Die Polizei hat am Donnerstagabend einen 23-Jährigen festgenommen, der am Freitag vor einer Woche einen acht Monate alten Säugling mit Medikamente getötet haben soll.

Der Mann hatte die Feuerwehr zur Wohnung der Mutter des Kindes in Spandau gerufen, da der kleine Junge kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Ein Notarzt konnte allerdings nur noch den Tod des Babys feststellen.

„Das Kind hat eine absolut tödliche Menge des Gifts in den Mund erhalten“, sagte der Sprecher der Anklagebehörde, Martin Steltner. Die Mutter war demnach zum Tatzeitpunkt nicht in der Wohnung. Gegen den Mann sollte noch am Freitag Haftbefehl wegen Verdachts des versuchten Totschlags ergehen.

Erste Untersuchungen hatten nicht auf ein Fremdverschulden hingedeutet. Doch die Obduktion am Donnerstag brachte ans Licht, dass das Kind an Morphium starb. „Das Motiv ist bislang nicht genau klar. Aber die Tat fand in einem schwierigen sozialen Umfeld statt“, sagte Steltner.

Neue Hinweise im Neuköllner Fall

Unterdessen laufen die Ermittlungen im Fall des vor drei Wochen in einem Altkleidercontainer in Neukölln gefundenen Säuglings weiter. Zwar seien weiterhin Hinweise eingegangen, eine heiße Spur sei aber nicht dabei, wie die Polizei am Freitag in Berlin sagte. Das getötete Mädchen war von Mitarbeitern einer Recyclingfirma entdeckt worden. Von den Eltern fehlt bislang jede Spur.

Einen Erfolg verbuchten die Ermittler dagegen bereits im Fall des dritten getöteten Babys in Hellersdorf. Nach einem intensiven Fahndungsaufruf – auch mit den Foto einer Babymütze – kamen die Beamten auf die Spur der Kindsmutter und ihres Lebensgefährten. Gegen die 20-Jährige und den 21 Jahre alten Mann war Haftbefehl wegen Totschlags durch Unterlassen ergangen.

Chantal in Hamburg starb an Methadon

Im Januar 2012 hatte ein Fall in Hamburg bundesweit Entsetzen gelöst. Dort war die elf Jahre alte Chantal bei ihren Pflegeeltern an die Heroin-Ersatzdroge Methadon gelangt. Sie starb an einer Vergiftung. Die Pflegeeltern waren als Drogensüchtige in einem Methadon-Programm.

Die Staatsanwaltschaft hatte beide Pflegeeltern wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht angeklagt. Das Landgericht eröffnete das Hauptverfahren aber nur gegen den Pflegevater – und zwar ausschließlich wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen.

Dem 53-Jährigen wird vorgeworfen, keine Hilfe geholt und die Wohnung im Stadtteil Wilhelmsburg verlassen zu haben, obwohl er Chantal am Morgen des 16. Januar 2012 nicht wecken konnte und sie bis zum späten Vormittag auch nicht aufgestanden war. Am Nachmittag war das Mädchen gestorben.

Den Ermittlungen zufolge hatte die Elfjährige am Vorabend eine Methadontablette geschluckt, in dem Glauben, es handele sich um ein Mittel gegen Übelkeit. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hätte Chantal gerettet werden können, wenn der Pflegevater medizinische Hilfe geholt hätte, erklärte das Gericht.

BM