Nach Murmeltier-Tod

Berliner Zoo will sich besser um Tierpaten kümmern

Viele Tierpaten fühlten sich zuletzt vom Zoo brüskiert und beendeten ihre Patenschaft – besonders nachdem einige erst Monate später über den Tod „ihrer“ Tiere informiert wurden. Nun steuert der Zoo gegen.

Foto: Markus Heine / dpa

Zoo und Tierpark ordnen ihre Werbung für Patentiere neu. „Wir bauen gerade eine Datenbank für Sponsoring und Fundraising auf. Wir wollen mehr Kenntnis bekommen über die Wünsche derer, die sich bei uns engagieren. Dazu zählen auch die Paten für Zootiere“, sagt Zoo- und Tierpark-Geschäftsführerin Gabriele Thöne.

Im Sommer würden gezielt Postkarten gesteckt und Flyer verteilt. Inzwischen gebe es einen Protoentwurf für eine Patenzeitschrift, die zwei oder drei Mal im Jahr erscheinen und mit der Website des Unternehmens verbunden werde. „Wir wollen auf Patentiere und Veranstaltungen hinweisen und die Geschichte einzelner Paten vorstellen“, erklärte Thöne das Konzept.

Ziel sei auch, gezielte Aktionen zu planen und die Paten zu würdigen. Letzteres ist dringend nötig. Denn nach dem Tod aller Murmeltiere im Zoo zu Jahresbeginn hatten sich Paten der Tiere jüngst an die Öffentlichkeit gewandt: Sie waren monatelang nicht über das Schicksal „ihrer“ Patentiere informiert worden. 200 Euro kostet eine Patenschaft für Murmeltiere. Sie gilt für ein Jahr.

Zoo-Direktor Blaszkiewitz entscheidet über „Verpatung“

Künftig soll in allen Fällen, in denen Patentiere sterben oder den Zoo verlassen, die Kommunikation verbessert werden, kündigte Thöne an. Doch das ist nicht Sache von Thönes Abteilung, sondern fällt in die Zuständigkeit ihres Kollegen, Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz. Er entscheidet, welche Tiere „verpatet“ werden.

In der Regel sollen Paten durch sein Büro schriftlich oder telefonisch informiert werden, wenn „ihr“ Tier stirbt oder in einen anderen Zoo kommt. Sie sollen dann gefragt werden, ob sie ihr Engagement fortsetzen möchten. Zum Vergleich: Im Museum für Naturkunde kümmert sich eine Mitarbeiterin exklusiv um die Paten. Genauso ist es auch im Tierheim organisiert.

10.000 Euro für ein Nashorn oder eine Giraffe im Jahr

Als Bonus gibt es im Zoo für Paten, Spender und Aktionäre Anfang August 2013 wieder einen speziellen Abendtermin, an dem die Förderer hinter die Kulissen schauen können. Derzeit laufen in Zoo und Aquarium 557 Patenschaften, im Tierpark sind es 223. Der Einstiegspreis liegt bei 50 Euro pro Jahr – so viel kostet eine Patenschaft für einen Kleinsäuger. Richtig ins Geld geht eine Giraffe oder ein Nashorn – mit 10.000 Euro im Jahr.

Die Murmeltier-Paten waren übrigens nicht die einzigen, die sich brüskiert fühlten. Familie J. hat nach jahrelanger Vogelpatenschaft ihr Engagement ganz eingestellt, weil die Kinder just an einem Patenabend erfuhren, dass ihre Vögel tot waren. Auch Patin Anett S. hat ihre Patenschaft für ein Säugetier im Zoo nicht verlängert; sie engagiert sich stattdessen im Tierheim Berlin.

Dort kostet eine Patenschaft zehn Euro im Monat – und mehr. Für einen Affen etwa sind 100 Euro fällig. „Sollte ein Tier vermittelt werden oder sterben, kontaktieren wir die Paten und unterbreiten ihnen einen neuen Vorschlag. In der Regel wählen wir nur Tiere aus, die voraussichtlich länger bleiben, weil sie alt oder krank sind“, erklärte die Sprecherin des Tierheims, Stephanie Eschen.

180 Patenschaften im Tierheim Berlin

Momentan gibt es 180 Paten im Tierheim. 120 haben sich für einzelne Tiere entschieden, die übrigen 60 sind sogenannte Versorgungspaten, kümmern sich finanziell um Tiergruppen wie Meerschweinchen oder Kaninchen. „Die Paten bekommen eine Urkunde mit Bild und Logo für zuhause sowie an der Box bei uns, und sie sind im Internet unter Patentieren aufgeführt“, erklärte Eschen.

Zudem gibt es ein bis zwei Patentreffen pro Jahr, zusätzliche Besuche sind möglich. „Paten sind eine wichtige Finanzierungsquelle neben Mitgliedsbeiträgen und sonstigen Spenden“, sagt Eschen. „Wir versuchen, uns ganz doll um sie zu kümmern.“

Preiswerte Patenschaften im Berliner Naturkundemuseum

Wer Kummer über sterbende Tiere ganz vermeiden will, ist im Museum für Naturkunde auf der sicheren Seite. Die Tiere sind garantiert schon tot. Und manches Exponat – man denke nur an die Mineraliensammlung – hat noch nie gelebt. Außerdem sind die Patenschaften günstig. Ein Insektenkasten mit einem Schmetterling ist schon für 35 Euro zu haben.

Der Preis erklärt sich dadurch, das kein Futter zu zahlen ist. Lediglich der Holzrahmen müsse gelegentlich aufbereitet oder erneuert werden, sagte eine Sprecherin des Museums.


Zähne von Dinosauriern wie dem Brachiosaurus oder speziell dem Brancai, der es mit 13,27 Metern als größtes montiertes Dinosaurierskelett der Welt ins Guiness Buch der Rekorde geschafft hat, kosten ab 100 Euro aufwärts. Wer mehr Geld hat, kann mehr zahlen, zum Beispiel für Patenschaften aus der Säugetierabteilung: 3500 Euro kostet ein Fuchskusu. Dabei handelt es sich um einen Känguru-Verwandten aus Tasmanien. Ob Schmetterlinge, Spinnen in Alkohol oder präparierte Fische – 3500 Objekte sind im Museum für Naturkunde verpatet. Einzelne Paten haben ihren Namen mit bis zu 40 Objekten verbunden. Die Patenschaft im Museum für Naturkunde ist übrigens allein von der Lebensdauer des Paten und nicht des Tieres abhängig – anders als im Zoo.