Tierheim

Berlinerin führt als Tiermutter Welpen-WG auf Zeit

Manuela Opitz engagiert sich als Tiermutter im Berliner Tierheim. Die Tierarzthelferin zieht zwei Welpen auf, weil deren Mutter krank ist. Wenn sie vermittelt werden, heißt es: Abschied nehmen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Autofahren können sie schon. Mitfahren im Auto, um genau zu sein. Das haben die beiden Welpen gleich nach der Geburt gelernt. Fünf Wochen ist es her, dass der Tierarzt im Tierheim in Berlin-Falkenberg die Französischen Bulldoggen per Kaiserschnitt zur Welt brachte.

„Zu ihrer Mutter konnten wir sie nicht zurückgeben, sie hat ein entzündetes Gesäuge“, erzählt die Tierarzthelferin Manuela Opitz. In einem gewissen Sinne ist die gebürtige Pankowerin in ihre Rolle geschlüpft: als Tiermutter. Die 27-Jährige zieht die zwei auf. Namen hat sie schon vergeben: Itchy und Sratchy – sie stammen aus dem Homer-Simpson-Kosmos.

Insgesamt engagieren sich im Tierheim 30 Mitarbeiter und 190 externe als Pflegeeltern, sie umsorgen Jungtiere oder kranke alte Tiere. Für Frau Opitz heißt diese spezielle Mutterschaft, in den ersten beiden Wochen alle zwei Stunden die Flasche zu geben. Nacheinander. Jede Fütterung dauert bis zu 45 Minuten. Da bleibt wenig Zeit für Ruhe. Opitz sieht allerdings nicht erschöpft aus. Vermutlich, weil sie sich mit Beruf als Tierarzthelferin und Tiermutter-“Hobby“ einen Kindheitswunsch erfüllt hat. „Seit ich klein bin, wollte ich nie ins Büro, sondern immer etwas mit Tieren machen.“

Es könnte natürlich auch daran liegen, dass sie wieder zu mehr Schlaf kommt. Seit der dritten Woche muss Opitz „nur noch“ alle vier Stunden Aufzuchtmilch geben, dazu gewöhnt sie die Tiere mit „Starter Mousse“, einem Fleischbrei, langsam an feste Nahrung. Das geschieht auch nachts, und da Opitz im Tierheim weder nächtigt noch wohnt, kommen die Welpen mit zu ihr nach Hause, und zwar per Auto. Opitz’ Verlobter hat sich an die Tiermutterschaften gewohnt. „Er hat mich so kennengelernt“, sagt Opitz verschmitzt. Sie hat bereits andere Welpen gepflegt, außerdem Taubenbabys, Füchse und Eichhörnchen. Bei Opitz leben noch Hund Smilla und die Katzen Miss Marple und Joda. Alle kommen aus dem Tierheim, versteht sich.

„Wie die zwei aussehen, sind sie schnell vermittelt“

Smilla, ein anderthalb Jahre alter Chihuahua, stammt aus einer Sicherstellung. Sie wurde also ihren Haltern weggenommen. „Ich habe ihn danach bei uns gesehen, mich verliebt und mit nach Hause genommen. So geht das eben“, sagt Opitz lapidar. Smilla sei glücklich mit den beiden Neuzugängen. Was sie nicht weiß und was Manuela Opitz verdrängt, ist der temporäre Charakter dieser nächtlichen Wohngemeinschaft. „Sobald die Welpen acht Monate alt sind, kommen sie in die Vermittlung“, erklärt Opitz. Sie nimmt sie so lange mit nach Hause, bis sie sie – wahrscheinlich mit Tränen in den Augen – abgeben kann an neue Besitzer. Dienstags bis Sonntags von elf bis 16 Uhr können Interessenten übrigens alle Tierheimtiere ansehen und ein Tier nach Rücksprache mit der Verwaltung übernehmen.

Doch bis dahin muss Frau Opitz ihren Zöglingen noch einiges beibringen. Nach der Gewöhnung an andere Tiere und Menschen und Geräusche wie klappernde Töpfe und Staubsauger steht das Tragen eines Halsbandes ab der sechsten Woche auf dem Stundenplan. Nur stubenrein macht Opitz die Tiere nicht. „Das schaffe ich zeitlich nicht – ich überlasse es den neuen Herrchen oder Frauchen. So niedlich, wie die zwei aussehen, sind sie schnell vermittelt.“ Manuela Opitz seufzt. Mutterstolz macht Abschiede nicht leichter.

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