Die Polizei hat es offenbar mit einer neuen Serie von Diebstählen zu tun, bei der die Täter äußerst brutal vorgehen, zugleich aber relativ erfolglos sind. Innerhalb von nur drei Tagen haben Unbekannte in Kreuzberger Postbankfilialen zwei Geldautomaten gesprengt und es bei einem weiteren versucht.

Durch die Detonationen wurden die in den Automaten eingebauten Farbpatronen ausgelöst und in der Folge die erbeuteten Geldscheine stark beschädigt. Die Täter dürften also nur wenig Freude mit ihrem Diebesgut haben. Auch wenn die Polizei offiziell nicht von einer Serie spricht, räumte ein Sprecher am Donnerstag ein: „Es gibt Anzeichen, die auf einen Zusammenhang hindeuten.“

Die jüngste Tat ereignete sich am frühen Donnerstagmorgen in einer Postbankfiliale an der Bergmannstraße. Gegen 4.20 Uhr wurden Anwohner durch einen lauten Knall aus dem Schlaf gerissen. Kurz darauf setzte eine Alarmanlage ein. Als die Mieter aus dem Fenster schauten, sahen sie Qualm aus der Bankfiliale dringen und drei Personen wegrennen. Die mutmaßlichen Täter stiegen in einen Wagen und flüchteten in Richtung Baerwaldstraße.

Täter ließen Geld zurück und flüchteten

Wie sich herausstellte, hatten die Täter kurz zuvor einen der beiden im Vorraum der Filiale aufgestellten Geldautomaten gesprengt. Die Filiale ist in diesem Bereich 24 Stunden lang geöffnet, sodass das Trio sein Vorhaben relativ leicht in die Tat umsetzen konnte. Mit dem Ergebnis waren die Täter aber wohl nicht zufrieden. Sie ließen einen Großteil des Geldes in der Bank zurück, vermutlich, weil es durch die ausgelöste Farbbombe unbrauchbar geworden war.

Selbst die weniger beschädigten Scheine hätten die Täter nicht verwenden können, ohne damit aufzufallen. 20 Minuten nach dem Anschlag ging bei Polizei und Feuerwehr ein weiterer Notruf aus dem benachbarten Neukölln ein, nachdem Anwohner des Maybachufers einen brennenden BMW bemerkt hatten. Durch die Hitzestrahlung waren bereits ein daneben geparkter Opel sowie mehrere Bäume in Mitleidenschaft gezogen worden.

Die Rettungskräfte löschten den Brand und übergaben den Wagen Kriminalbeamten, die darin weitere mit Farbe beschmutzte Geldscheine fanden. Bei dem Fahrzeug handelte es sich offenbar um das Fluchtfahrzeug der Diebe, die sich wohl in einer ziemlich ausweglosen Situation befunden haben müssen. Ermittlungen ergaben, dass der BMW vor zwei Wochen in Berlin gestohlen worden war.

Geldautomaten sollen fester in der Wand verankert werden

Vermutlich dieselben Täter vom Donnerstag hatten erst drei Tage zuvor einen Anschlag auf einen Geldautomaten in der Postbankfiliale an der Bergmannstraße verübt, wie Postbank-Sprecher Rüdiger Grimmert am Donnerstag bekannt gab. Allerdings gelang es ihnen nicht, den Automaten zu sprengen. „Die Sprengladung war zu gering“, so Grimmert.

In derselben Nacht suchten sich die Unbekannten dann offenbar ein anderes, nahe gelegenes Ziel und schlugen gegen 4.15 Uhr in der Postbankfiliale am Halleschen Ufer in Kreuzberg zu. Auch dieses Mal platzte bei der Detonation die Farbpatrone und beschädigte das Geld im Automaten. Zeugen beobachteten kurz darauf, wie drei dunkel gekleidete Personen in ein Fahrzeug stiegen und über die Großbeeren- in Richtung Obentrautstraße flüchteten.

Ob es Videoüberwachungsmaterial gibt, das die Täter zeigt, blieb am Donnerstag unklar. Nach Angaben von Rüdiger Grimmert werde nun geprüft, ob man sich durch bauliche Maßnahmen – wie etwa eine festere Verankerung der Geldautomaten in der Wand – vor ähnlichen Taten schützen könne.

Seit Monaten ähnliche Straftaten in Berlin

Bei der Sprengung am Donnerstag war ein weiterer Automat zerstört worden. Außerdem wurde der Innenraum der Bank so stark beschädigt, dass die Filiale am Donnerstag geschlossen bleiben musste. Ob sie an diesem Freitag wieder öffnet, war am Donnerstagabend noch unklar. Die Postbank bittet ihre Kunden, gegebenenfalls auf andere Geldautomaten auszuweichen.

Die Polizei ermittelt wegen schweren Diebstahls und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. Die Beamten prüfen auch, ob es Zusammenhänge zu weiteren Taten gibt. Immer wieder machen sich Diebe mit brachialer Gewalt an Geldautomaten zu schaffen. Nicht selten werden sie dabei von geplatzten Farbpatronen überrascht.

Im April brachen Diebe in Haselhorst zunächst die Tür einer Apotheke auf, um in das Einkaufszentrum an der Straße Am Juliusturm zu gelangen. Dann rissen sie einen Geldautomaten aus seiner Verankerung und knackten ihn. Durch einen Sicherheitsmechanismus wurde dabei rote Farbe auf das Geld und vermutlich auch auf die Täter gesprüht.