Asyl

Neues Asylheim in Westend

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Brigitte Schmiemann

In Westend hat der Betreiber des neuen Asylbewerber-Heims die Nachbarschaft eingeladen, um sich vorzustellen und Ängste abzubauen. Die Hälfte der Heim-Bewohner sind Kinder und Jugendliche.

Um mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen, hat der Betreiber der neuen Notunterkunft für Asylbewerber an der Soorstraße 83 in Westend am Mittwochabend zu einem Informationstreffen eingeladen. Das Gebäude, in dem inzwischen die ersten 58 Menschen eingezogen sind, stand jahrelang leer. Das Hauptzollamt war der letzte Mieter. Jetzt wohnen dort Menschen aus Syrien, Tschetschenien, Afghanistan, Bosnien und Herzegowina, aus Vietnam und Pakistan.

Die Hälfte der Asylbewerber sind nach Auskunft von Heimleiterin Suada Dolovac Kinder und Jugendliche. Trotzdem gibt es Vorbehalte in der Nachbarschaft gegen die Einrichtung. Heimleiterin Dolovac wünscht sich deshalb, dass die Nachbarn wissen, dass sie jederzeit mit Fragen, Ängsten oder Sorgen kommen können. Sie hat von Anwohnern gehört, die Unterschriften gegen das neue Asylbewerberheim gesammelt haben.

Es gebe aber auch Unterstützer. Dazu gehören beispielsweise die Grünen. „In unserem Bezirk und auch in der unmittelbaren Nachbarschaft ist eine große Bereitschaft bei vielen Einzelnen wie Verbänden, Kirchen, Vereinen unn Initiativen vorhanden, unseren Wohlstand mit jenen zu teilen, die Schutz für sich und ihre Kinder bei uns suchen“, sagte Nadia Rouhani, Vorsitzende des Ausschusses für Integration in der BVV und Mitglied im Kreisvorstand der Grünen.

Auch Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU)

Noch ist der Heimbetreiber, die Gierso Boardinghaus Berlin GmbH, an der Soorstraße in der Vorbereitungsphase. In Moabit, Steglitz und Spandau betreibt sie drei weitere Einrichtungen für Asylbewerber. Wenn das Haus in Westend voll belegt ist, wird es nach Auskunft der Heimleiterin 270 Plätze haben. „Wir haben überwiegend Ein- und Zwei-Bett-Zimmer. Das ist sehr schön“, berichtet Suada Dolovac. Duschen gebe es noch nicht genug im Haus. Es seien aber Container aufgestellt worden. Das funktioniere gut.

Nach Auskunft des Landesamtes für Gesundheit und Soziales fehlen in Berlin nach wie vor Plätze in langfristigen Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber. In Charlottenburg-Wilmersdorf war Anfang Mai die Einrichtung an der Wilmersdorfer Straße 67 mit 131 Plätzen aufgegeben worden. Der Hauseigentümer hat Neubaupläne. Außerdem soll nur noch bis Ende Juli die Rognitzstraße 8 in Westend mit mehr als 200 Plätzen zur Verfügung stehen. Momentan beherbergt Charlottenburg-Wilmersdorf in seinen Unterkünften 445 der 6079 Berliner Asylbewerber. Zu den Sorgen von Anwohnern, dass sich an der Soorstraße jetzt die Kriminalität erhöhen könnte, sagt auch die Senatsverwaltung für Soziales, dass es dazu keinen Grund gibt: Keine der Berliner Asyleinrichtung sei ein Kriminalitätsschwerpunkt.

Außerdem würden die Asylbewerber von ausgebildeten Fachleuten betreut. Asylbewerber verhalten sich nach Einschätzung von Silvia Kostner, der Sprecherin des für die Unterbringung zuständigen Landesamtes für Gesundheit und Soziales, regelkonform, da sie anerkannt werden und bleiben möchten. Sie würden sich deshalb in hohem Maße eingliedern wollen und für sich und ihre Kinder Ruhe finden wollen.