, erklang am Sonntagnachmittag leicht-beschwingte Tanzmusik.

Bis in den Abend wollten auf Einladung des „Bündnisses East Side Gallery“ mehrere Bands am „Yaam“ auftreten, um unter dem Motto „We’ll swing the ugly spook away!“ (auf Deutsch: Wir werden den hässlichen Spuk wegtanzen) gegen die Bebauung des ehemaligen Grenzstreifens zu demonstrieren. Der Protest richtete sich insbesondere gegen die beiden Bauvorhaben nur wenige Hundert Meter vom „Yaam“ entfernt.

Private Investoren planen, unmittelbar zwischen dem von Künstlern bemalten Mauerabschnitt und dem Spreeufer ein 60 Meter hohes Wohnhaus sowie einen 120 Meter langen Hotelkomplex zu errichten. Auf Widerstand stößt auch, dass zur Erschließung der Neubauten an mehreren Stellen Originalteile der East Side Gallery demontiert wurden und zugunsten von Zufahrten am Ende ganz verschwinden sollen. „Wir werden weiter mit aller Kraft gegen die Baupläne kämpfen“, sagte Jordi Perez vom „Bündnis East Side Gallery“.

Die Galerie an der Mühlenstraße sei ein weltweit bekanntes Symbol für die friedliche Überwindung von Grenzen und ein buntes Miteinander aller Menschen. „Um dies zu erkennen, muss man überhaupt erst einmal die massive Wucht wahrnehmen, mit der die Mauer einst die Welt in Ost und West teilte“, so Perez. Die nun direkt an der Mauer errichteten Gebäude würden „den Eindruck des geteilten Himmels“ zerstören. „Die Symbolkraft der East Side Gallery geht so verloren“, befürchtet Perez. Das Bündnis fordert den Senat auf, die East Side Gallery der Unesco für die Weltkulturerbe-Liste vorzuschlagen und sie damit dauerhaft unter Schutz zu stellen.

Nächste Protestaktion bereits geplant

Nur wenige Meter von der provisorisch errichteten Bühne für die Swing-Musiker war derweil zu sehen, wie groß die Anziehungskraft der East Side Gallery noch immer ist. Trotz der Nachmittagshitze pilgerten Hunderte Berlin-Besucher an der Mühlenstraße entlang, um sich die während und unmittelbar nach dem Mauerfall von Künstlern aus aller Welt bemalten Teile der DDR-Grenzmauer anzusehen. Teilweise schon bis zu zwei Mal sind die großflächigen Wandgemälde restauriert oder neu aufgetragen worden. Viele Bilder sind allerdings längst wieder übersät von Kritzeleien.

Der Konflikt um die Lücken in der Mauergalerie geht derweil weiter. Nach einem im März erzielten Kompromiss soll es nur noch eine einzige Zufahrt für die beiden Baugrundstücke an der Mühlenstraße 60 bis 63 geben. Die Investoren wollen für ihr Einlenken ihre Bauten aufstocken. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg lehnt dies strikt ab. Nun soll es am 17. Juli ein Treffen mit den Investoren in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geben.

Am kommenden Sonnabend (13. Juli 2013) ist die nächste Protestaktion geplant: Mehrere Initiativen haben aus Anlass des Bürgerentscheids zur Bebauung des Spreeufers vor fünf Jahren zu einer Demonstration aufgerufen (13 Uhr, Start am Stralauer Platz). Fast 87 Prozent der Teilnehmer an der Abstimmung hatten sich damals gegen Hochhausbauten und für ein frei zugängliches Spree-Ufer ausgesprochen. „Wir wollen, dass die Politik die Bürgerrechte ernst nimmt“, sagte Robert Muschinski von der Initiative „Mediaspree versenken“.

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