DDR-Prestigeprojekt

Investoren interessieren sich für Thälmann-Park in Berlin

Plattenbauwelt im Grünen: Aufgrund des knappen Wohnangebots denkt Pankow über eine Weiterentwicklung des Ernst-Thälmann-Parks nach. Anwohner des DDR-Prestigeprojekts befürchten, verdrängt zu werden.

430 Euro warm für drei Zimmer, Balkon, Blick auf den Fernsehturm, vor dem Haus Wiesen und ein Teich – und das mitten in Prenzlauer Berg. Was für viele Wohnungssuchende wie ein Traum klingt, ist für die meisten Mieter in den Plattenbauten im Ernst-Thälmann-Park im Norden des Szenebezirks real. Das DDR-Prestigeprojekt lag jahrelang im Dornröschenschlaf und überdauerte den Wandel der benachbarten Kieze zu besten Wohnlagen für Besserverdienende.

Doch die Veränderungen machen auch vor der einst sozialistischen Vorzeigewelt nicht halt. Es ist wie fast überall in Berlin: Längst haben Investoren das Potenzial der noch unbebauten Flächen entdeckt. Nun denkt der Bezirk Pankow, zu dem der Ortsteil Prenzlauer Berg gehört, angesichts des derzeit knappen Wohnungsangebots über eine Weiterentwicklung des riesigen Areals zwischen Danziger Straße, Prenzlauer Allee, S-Bahnring und Greifswalder Straße nach.

Alteingesessene Anwohner fürchten, verdrängt zu werden. Dabei ist die Plattenbauwelt, Anfang der 80er-Jahre für 4000 Bewohner gebaut, bereits neue Heimat für jene, die sich die Mieten im angrenzenden, durchsanierten Bötzow- oder Helmholtzkiez nicht mehr leisten konnten. Und sie ist ein Beispiel dafür, dass sich Alt-Berliner und Hinzugezogene gemeinsam in einer Anwohner-Initiative für ihren Kiez einsetzen können.

Pankows Grüne wollen Gegend zum Sanierungsgebiet erklären lassen

Wolfram Langguth wohnt dort schon mehr als zwei Jahrzehnte. Er zog bereits ein Jahr vor der Einweihung des Wohnparks 1986 mit seiner Familie in eine Fünf-Zimmer-Wohnung. Den Park habe er "noch in seiner schönsten Zeit kennengelernt". Heute läge überall Müll herum. Für Ende Juni organisiert er daher einen "Sommerputz". Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) würde die Gegend gern zum Sanierungsgebiet erklären lassen. Der Verfall des Areals sei deutlich sichtbar. Die einstige Kaufhalle und das Café seien schon lange geschlossen, viele Wohnungen müssten energetisch erneuert werden. "Veränderungen sind schon im Gang", sagt er.

Eine dieser Änderungen betrifft die 28.000 Quadratmeter große Fläche im Norden des Areals. Das heruntergekommene Gebiet an den S-Bahngleisen gehört einem Investor. Christian Gérôme will dort nicht, wie von den Anwohnern erdacht, einen neuen Stadtdschungel anlegen. Er will bauen: Eine "familienfreundliche, deutlich grüngeprägte Wohnanlage". Die Preise würden sich im "unteren-mittleren Segment" bewegen, natürlich abhängig von der Entwicklung der allgemeinen Baukosten. Die Anwohner befürchten dagegen den Bau von hochpreisigen Townhouses.

Unklar ist auch die Zukunft des 13 Meter hohen und 50 Tonnen schweren Denkmals für den kommunistischen Arbeiterführer Ernst Thälmann. Am Dienstag will Stadtrat Kirchner mit Anwohnern bei einem Workshop (17.30 Uhr, Wabe, Danziger Straße 101) in einem "demokratischen Prozess" herausfinden, wohin es mit dem Areal gehen soll. Die Frage ist: Mehr Grün oder mehr Wohnraum für den Bezirk?

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