Neukölln

Die Stadtteilmutter hilft Einwanderern

Sirinan Akgün ist eine von 80 Frauen, die als Stadtteilmütter in Neukölln Einwanderfamilien unterstützen und coachen. Doch aufgrund ihrer Herkunft ist sie etwas ganz Besonderes im Team.

Foto: Amin Akhtar

Sirinan Akgün ist einzigartig. Sie ist die Einzige, die im Team der Neuköllner Stadtteilmütter Thai spricht, deswegen unterstützt sie momentan allein thailändische Familien in Neukölln. Akgüns Kolleginnen sind überwiegend arabisch- und türkischstämmig. „Es ist witzig, mit den anderen Stadtteilmüttern zu arbeiten. Normalerweise reden die untereinander viel Türkisch oder Arabisch – nur wenn ich da bin, müssen alle Deutsch reden!“ sagt die 40-Jährige und lacht.

Helferinnen müssen Kinder haben

Akgün zog 1991 aus Thailand nach Berlin. Einen Migrationshintergrund zu haben, ist eines der Kriterien, um Stadtteilmutter zu werden. Außerdem muss man selbst Kinder haben und Deutsch sprechen. Akgün hat – zusammen mit ihrem türkischstämmigen Ehemann – zwei Töchter, die 19 und 13 Jahre alt sind. „Normalerweise kann ich ganz gut nach der Arbeit abschalten und nur für meine Familie da sein“, erzählt sie. „Wenn meine Töchter im Bett sind versuche ich, mir auch etwas Zeit nur für mich zu nehmen.“

Denn schon früh am Morgen fängt Akgüns Arbeitsroutine wieder an. Zuerst kümmert sie sich um ihre eigene Familie, dann schnappt sie ihre Umhängetasche mit den Strichmännchen und einen roten Schal (die zwei Erkennungszeichen der Neuköllner Stadtteilmütter) und dreht ihre Runden, um Familien mit Erziehungs- und Integrationsproblemen zu helfen. 30 Stunden verbringen die Stadtfrauen jede Woche in Kitas, bei Elternstunden, in Einzelgesprächen mit Müttern, Gruppengesprächen mit Familien und bei wöchentlichen, mehrstündigen Teamgesprächen.

Suche nach Familien

„Manchmal arbeite ich auch noch alleine spät abends, wenn eine Mutter ein schwieriges Problem mit ihrem Kind hat und ich mich auf das nächste Treffen vorbereiten möchte.“ Solche Arbeitszeiten mindern Akgüns Spaß an ihrer Aufgabe aber nicht. Im Gegenteil: „Ich helfe Menschen. Das gefällt mir sehr. Außerdem lerne ich ständig etwas dazu.“

Schwierig wird es nur, wenn Akgün nicht genug Familien findet. Stadtteilmütter können nämlich nur in ihrem eigenen Kiez arbeiten, sollen aber jeden Monat zwei Familien betreuen. „Ich werbe viel und werde auch öfters weiterempfohlen. Aber diesen Monat habe ich nur eine Familie gefunden. Es gibt in Neukölln einfach nicht so viele thailändische Familien“, sagt Akgün.

Zusätzlich lehnen manche Mütter Akgüns Angebote ab. „Das kann ich nicht wirklich verstehen. Ich hätte mich früher gefreut, kostenlos Unterstützung bei den Ämtern oder Deutschkurse zu bekommen!“

Anstellung für ein Jahr

Das Projekt vom Diakonischen Werk läuft seit 2006 in Neukölln. Mittlerweile wurde es auch in weiteren Berliner Nachbarschaften und deutschen Städten eingeführt. In Neukölln sind die Arbeitsverträge der Kiezmütter aber immer nur Einjahresverträge. Akgün hofft, dass ihr Vertrag ein zweites Mal verlängert wird. „Ich bin optimistisch. Ich bin sehr engagiert und glaube, das sehen auch alle.“

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