14 neue Brücken, 25 Kilometer Straßen, doppelt so viele öffentliche Grün- und Freiflächen wie noch vor 20 Jahren, 46 Hektar insgesamt sind es jetzt – die Bilanz zum Regierungsviertel kann sich sehen lassen. Bebauungspläne, Ideenwettbewerbe und archäologische Grabungen prägten die Entwicklung des Viertels in den vergangenen zwei Jahrzehnten.
„Es wurden nicht nur Ministerien gebaut und Menschen untergebracht, sondern wir haben damit einer jungen Hauptstadt ein Gesicht gegeben. Und wir haben auch einer Demokratie im
21. Jahrhundert ein Gesicht gegeben. Mit Bestandsbauten und viel neuer zeitgenössischer Architektur, die Offenheit ausstrahlt und sich auch nicht vor Repräsentativität fürchtet. „Das ist eine gewaltige Leistung“, sagte Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher.
Eine halbe Milliarde Euro wurden bislang in Planung, Entwicklung und Infrastruktur des Gebiets investiert. „Das Regierungsviertel hat sich zu einem Besuchermagneten Berlins entwickelt, es ist ein Ort im Herzen Berlins geworden, der die Menschen anzieht“, sagte Lüscher am Donnerstag anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der „Entwicklungsmaßnahme Hauptstadt Berlin – Parlament- und Regierungsviertel“. Mit der Verordnung wurde rund zwei Jahre nach dem 1991 von der Bundesregierung gefassten Beschluss die Voraussetzung für die Neugestaltung Berlins als deutsche Hauptstadt geschaffen.
Haus der Zukunft geplant
Längst sind noch nicht alle Bauprojekte für die Hauptstadt vollendet. So plant die Bundesregierung in der Nähe des Hauptbahnhofs beispielsweise noch ein „Haus der Zukunft“, ebenso sind dort noch Hotels und Büros im Entstehen. Zukunftsmusik ist auch noch die geplante Änderung der Straßenführung vor dem Bundeskanzleramt. Während der Verkehr in Richtung Norden momentan durch das Forum mit den Wasserspielen geführt wird, soll der Autoverkehr künftig weiter östlich rollen: über die Otto-von-Bismarck-Allee, Konrad-Adenauer-Straße, Kappelleufer und Rahel-Hirsch-Straße. Noch laufen die Endabstimmungen mit allen Beteiligten, wie die Planer betonen. Allerdings hoffen sie, bereits 2014 mit dem Rückbau der jetzigen Straße beginnen zu können. Sie soll von jetzt vier auf zwei Spuren verkleinert werden und nur noch zehn Meter breit sein. Die Moltkebrücke werden dann nur noch Anlieger des Kanzleramts sowie Radfahrer und Fußgänger nutzen können.
Zu den weiteren Planungen gehört, dass das Arbeits- und Sozialministerium erweitert werden soll, ebenfalls das Bildungsministerium. Aktuell gibt es 11.132 Vollzeitstellen der Bundesregierung in Berlin, in Bonn sind es derzeit nur noch 7109. Ein Großteil der in Bonn verbliebenen Mitarbeiter gehört zum Verteidigungsministerium (1435), zum Ressort Forschung und Bildung (664), zum Verbraucherschutz (653) und zum Entwicklungshilfedienst (515).
Auch wenn noch nicht alle Bauten für die Regierungsmitarbeiter in Berlins Mitte fertig sind, die Erschließung und Entwicklung des Gebiets immerhin ist zu 80 Prozent abgeschlossen. 500 Millionen Euro wurden dafür investiert. 474 Einzelprojekte mussten umgesetzt werden. Darunter sind nur vereinzelt auch Hochbauten wie die Schule an der sogenannten „Schlange“ mit den Neubauwohnungen, die für die Beschäftigten der Bundesregierung gebaut wurden. Insgesamt wurde eine Fläche entwickelt, die der Größe von 365 Fußballfeldern entspricht: Sie ist 260 Hektar groß. Zu den offenen Vorhaben zählte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher die Gestaltung von Freiflächen, etwa um das künftige Berliner Schloss sowie beim sogenannten „Luisenblock“ am Spreebogen oder die Gestaltung am Petriplatz. Für den Bund, das Land Berlin und für die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK), die die Projekte betreut, haben sich die Erwartungen an die Integration von Parlament, Ministerien, Botschaften und Verbänden in die wiedervereinte Stadt Berlin erfüllt. DSK-Projektleiter Andreas Kniewel sagte, die Aufgabe sei in der mehr als 55-jährigen Geschichte seines Unternehmens das Highlight. Schließlich handele es sich um das „bedeutendste städtebauliche Projekt der letzten
20 Jahre in der Bundesrepublik Deutschland“. Drei Jahre werde es noch etwa dauern, bis die letzten Projekte fertig seien. „Gemeinsam ist es in den vergangenen 20 Jahren gelungen, an der Nahtstelle von Ost und West, mitten im Herzen von Berlin, ein einheitliches Ganzes zu schaffen“, sagte Günther Hoffmann, Ministerialdirektor im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Während der Bund sich mit 64 Prozent an den Kosten für die Entwicklung des Regierungsviertels beteiligt, zahlt Berlin 36 Prozent.
In der Frage, wo das künftige Besucherinformationszentrum des Reichstags gebaut wird, sind noch keine Entscheidungen getroffen worden. Die provisorischen Container vor dem Baudenkmal sollen aber aufgegeben werden. Laut Günther Hoffmann, Ministerialdirektor im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, sind sie dem Bundestag und der Stadt Berlin nicht angemessen: „In der nächsten Legislaturperiode werden die Bundestagsabgeordneten über die Varianten beraten.“
Varianten für Besucherzentrum
Die Bandbreite der Vorschläge, die gerade zusammengestellt werden, ist nach Auskunft von Hoffmann groß. Auch Sicherheitsfragen, wie man am besten in den Reichtag hineinkommt, müssen dabei geklärt werden. Geplant seien auch Schulungs- und Aufenthaltsräume. Zu den Kosten wollte sich Hoffmann nicht weiter äußern. Nur soviel: 100 Millionen Euro könne eine reduzierte Variante kosten.
Das Ergebnis der Arbeit wurde in einem Buch zusammengefasst. Es ist erhältlich bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung oder kann im Internet heruntergeladen werden: www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/hauptstadt/entwicklungsmassnahme




