Nachdem in den vergangenen Wochen zahlreiche Überfälle auf Bankkunden verübt wurden, kann die Polizei jetzt endlich einen Fahndungserfolg vermelden. In Wilmersdorf nahmen Fahnder am Dienstag gegen 18 Uhr einen dringend tatverdächtigen 28 Jahre alten Mann fest. Dem Tatverdächtigen werden inzwischen insgesamt elf Raubtaten vorgeworfen, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch.
Der mutmaßliche Serientäter ging immer nach dem gleichen Schema vor. Er beobachtete bevorzugt in den Abendstunden ältere Menschen, die sich in SB-Bereichen von Banken an Geldautomaten mit Bargeld versorgen wollten, und bedrohte seine Opfer mit einer Pistole, raffte die Scheine zusammen und flüchtete. Vor zwei Wochen veröffentlichte die Polizei Fotos einer Überwachungskamera von dem Täter. Zuletzt hatte der Gesuchte am Montag in Charlottenburg zugeschlagen, nur einen Tag später konnten Kriminalbeamte der Direktion 4 den Verdächtigen in unmittelbarer Nähe eines Geldinstituts am Rüdesheimer Platz wiedererkennen und festnehmen. Der Festgenommene wurde am Dienstagnachmittag einem Richter vorgeführt, der ihm einen Haftbefehl verkündete.
Nach dem Zugriff in Wilmersdorf entdeckten die Beamten im Hosenbund des 28-Jährigen eine Spielzeugwaffe, die einer echten Pistole täuschend ähnlich sah. Am 6. Juni hatte die Polizei Bilder eines jungen schlanken, etwa 25 bis 30 Jahre alten und 1,70 bis 1,75 Meter großen Mannes mit der Bitte um Hinweise veröffentlicht. Außerdem stellte die Polizei eine Videosequenz von einem der Überfälle ins Internet. Zu diesem Zeitpunkt wurden dem Gesuchten erst vier Überfälle zugeordnet. Am 12. Mai hatte er abends in der Schöneberger Rheinstraße einen Mann überfallen und beraubt, am 19. und 27. Mai schlug der Serientäter jeweils in einer Sparkasse am Mariendorfer Damm zu, und am 26. Mai war ein 62-Jähriger am Oberhofer Weg in Lichterfelde dem Räuber zum Opfer gefallen.
Überfall auf Schmuckgeschäft
Die intensiven Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben rasch, dass der Mann weitaus öfter aktiv geworden sein musste. So wird dem 28-Jährigen nun auch ein Raubüberfall auf ein Schmuckgeschäft am Kurfürstendamm angelastet. Mit vorgehaltener Pistole hatte der Täter eine Angestellte bedroht und zum Öffnen der Kasse gezwungen. Dabei war der Räuber mit dem Tageseinnahmen in Höhe von mehreren Tausend Euro entkommen. Gleichzeitig hielt die Raubserie in den Foyers von Geldinstituten unvermindert an. Weitere Überfälle wurden etwa in der Nacht zum 7. Juni am Kaiserdamm in Charlottenburg und am 15. Juni am Mariendorfer Damm in Tempelhof angezeigt. Zwar konnte einen Tag später nach einem erneuten Überfall am Kaiserdamm im Lietzenseepark ein Räuber festgenommen werden. Doch der 39-Jährige erwies sich zur Enttäuschung der Ermittler nicht als der gesuchte Serientäter.
Die Glückssträhne des Täters riss erst am Montagabend bei der letzten Tat – wiederum am Kaiserdamm. Ein 49-Jähriger ließ sich von der Pistole des Räubers nicht einschüchtern, weigerte sich, das abgehobene Geld auszuhändigen, und wehrte sich. Es kam nach Polizeiangaben zu einer Rangelei, bei der beide Beteiligte zu Boden stürzten. Der Serienräuber musste ohne Beute flüchten, das Opfer rief die Polizei und erstattete Anzeige. Eine sofort eingeleitete Fahndung blieb zunächst erfolglos.
Kriminalbeamter rät dazu, Anweisungen bewaffneter Räuber zu befolgen
Sich zu wehren sei zwar nachvollziehbar, aber überaus gefährlich und auf keinen Fall zu empfehlen, warnte Kriminalhauptkommissar Christian Zorn vom Landeskriminalamt. Der Bankkunde habe sich damit in größte Gefahr begeben, der Täter hätte die Nerven verlieren, die Waffe hätte auch echt sein können. „Wenn es zu einer Raubtat kommt, sollten Anweisungen von bewaffneten Tätern unbedingt befolgt werden“, riet der Kripobeamte. Darauf zu spekulieren, dass ein Räuber möglicherweise mit einer Schreckschusswaffe droht, könne zu einem tödlichen Fehler werden.
Der Kriminalbeamte schlägt vielmehr vor, durch umsichtiges Verhalten die Wahrscheinlichkeit eines Überfalls zu reduzieren. „Der beste Zeitpunkt zum Geldabheben sind zunächst einmal die Zeiten, an denen die Bankschalter besetzt sind. Abend- und Nachtstunden sollten nach Möglichkeit gemieden werden“, sagte Christian Zorn. Wenn es nicht anders gehe, sollte das Geldabheben wenigstens in den Vorräumen der Banken erfolgen, weil diese zumeist mit Videokameras überwacht werden und für den Täter das Entdeckungsrisiko deutlich größer ist.
Lieber keine Geldautomaten an Hausfassaden nutzen
Geldautomaten, die unmittelbar in Hausfassaden eingelassen und von Gehwegen aus zugänglich sind, sollten besonders nachts nicht genutzt werden. Hilfreich sei zudem, den gesamten Vorgang möglichst kurz zu halten. „Das Nachzählen des erhaltenen Geldes sollte man unterlassen, erst recht, wenn es Zuschauer gibt“, riet der Kripobeamte.
Ohnehin sollten Bankautomatennutzer stets bewusst mit der Situation umgehen und das Umfeld mit offenen Augen beobachten. Wenn einem eine Situation, ganz gleich warum, als bedrohlich erscheint, sollte sicherheitshalber eine andere Filiale aufgesucht werden. Der beste Schutz vor Überfällen beim Geldabheben sei jedoch, sich von einer oder gar mehreren Vertrauensperson begleiten zu lassen. Insbesondere dann, wenn eine größere Bargeldsumme abgehoben werden soll, sagte der Kriminalhauptkommissar.


