Bund für Berlin

Bezirke wollen Kinderschutz durch frühe Hilfen verbessern

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Florentine Anders

Foto: Waltraud Grubitzsch / picture alliance / ZB

Der Bund für Berlin stellt 2,5 Millionen Euro für die Verbesserung des Kinderschutzes zur Verfügung. Mit dem Geld sollen vor allem frühe Beratungsangebote und Familienhebammen finanziert werden.

Frühe Hilfen für Neugeborene sollen in den Bezirken ausgebaut werden. Insgesamt 2,5 Millionen Euro stellt der Bund für Berlin zur Verfügung, um den Kinderschutz zu verbessern. Bundesweit werden 177 Millionen Euro verteilt, um frühe Beratungsangebote und Familienhebammen zu finanzieren, die in dem neuen Bundeskinderschutzgesetz vor anderthalb Jahren beschlossen wurden. Auslöser für das neue Gesetz waren Fälle wie Kevin in Bremen, der tot in der Kühltruhe gefunden wurde oder Lea-Sophie, die in Schwerin verhungerte. In beiden Fällen wurden die Familien vom Jugendamt betreut. In Berlin sorgte zuletzt der Fall Zoé im Januar 2012 für Schlagzeilen. Das zweijährige Mädchen starb an den Folgen von Misshandlungen. Noch am Vortag waren zwei Familienhelferinnen in der Wohnung der Mutter und des bereits kranken Kindes.

Für die sogenannten Frühen Hilfen wird jetzt das Bundesgeld nach Anzahl der neugeborenen Babys in den Bezirken verteilt, mit dem Ziel, die Angebote besser zu vernetzten. Denn es gibt zwar Krabbelgruppen, Stillberatung, Mutter-Kind-Treffen, doch oft haben nicht einmal die Jugendämter eine Übersicht über alle die Angebote. Das soll sich jetzt ändern. Dazu mussten die Bezirke Konzepte entwickeln. Pankow testet beispielsweise das Modellprojekt des Angebotslotsen für Frühe Hilfen.

Mehr Familienhebammen

Auch die Zahl der Familienhebammen soll erweitert werden. Bisher sind erst 15 dieser speziell qualifizierten Hebammen an den Familienzentren angesiedelt. Sie sollen Familien mit besonderem Beratungsbedarf nach der Geburt ein Jahr lang begleiten. Neben Hinweisen zur Pflege und Ernährung helfen sie dabei, den Tag zu strukturieren, das Wohnumfeld zu gestalten und in Erziehungsfragen. Bundesweit gibt es laut Familienministerium 1590 Familienhebammen. In Berlin beenden im Juni 20 Hebammen die Zusatzausbildung an der Alice-Salomon-Hochschule, ebenso viele sollen im August die Ausbildung beginnen.

Zudem kündigte Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch an, künftig die Zusammenarbeit zwischen Sozialamt und Jugendamt verbindlich vorzuschreiben. Bisher ist die Kooperation beim Kinderschutz nur zwischen Gesundheitsamt und Jugendamt verbindlich geregelt. Anstoß für diese Änderung habe ein konkreter Fall gegeben, bei dem ein Mann, der mit einer jungen Mutter zusammen wohnte, vom Sozialamt betreut wurde. Obwohl das Kindeswohl in dem Wohnumfeld gefährdet war, sei das Jugendamt nicht informiert worden. Ein verbindliche Kooperation soll nun gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales erarbeitet werden. „Es kann immer wieder Fälle im Leben geben, die noch nicht im Gesetz berücksichtigt sind“, sagt Scheeres. Deshalb sei es wichtig, die Strukturen immer wieder zu überprüfen. Zur besseren Information über Angebote und Ansprechpartner soll demnächst auch ein Internetportal zum Kinderschutz starten.